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Ost und West · 1911-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1911) · p. Seite 783 - 784

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1911)
Article
Rabbiner Dr. Heinemann Vogelstein - Stettin
Date
1911-08-01
Page
Seite 783 - 784 (sequence 2)
Language
German
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783 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Rabbiner Dr. Heinemann Yogelstein-Stettin. 784 Universität sowie das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau. 1865 promovierte er daselbst als Doktor der Philosophie auf Grund seiner Dissertation „Die Alexandersage bei den Orientalen". 1868 erhielt er das Rabbinatsdiplom und wurde im selben Jahre als Rabbiner nach Pilsen berufen, wo er 12 Jahre segensreich wirkte und heute noch „der Pilsener Rabbiner" im eminenten Sinne genannt wird. Im Februar 1880 kam er nach Stettin. Hier war es ihm vergönnt, 31 Jahre eine ausgebreitete und überaus erfolgreiche Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten zu entfalten und der Stettiner Gemeinde einen hervorragenden Rang unter den jüdischen Gemeinden Deutschlands zu verschaffen. Humanitäre und populär-wissenschaftliche Vereine hat er zum Teil selber begründet, zum Teil eifrigst gefördert. Den Gottesdienst hat er in gemütbefriedigender V/eise modernisiert und den jüdischen Religionsunterricht an allen höheren Schulen als besonderen Unterrichtsgegenstand eingeführt und organisiert. Die Trauerfeier fand am 9. August nachmittags vier Uhr in der Synagoge zu Stettin statt. Nach einem einleitenden Gesang hielt Herr Rabbiner Dr. W o r m s die Trauerrede, in der er die Verdienste des Verstorbenen, insbesondere um die Stettiner Gemeinde, würdigte und;als markante Vorzüge seines Wesens und Wirkens hervorhob erstens die Fülle und die Vielseitigkeit seiner Arbeitsleistungen im Dienst seiner Gemeinde und des Judentums, zweitens den Mut und die Ehrlichkeit seiner religiösen U e b e r z e u g u n g, deren Lauterkeit von niemand angezweifelt werde, drittens die Milde und V e rsöhnlichkeit seines Wesens, wodurch er, wenn auch sachliche Gegner, so doch keinen persönlichen Feind zurücklasse. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Freudenthal, Nürnberg, noch ein treffendes Bild des Entschlafenen entworfen und Herr Rabbiner Dr. G o 1 i n s k i , Pilsen, im Namen seiner \|I Rabbiner Dr. Vogclstein. Gemeinde gesprochen hatte, wurde der Sarg unter Orgelklang aus der Synagoge getragen, und eine fast unabsehbare Menge folgte der Bahre zum Friedhof, von dessen Eingang bis zur Gruft in der Ehrenreihe der Sarg von Rabbinern in Amtstracht und von den Söhnen des Dahingeschiedenen getragen wurde. Am offenen Grabe sprachen noch die Herren Professor Dr. P h i 1 i p p s o h n , Berlin, für die Erziehungsanstalten des „Deutsch - Israel. - Gemein debun des", für den „Verband der deutschen Juden" und den „Verband der jüdischen Literatur-Vereine"; Justizrat Breslau er, Berlin, für die „Vereinigung des liberalen Judentums in Deutschland"; Rabbiner Dr. Eschelbacher. Berlin, für den Rabb.- Verband in Deutschland; Rabb. Dr. K a e 11 e r , Danzig, für die Vereinigung der liberalen Rabbiner; Rabbiner Dr. S i 1 - b e r s t e i n , Stargard, für die pommerschen Gemeinden; Prediger L i o n W o 1 f f , Tempelburg, für den Verein der israelitischen Lehrer Pommerns; Prediger Dr. Sonderling für die Tempelgemeinde in Hamburg; Rabb. Dr. Wilde für die Gemeinde Magdeburg; Dr. Ehrenb e r g für den Vorstand der Stettiner Gemeinde, und zuletzt ergriff der älteste Sohn des Heimgegangenen, Rabbiner Dr. Hermann Vogelstein, Königsberg, das Wort, um an der offenen Gruft in ergreifender Weise seinem Vater Dank und Gelöbnis auszusprechen. Darauf hielt Rabbiner Dr. W o r m s die Schluss-Liturgie und rief dem Verklärten Worte des Dankes nach im Namen all der Vereine und Verbände im Judentum, denen Dr. Heinemann Vogelstein angehörte, und deren Ziele er durch Wort und Tat gefördert hat, insbesondere namens der A 11 i a n c e I s r a e 1 i t e Universelle, deren Vertreter für Stettin er viele Jahre gewesen ist. Nach dem üblichen Gebet in der Leichenhalle war die imposante Trauerfeier um 1V2 Uhr beendet. Ehre seinem Andenken! DIE ISRAELITEN IN MAROKKO. Wie vorauszusehen war. haben die ernsten Ereignisse, deren Schauplatz in jüngster Zeit wieder Marokko gewesen ist, auf die materielle Lage der Israeliten im Innern des Landes, besonders in Fez, Mequinez und Seffrn einen schweren Druck ausgeübt. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Die Stadt Fez, die 10 000 jüdische Einwohner zählt, ist wochenlang bis zur Ankunft der französischen Hill, 'colonne von aufrührerischen Stämmen besetzt gewesen. Jode Verbindung der Belagerten mit der Aussenwelt war abgeschnitten, der Handel stockte,

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