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Ost und West · 1911-06-01 · Heft 6 (Juni 1911) · p. Seite 557 - 558

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Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 6 (Juni 1911)
Article
Kandidatenliste der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle für die Wahl am 4. Juni 1911
Date
1911-06-01
Page
Seite 557 - 558 (sequence 1)
Language
German
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557 5öS KANDIDATENLISTE der Deutschen Conferenz-Oemeinschaft der Alliance Israelite Universelle für die Wahl am 4. Juni 1911. Armand Bernheim, Mülhausen i. Eis. Prof. Dr. Hermann Cohen, Geh. Regierungsrat, Marburg Rabbiner Dr. Feilchenfeld, Posen Justizrat Max Fuchs, Notar, Berlin Hermann Gampertz, Hamburg Stadtrat Leopold Guttmann, Beuthen Ritter D. vou Gutmann, Wien H. H. Hartogensis, Baltimore Prof. Dr. Leop. Landau, Geh. Medizinalrat, Berlin D. E. Lioni, Amsterdam Kommandant Lipmann, Versailles Rabb. Dr. Nobel, Fiankfurt a. M. Heini ich Oschinsky, Breslau Rabb. Dr. Rosenthal, Breslau Adolf Salomon, Bukarest Hermann Löb-Stern, Mannheim Hermann Wittner, Leip/.ig A. Mitglieder in Paris: 3. 4. 1. Charles Berr 2. Albert Cahen 3. Dr. R. Hirschberg 5. 4. Dr. Alexander Klein, Avocat 6. 5. Lucien Lazard 7. 0. lsai Levaillant 8. 9. 7. Narcibse Leven 8. Israel Levi 10. 9. Alfred Levi 11. 10. Camille Lion 11. «1. Machiels 12. 12. Saal Merzbach 13. 13. Eugen Richtenberger 14. 14. Maitre Tehernoff Avucat ä la cour d'appellation lf>. B. Mitglieder ausserhalb Paris: 10. 1. Dr. B. JU. Asscher, Amsterdam 17. 2. Behor Effendi Aschkenazi, Mitglied des 18. kaiserl. ottomanischen Senats, Konstantinopel. 19. DIE ISRAELITEN IN RUSSLAND. Trotz aller der Duma gogenübcr angewendeten Beeinflussungs- und Einschlichterungsversuche, um eine öffentliche Debatte über die Gesetzesvorlage zu verhindern, die dio Abschaffung der Verordnungen über das Wonnrecht der Juden verlangt, ist der von 166 Abgeordneten unterzeichnete parlamentarische Initiativantrag, der den Juden das freie Niederlassungsrecht im ganzen russischen Reich gewähren will, in der Duma- 5-itzung vom 9./22. Februar 1911 zur Beratung gelangt. Gegen jede Erwartung haben die Verhandlungen keinen Anlaß zu den vielfach befürchteten Unruhen gegeben, nur die jüdischen Abgeordneten sind bei ihren Reden wiederholt in lärmender Weise von der Rechten unterbrochen worden. Dem Hausgesetz der Kammer entsprechend hatten die Parlamentsfraktionen drei Redner zur Befürwortung des Entwurfs und zwei Redner zu seiner Bekämpfung zu wählen. Seine Verteidiger waren die Herren Maklakof, Abgeordneter für Moskau und einer der Führer der Kadettenpartei; Pokrowski, sozialdemokratischer und Nisselowitsch, jüdischer Abgeordneter; die Gegner wraren der Abgeordnete Markof im Namen „des Verbandes der echten Russen" und Baron Ischerkassof, Wortführer der Nationalisten. Nach der Abstimmung haben noch mehrere Abgeordnete das Wort ergriffen, um ihr Votum zu begründen. Der jüdische Abgeordnete Friedmann, der Kadettenführer Roditschef, die Bauerndeputierten Gulkin, Zakharof und ßasilowitsch. Alle befüiworteten die Beratung des GesetzentAvurfs; nur der Bauernvertreter Andreitschun war dagegen. Die Rechte hatte die gerade und einfache Ablehnung der Vorlage beantragt, während die Oktobristen und das Zentrum ihre Ueberweisung an die ständige Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Kommission zur Prüfung von Gesetzentwürfen vorschlugen. Angenommen wurde der Antrag des jüdischen Abgeordneten Nisselowitsch, der die Vorlage an die Kommission verwies, die sich mit allen Fragen über die Unvcrletzlichkeit der Person zu beschäftigen hat. Der zweite Antrag Nisselowitsch, die Vorlage nach Ablauf eines Monats wieder an das Plenum gelangen zu lassen, wurde in Gemeinschaft mit dem ersten mit 208 Stimmen gegen 138 angenommen. Ueber das endgültige Schicksal der Vorlage läßt sich vorläufig noch nichts voraussehen; selbst für den Fall, dass sie eine Dumamehrheit findet, ist bei dem heutigen Stand der politischen Angelegenheiten ihre genaue Durchführung noch nicht gesichert — immerhin aber bedeutet die Aufnahme, die die Gesetzesvorlage in der Duma gefunden, eine neueEtappe in derGeschichte der russischen Judenheit. Der zurzeit unter der Presse befindliche Jahresbericht bringt die hauptsächlichsten Reden, die bei der Beratung des sogenannten „Gesetzentwurfs der 166" in der Duma gehalten worden, sind. Während die jüdische Frage in dieser Weise das Parlament beschäftigt hatte, hielt der Kongress des russischen Adelsvereins seine Sitzungen ab. Der Bericht über diese, am 12 /25. Februar begonnenen Verhandlungen beweisit klar und deutlich, dass der Mittelpunkt der antijüdischen Bewegung in Russland augenblicklich in dieser Organisation zu suchen ist. Die Sitzungen waren zum grössten Teil der Prüfung der Massnahmen gewidmet, die gegen die Juden zu ergreifen wären. Der vom Komitee der Versammlung vorgelegte Bericht stellt fest, dass die Verantwortlichkeit für die allgemeine Emanzipationsbewegung zum grössten Teil

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