Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1911)
- Article
- M. A. Klausner
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 561 - 562 (sequence 1)
- Language
- German
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M. A. KLAUSNER. Denkstein-Enthüllung. Sonntag, den 7. Mai wurde auf dem Friedhof in Weissensee das Grabdenkmal für den am 7. Septem berl91Ü verstorbenen Geschäftsfülirer der Deutschen Conferenz- Gemeinschaftder Alliance Israel ite Universelle, Schriftsteller und Dichter M. A. Klausner, im Beisein der Familie und der Freunde des Verewigten sowie zahlreicher Mitglieder der Alliance enthüllt. Aus der eindrucksvollen Gedenkrede des Herrn Rabbiner Dr. Voirelstein- Königsberg, der im Namen des Präsidiums der Familie den Stein übergab, und a'is der Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher-Berlin geben wir nachstehendes im Auszug: Ttabb. Dr. Vogelstein: Acht Monate sind beut vollendet, seit M.A.Klausner, der erste hochverdiente Geschäftsführer der D. C. G. der A. f. IL. ji'n aus dem Leben gerissen ward. ]n der frischen Trauer hat die D. C. G beschlossen, der dauernden Dankbarkeit für das, Avas er uns geleistet hat, äusseren Ausdruck zu geben durch die Errichtung des Denksteins an seinem Grabe. Der Denkstein am Grabe ist und soll sein das Zeichen pietätvoller Dankbar<eit und Verehrung derjenigen, die dem Verewigten, am nächsten gestanden. Aber wenn ein Mann, in einem grossen Kreis verdienstvoll gewirkt, dann hat dieser Kreis ein gewisses Anrecht darauf, als gleichberechtigt bei der Erfüllung der l'ilici.t pietätvoller Dankbarkeit neben die Familie zu treten. So geht es der D. C. G. gegenüber ihrem ersten Geschäftsführer. Wenn ich heute namens der I». C G. als Vertreter ihres Präsidiums, dessen Mitglieder zu ihrem Bedauern abwesend sein müssen, diesen Stein Ihnen, hochverehrte FrauKlausner, und Ihren Kindern übergebe, so habe ich nls erstes Wort ein Wort des Dankes an Sie zu lichten, dass Sie uns gestattet haben, die Liebespflicht v.u. üben, die Ihr Ehrenrecht ist. dass Sic damit anerkannt haben, dass wir. die D GG., in Trauer und dankbarer Erinnerung neben ihnen stehen. Dies Denkmal und diese Grabstätte zu hüten, das freilich ist eine Aufgabe so zart, so en<£ verknüpft mit dem innersten Empfinden, nur denen zustehend, die durch die heiligsten Bande mit dem Toten verbunden gewesen. Wir wissen es in guter, treuer Hut: denn wir wissen, was dies Grab ihnen bedeutet. Eine Stunde ernster Weihe ist < s, die uns hier vereint. Aber nicht das Niederbeugende der Trauer beherr.-elit diese Stunde wie vor Monaten die Stunde, da Sie hier am offenen Grabe standen, sondern das Ei hebende und Heiligende, des die Erinnerung birgt. Stand damals im Vordergrund des Empfindens die Schwere des Verlustes, so überwiegt heute der Gedanke an das, was Ihnen und was uns zu eigen gewesen, und darum was dauernd bleibt. Und das ist die verklärende Kraft der Erinnerung, dass alles Geringfügige und Kleinliche zurücktritt und schwindet, und bleibend nur ist, was an Wertvollem, Dauerndem die Persönlichkeit eines Mannes uns bedeutet. Die D. C. G. der A. I. IL war eine ganz junge Institution, da Klausner als Geschäftsführer ihrem ersten Präsidenten zur Seite trat und mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit für ihr Aufblühen und Erstarken wirkte. Dass die D. C. G. heute, nach wenigen Jahren, eine grosse, ihrer Mitgliederzahl, ihren Leistungen wie ihrem geistigen und moralischem Gewicht nach bedeutsame Organisation darstellt, daran hat Klausner ein hervorragendes Verdienst. Aber so sehr er an dem Ausbau und der Kräftigung der D. C. G. gearbeitet, so scharf und mitunter vielleicht so schroff er in Streitigkeiten die Rechte der D. C. G. verfochten und eine weitgehende Bewegungsfreiheit für sie beansprucht hat: das sei in dieser Stunde namens der gesamten D C. G. mit allem Nachdruck betont, unsere Dankbarkeit für dieses sein Wirken, ja