Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 11 (November 1911)
- Article
- S. Fischer
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 981 - 982 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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98 L Paul l>archan: S. Fischer!J82 wakl die besten Elemente des künstlerischen und geistigen Berlin?. Hier entfaltet ihre Gaben seine Frau, die ihm durch viel künstlerischen Takt heimlich auch als literarischer Beirat Von Rasse, dass man sie für eine spanische könnte, von jener charakteristischen zur Seite steht. Jüdin halten Knappheit, distinguiertem Stolz und Präzision, und dann wieder damenhaft, banalcierend, dass man an die Petersburgerinnen denken muss, macht sie das interessante Haus, wie man e.; in Berlin nicht so bald wieder findet. Am 22. Oktober gab Fischer seinen Autoren ein ebenso pomphaftes wie interessantes Bankett im Kaiserhof. Und wenn man all die bedeutungsvollen Köpfe S. Fi; dichtgedrängt beieinander sah, die einst so ungestümen, trotzigen, jetzt sichern, gekannten und erprobten, musste man sieh, fragen: sind die einst so Wilden wirklich so mondän gewoidcn, wie sie auftreten? Sie begannen als revolutionär-demokratisch, und wenn man denn Sinn für gewisse Schwingungen einer Atmosphäre um sie hat. dann sieht man. dar.!; sie sich treu gebliehen-sind. Ktwas demokratisch Ethisches ist an Stelle des einst Rebellischen getreten.--Ein köstliches, umfangreiches C'edenkbuch hat der Verlag zu seinem .]ul:iläum herausgegeben, ..!> a s XXV s 1 e J a h r". drin gibt es viel zu naschen. 124 Porträts und Beiträge von allen Autoren diese-. reichen Verlages. Krzähhingen. Skizzen, Dramatisches, Gedichte. Essay::. Wenn man diese.; Buch durchblättert, fühlt man sich versucht zu prüfen, oh denn wirklich die deutsehe Literatur „verjudet" ist, wie manche Alarm- Antisemiten gerne schreien. Ach nein, nur ein 'kleiner Teil gehört ■ her. dieser Rasse an. Und es sind solche, deren man sich nicht zu schämen 1 raucht. Altenberg. Beer-.Hoffmann. Bic, Bcrac'.t. .Yoritz Heiniann, .Hirschfeld, Hoffmannsthal. Holitseher. Felix Hol'ander, Kerr,-Peter Xansen. Schnitzler. Wassermann, ich und noch ein Paar unter den 124 der deutschen X'odeme! JUEDISCHE HOCHZEITSBRAEUCHE IN ALTER UND NEUER ZEIT. Von Bar-Ami. Vor einem halben Jahrhundert seh Ins« Josef Perles seine noch heute lesenswerte Abhandlung über die Hoehzeitsfcierlichkeiten der Juden im naehbiblisehen Zeitalter mit folgenden Worten: „Die Hochzeiten der modernen Juden bieten höchstens den auffallenden Umstand, dass der herzliche Ton ungezwungener religiöser Freudigkeit einer steifen Salonetikette Platz gemacht hat, und nur in wenigen Gegenden haben die alten, in ihrer Plumpheit gemütlichen Formen gegenüber dem Andringen einer alles sublimierenden und verfeinernden Sitte standgehalten, besonders interessant ist in dieser Beziehung der Bericht eines französischen Touristen über eine vor mehreren Jahren i n Elsass gefeiert m jüdischen Hochzeit. Die bei uns (in Deutschland) schon längst verschwundenen Marschalls ötzten d i noch ein Gäste mit ihren improvisiert i\ Schwanken, die sonderbaren uralten Trachten spraHi n geradezu der Weltherrschaft der französisch'n Modonietnpolc Hohn, und der dein Feste beiwohnende Pariser Weltmann I Nachdruck verboten. glaubte Schalt Mi aus ein un vorig n Jahrhundert zu 'lischgenossen zu haben." Trotz der nivellierenden Tendenz n des modernen Lebens haben sich doch überall, wo Judui in grösseren Massen beisammen wohnen, di> altertümlichen Hochzeitsbräuche i.n grossen und ganzui lebendig erhalten. Von dem eigentlichen Akt der Trauung und den ihn begleitenden Zeremonien, insofern si e rel ig ionsgesetzlicher Natur sind, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, dass sie in ihrem alten Bestände unverändert geblieben sind. Aber um. diesen Akt herum, schlingen sich volkstümliche Sittm. Bräuche und allerlei Crlaubensvorstellungen, auf die ein Abglanz der der Trauiingsfcierliehkrit innewohnenden Weihe fällt, und an denen das Volk nicht oluv1 Zähigkeit festhält, obwohl es sehr genau dh.Hnupbascho von dem Nebensächlichen zu unterscheiden \\\ iss. Die Darstelhing der Hochzcitsbrüurlm ist von grossem Interesse nicht nur für den Kulturhistoriker und Folkloi isten, sondern auch für alle Freunde der Erkenntnis volks-