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Ost und West · 1911-10-01 · Heft 10 (Oktober 1911) · p. Seite 891 - 892

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 10 (Oktober 1911)
Article
Moses letztes Gebet
Date
1911-10-01
Page
Seite 891 - 892 (sequence 1)
Language
German
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891 892" (Doseö Iet3te5 6ebet. ncicrjbrucU verboten.. Cenfcer ber Welten, urewiger Vater, . Der sid} flammenb mir offenbarte Im Dornbusch; der Wilbnis, fils id} Die!) suchte atynenöen Berkens Llnhunbig Deiner, öoei) naclp Dir verlangenb, 6lür;en5 von Weisser, unstillbarer 5er)nsud)t, Did) erkannt id) im Reifen öer fluren, Did) erkannt id) im rausebenöen Bergstrom, Der lebenspenöenö 511 Haie eilt, Sd)äumeno unb brauseno, Unb öie Cancer tränkt unb befrud)tet. Did) erkannt ich. im 5d)auer öer Wüste, Wenn ich; einsam wanöernb vom Cager Saf) ewigen Schweigens Unenblid)neit, Sal) Oes Sandsturms beulende Wirbel, Der alles Cebenöe bed^t mit Vergessen. Did) erkannt id) im evv'gen Gesetze, Das Sonnen unb (Donöe lässt kreisen, kommen unb Gerzen seit Rnfang öer 3eilen, Das bie Wesen schafft unb vernid)tet Unb ihjnen 5U Deinen 3wechen ins ßer5 senkt Beglüd^enbe Ciebe. Also folgt aud) id) bem Befehle, Unb in ben Seligkeiten ber Ciebe Warbst Du mir neu unb gross, Unb mit ber Ciebe ftraft Rang id) 5U Dir, Urquell ber Gräfte, Unb Du machtest mich, stark 3um Streite, 6egen Arglist, Bebrückung unb I5ass ber cyrannen Unb bie Kleinmut bienenber Sklaven, Dass id) Throne sd)lug unb Letten 5erbrad), Ich, Dein kraftloser ftned)t! Da warb id) ganj Dein, mein selbst nicht aebtenb, Unb 30g Dir nad), gan5 Dir vettrauenb, Ins Canb bes Kummers unb ber Entbehrung Unb Du liessest uns nicht unb gingst vor bem F5eere, Dass Dich es erkenne, in büsterer nacht Cine §lammensäule, Berlin. Offenbartest mir Deine 6eset5e Im Donner ber Wolken, in 3iickenben Blumen, Unb rebetest mit ber posaune Dröhnen Worte bes friebens. — Unb id) stanb ber Cast nid)t unb habe gesi'mbigt, Dir nid)t vertraut unb habe gehabert, ftleinüd) unb schwad) nach ber (Densd)en Art, Da id) allein blieb, inmitten bes Volkes Unverstanben unb ungeliebt, Unb 3agte im F5er3en unb müb' war vom Kampfe Voll enbloser (Dül)sal. ßerr, Du vergabst in ve^eibenber ßnabe, Doch nur von Serne grüss' id) bie ßeimat, Die. so nahe 5U füssen mir winket, Grün unb lacbenb, bie fluren Jakobs! Die 3U schauen id) mid) gesebnet OTit ber gan5en ftraft verlangenber Seele, Seit id) ein Jüngling war. > Drum begehre id) nid)ts mehr im Ceben. Siel)e, o ßerr, alt bin id) unb matt, Vermag nicht mehr mit bes Greises Gräften Des Volkes 3U warten. einsam war ich seit frühen üagen, Dir nur bienenb unb Dein nur harrenb. fern von ber CDenscben törid)tem Sinnen, Die nur lieben, wer ihnen gleichet, Ehrfurcht bdscbenb, bod) fern ihrem ßerjen. So steig' id) 3ur Bergesl)öl)e hinauf Häher 3U Dir, auf ben id) vertraue, Dass mein Grab nid)t irrenbem Volke Eine Stätte werbe unbeiliger Verehrung Did) 5U verlieren. Unb rufe 3U Dir mit erhobenen ßänben: einsam, wie ich bas Ceben vollenbet, einsam, wie id) mit Dir gerebet Ruf bes Sinai heiligem Gipfel Cass einsam mid) sterben. DER JUEDISCHE STIL. Von Dr. A. Coralnik. III. (Schluss.) Sehen wir von der mythischen Grundlage dieser Legende, von der persischen und vorderasiatischen, uL-alten, überkommenen Angolo- und Dämonologie ab, und betrachten wir ausschliesslich die Struktur, die Form der Sago. Denn sie fasst in sich die vielfachen Elemente des indischen Geistes und setzt sie zum schimmernden Bilde zusammen. Es ist hier die grosse Tragödie, die grösste alles Menschendaseins — der Kampf wider den Tod. Moses ringt mit dem Vergehen. Und rechtet mit Gott, mit der Notwendigkeit, mit dem M u s s. Durch seinen Willen und seine Taten will er den urständigen Willen bezwingen — überreden, durch den Geist die Notwendigkeit brechen. Weder Buddha und Zarathustra kämpften mit dem Gotte. Willig gaben sie sich ihm hin. Attis und Adonis, alle die Erlöser, die die Menschensehnsucht bildete und erträumte, fanden im Tode ihre Vollendung, ihre höchste Tat. Und sprachen sie zu Gott, so war es in Hymnen, in breiten Lobestönen. Die Haomahymnen des Zarathustra sind keine Zwiegespräche des priesterlichen, repräsentativen, gotterfüllten Menschen mit seinem Mysterium, sondern Gebete, Monologe, Kontemplation. Die Hindu- Hymnen waren Monologe der Verzückten, der im Denken, im Selbst wühlenden Sucher und Frager. Ihre Geflbolf Sriebemann. Nachdruck verboten. bete waren für sie die innere Vertraulichkeit, sie waren, wie Renan einmal sagte, „der Zweck der Welt". Ihrer Welt. Sie waren Selbstzweck. Moses aber, nicht der biblische, sondernder im Mythus entwickelte, das spätere Judentum repräsentierende, rechtete mit dem Herrn. Er stellte sich neben ihn und stand ihm Frage und Antwort. Sein Gebet war ein Dialog. Rede und Widerrede. Kraft an Kraft gemessen, Geist an Geist. Da ist keine Zeit für Epik, für Breite, Behaglichkeit, fürs Detail. Wie der Gedanke so scharf, wie das Erleben so blitzschnell. Der innere Sinn, das Ohr, das Belauschen seiner selbst und der tiefen Welt waren ihm fremd. Daher seine Worte so speerblank, so geschliffen und von eisernem Griff. Er und Gott haben einen gemeinsamen Boden, auf dem sie stehen — das ist das „Gesetz", die ,,Schrift", die „Thora". Sie ist das Wort und gottbindend. Sie ist die Norm und weltlenkend. Das Denken Mosis, der innere Prozess des jüdischen Weltbegreifens war deshalb ein Vergleichen und Deuten. Es gab einen für alle Zeiten festgefügten Rahmen. Alles musste hineingezwängt werden, sollte es wahr und richtig sein, ja sollte es möglich sein. Der Begriff der Wahrheit, des Wahrseins lag also nicht im Objekt selbst, sondern ausserhalb und darüber. Es gab kein anderes Kriterium

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