die ganze Kraft dieser Wirksamkeit wurzelte darin, dass ihm wie uns allen die D C. G. nicht als selbständige Organisation, sondern um deswillen so viel bedeutet, weil sie der Ausdruck und die Ausprägung des universellen Alliancegedankens ist, durch welche dieser Gedanke in unserm deuNeheu Vaterlande wirksam gemacht wi>d zur Geltung gebracht werden kann. Es ist uns Hekenntn s zur A.I. IL, (Us stolze, freudige Bekenntnis zum Judentum, das uns alle, das den Mann, dessen wir heute ehrend gedenken, zu tätiger, fruchtbringender Arbeit für die D. C. G. begeistert. Das darf mau als den Kern * einer Persönlichkeit bezeichnen. Was die heilige Schri t von Mordechai aussagt, dass er ein Hin» tr»N war, ein Manu und ein Jude, das gilt von diesem .Manne, der den Namen Mordechai trug. Er war eine scharf geschnittene, d'irch seine geistige Hefähigung und umfassende Bildung wie durch die Gewandheit und die Schärfe seiner Feder ausgezeichnete Persönlichkeit, ein Mann, der seine Anschauung, n mit aller Entschiedenheit verfocht Es hat an Meinungsverschiedenheiten (Lruin nicht gefehlt und diese Meinungsverschiedenheiten sind bisweilen scharf zum Austrag gebracht worden. Das ist die Folge seiner ausgeprägten Persönlichkeit Aber d ese Meinungsverschiedenheiten bezogen sich auf Einzelfragen: über al'en Meinungsverschiedenheiten steht das, worin diu Kraft dieser Persönlicl keit wurzelte, steht, wie dieser Stein es bekundet, seine hübe zum Judentum. Datum war sein Wirken innerhalb der 1). C. G. so erfolgreic-, weil er hier auf einen Platz gestellt war. von dem ans er dieser Liehe mm Judentum den Ausdruck geben konnte, dass er für die tätig war, die um ihres .Judentums willen zu leiden 1 \utten. Denn er hat sein Amt nicht eng aufgefasst, so dern in seine Tätigkeit als selbstverständlich einbezogen die Fürsorge und das tCinteten namentlich Jür die russischen Juden. Der starke Zuzug russischer Flüchtlinge teils zu vorübergehendem Aufenthalt in Deutschland, teils als I)im liwandorer fiel in seine Amtszeit. Dankbar s>-i anerkannt, was er zu ihren Gunsten gewirkt hat. Es kann ireht meine Aufgabe sein, Klausners Persönlichkeit Ihnen zu ze'chneu. Nur was er aus diesem seinem innersten Wesen heraus uns, der D. C. Ggewesen, habe ich kurz andeuten wollen. Ein altes Wort des Talmuds sagt: Denen, die Grosses und Gutes geleistet, braucht man keine Denkmäler zu setzpn pro: ]n jn ]nn:n hre Werke und ihre Taten sichern ihr Andenken. Wohl, sein Andenken ist in r»er D. C. G. für alle Zeiten g»sichert. Aber die Gemeinschaft ehrt nur sich selbst, die ihre verdienstvollen Männer eint. So schien es uns eine Pflicht gegen die D.C G. selbst zu sein, dies schlichte Denkmal zu errichten. Mag es Ihnen, verehrte Frau und Ihren Kindern, mag es weiten Kreisen der jüdischen Oeffentlichkeit ein dauerndes Zeichen sein unserer Dankbarkeit und dessen, was der Verewigte gewesen! Rabb. Dr. Eschelbacher: Geehrte Trauerversammlung! Wieder stehen wir heute auf dem Grabe, das die irdischen Reste des so jäh uns und seiner Wirksamkeit entrissenen Max Albert Klausner .enthält und blicken auf das Denkmal, das in treuem Gedenken und in dankbarer Gesinnung ihm zu Ehren, errichtet worden ist. Dem erschütternden Eindrucke, den sein früher Tod uns bereitet, hat die Zeit, die alles lindert, grössere Ruhe folgen lassen und der tiefe Schmerz seiner Lieben hat zur stillen Wehmut sich verklärt. Sie haben erkannt, dass wir uns abfinden müssen auch mit dem Schwersten und Bittersten, dass auch für uns Frieden herrschen muss a if den Gräbern unsrer Toten und dass wir in stiller Ergebung uns in das zu fügen haben, was Gottes unerforschlicher Wille uns hat bestimmt. Ein abgeschlossenes Ereignis muss ins auch der Hingang der uns Nächsten sein und von der schmerzlichen Vergangenheit haben wir uns der lebendigen Gegenwart mit ihren Sorgen und Angelegenheiten, ihren Forderungen und Aufgaben zuzuwenden. Nicht immerdar, in jeder Stunde kann das