Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1911)
- Article
- Jozef Israels
- Date
- 1911-08-01
- Page
- Seite 691 - 692 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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691 G. Kutna: Jozef Israels. 692 paar Striche wegwischte, ob er sich in seinen Lehnstuhl setzte und den Schlapphut aufstülpte oder ob er von den Weisen unter den Menschen und den Tiefen des Lebens sprach, er war eine Erscheinung, die man ehrfürchtig erlebte mit Kindersinn. Wenn man von ihm ging, hatte man eine Wandlung erfahren und war zu allen Läuterungen beschwingt. Man war von einer lichten Heiterkeit erfüllt, und jedem Vorübergehenden hätte man zurufen mögen: du bist mir Freund und Bruder, denn Jozef Israels ist ein Sohn deines Landes. Aus seinem Wesen ging immer Gabe aus, und Gabe war er selbst. Man konnte ihn nicht sehen, ohne dankbar und gläubig zu sein und ohne zu erkennen, dass wir doch sind alle Gotteskinder. Ein wunderbar Tröstendes war in seinem Wesen, als sei die Güte lebendig verkörpert und gehe unter uns umher, still und unscheinbar wie ein geheimer Bote aus dem Lande der Tröstungen. Er war das, was der Sabbat dem Juden ist, die Heimatsflur dem Irrenden, Verheissung dem Bedrängten. Dies könnte als Schwärmerei und Verschönerung ausgelegt werden und doch ist alles Wahrheit. Dies bezeugt seine Malerei, die tröstende, läuternde, geheim beglückende. Wäre Israels ein Könner, mit Geschick und Meisterschaft begabt, dann wäre seine Kunst kein Zeugnis für seine Persönlichkeit. Seine Werke könnten manches sagen, wovon seine Persönlichkeit nichts weiss. Er ist aber kein Könner, der Formen meistert, er ist ein Tastender und nicht selten ein Stammelnder. Und sein Tasten und Stammeln ist hohe Kunst, ein andächtiges Nachspüren dessen, was das Erdendasein weiht. Die Technik ist ausgeschaltet, es ist keine Absicht darin fühlbar und kein stoffliches Gestalten; es ist einzig mit dem Herzen gemalt, mit sinnendem Mitleid] des Herzens. Was sonst malerische Akzente sind, ist hier der Pulsschlag einer Seele. Seine Malerei musste man erleben, und nur wenn man sehnsüchtig war, konnte man sie erleben; sie war nicht für feine Sinne, und nicht für den Kennerblick, für jene war sie, deren Schauen ein Sehnen ist, deren Seelen lauschen. Ein Grundzug seiner Malerei ist die Dankbarkeit; jenes Dankgebet ist darin, das dem Psalmensänger auf den Lippen bebt, das aus religiösen Tiefen emporsteigt und in allem Dasein Beglückung findet. Dies raunt durch seine Welt, und in all der Armut und Not, die er gemalt hat,