Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/2583875-2584006-2584016--12146-2603587- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ösF^esr ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Heft 10. Oktober 1911. XL Jahrg. 6enug öer Versäumnisse.' 6in Ruf 3ur Cat! Die 3eit liegt nod) nid)t gar 311 lange 3iirück, ba man wohl mit einer Brt schmersliefen Bebauerns, bod) nid)t oljne Trost unb Glauben auf Russlanb sal> Wol)l füllte man es wie einen Wiöerspruch innerhalb öer ganzen übrigen europäischen Völker» weit, aber wie einen Wiöerspruch, öer balö bescitigt sein musste. (Dan saf) öie Freiheit auc!) bort schon auf öem Wege. Die Freiheit für alle, öal)cr auch; für öie Unterbrüchtesten ber tlnterbrüd^ten, bie ]uben. Diese ouversicht würbe burd) bie Revolution in ben ent5Ünblicheren nur gesteigert, in ben übrigen wenigstens nicht l)erabgebrüd^t; burcl) bas böse Cnöe öes Kampfes 3vvar erfchiittert, aber öurerjaus nicht vernidjtet. £ine Krise, backte man, wenn aud) eine langgesogene unb mit vielen VVed)selfäl!en, aber schliesslich; ba5ii ba, um über» stauben 511 werben. 5o nal)m man selbst bie Pogrome, wenn auch mit Sd)mer3 unb 6ntset3en, so öocl} mit ber gewissen stillen F5offnung hin, öass am 6nbe auch biese ßeimsuchung vorüber» gehen müsse. Hun l)at ber Optimismus sidjerlid) sein Gutes. Doch nid)t ber Optimismus bes Fatalisten, öer geöuekt unb mit scheu 311 Boöen gesenkten Blid^en wartet, bis broben bas Unheilgeflatter vorüber» gesogen ist, sonbern ber bes Kämpfers, ber seine eigene ßoffnung nicht im Gliche lässt. Unb so Ratten auch wir nicht wartenb, sonbern hanödnö J) Wir machen auf bie in öiefer Hummer enthaltenen ,,Illus trat Ion eti zu Russlands Judznpolxtxk'1 sowie auf „Die pogrome tn Süd - CCIales" als wirksame £rgän3ung bes obigen Artikels besonbers aufmerksam. Die Redaktion. naci)drucU mit Quellenangabe gestottet. hoffen müssen. Wir begnügten uns aber im besten Salle mit ber Verabreichung ber not» wenöigsten Ciebesgaben, unö öas war sicherlich nicht bie wehrenöe Tat, bie bie Hot ber 3eit von uns verlangen burfte. In3wischen ist es noch schlimmer, noch viel schlimmer geworben, — so schlimm, bass bie Pogromluft, bie nun wieber in Russlanö weht, im Grunbe bas kleinste Uebel ist. Denn bie Pogrome wussten sich wenigstens burch bie Unmittelbarkeit ihres Grauens Gehör unb Wirkung 311 verschaffen. (Dan brauchte nur ein einsiges (Dal einen kur3en 3eitungsberid)t mit ben hauptsäd)» liehen Grausamkeitstvpen ber ßooligane 3U lesen, um nid)t nur orientiert, sonbern gepackt, empört, aus allem Gleichgewicht gebrad)t 511 sein. Das fürchterliche aber, bas heute mit ben juöen in Russlanö geschieht, ist nid)t nur „unblutig", sonbern viel 311 weitläufig, viel 311 verwickelt, viel 51t sehr in öie regelmässig laufenben Creignisse bes Berufs* unb Criverbslebens hjineingebettet, um ein so unmittelbares unb wuchtiges Gntsetsen hervor» 5itrufen, wie bie Pogrome. Unb so konnte es kommen, bass wir ohne besonbere Gemütserregung Seugen von 3uslänben unb Vorgängen sinb, bie uns in ben tiefsten Tiefen unserer Seelen aufwühlen unb mit unwiöerstehücher Gewalt 3ur entschlossenen Tat brängen müssten. eine Orgie brutaler ]ubenaustreibungen unb 3ubenverschickungen rast burd) gaiis Russlanb. Täglich, buchstäblich täglich, fallen tausenbe jübischer 6xisten3en.. Unb bie Crfinbergabe ber ausführenden Organe weiss jebe ein3elne Katastrophe mit allerlei ßässlichkeit unb Grässlichkeit aus3ustatten.