Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1911-06-01 · Heft 6 (Juni 1911) · p. Seite 529 - 530

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 6 (Juni 1911)
Article
Julius Obst
Date
1911-06-01
Page
Seite 529 - 530 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2583875-2584006-2584013-2603045--11823-2603095
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

529 530 JULIUS OBST. Karl Bayer. Nachdruck verboten. Sehen diese Statuen nicht wie die Meuniers aus? Wahrlich eine frappante Aehnlichkeit, doch nur auf den ersten Blick", da uns die künstlerische Intention gefangen hält. Es sind Arbeiter oder Leute des niederen Standes, Menschen, deren Hände Arbeit sie ernährt. Aber während Meunier den Arbeiter mit der Scholle verwachsen sein lässt, ihn als den kraftvollen Bezwinger des Elementes darstellt, dringt Julius Obst mehr in die Seele ein. Er belauscht die inneren ReguugeD, liest in den eingegrabenen Furchen der Gesichter und belebt das Auge des Gemütes. Mau könnte Obst den in das Jüdische übertragenen Meunier nennen. Man betrachte nur den im Gebet erhobenen Greisenkopf mit den wehmütig flehenden Augen, die tief in die Augenhöhlen eingebettet sind, den hageren "Wangen, die von Not und Entbehrung und schweren Kämpfen im Leben künden, und dem halbgeöffneten Munde, dessen Lippen sieh schwach bewegen, um sich zu vergegenwärtigen, welche dramatische Steigerurg und psychologische Ausdrueksfähigkeit dieser Künstler in seinen Werken zu geben vermag. Julius Obst, ein Frankfurter von Geburt, der mehrere Jahre in Brüssel gelebt und sich seit kurzem in Berlin niedergelassen hat, begann als Stukkateur, wandte sich dann der Bildhauerei zu, studierte drei Jahre auf Akademien und wurde schliesslich Schüler von Constantin Meunier — der als wahres Spiegelbild einzige Schüler, den der grosse Belgier unterwiesen hat. Der junge Künstler hat sich als ein würdiger Schüler seines Lehrers erwiesen. Die vollendete Technik, die tiefe Empfindung, die Kraft und Grösse, die aus seinen Werken spricht, zeigen eine bedeutende künstlerische Persönlichkeit. Seine Werke haben auf mehreren Ausstellungen bereits grosses Aufsehen erregt, siud von der Kritik und der Künstlerschaft freudig begrüsst worden und werden sicherlich vom Publikum nicht weniger günstig aufgenommen werden, damit eine solche Kraft,ungehindert seinen hohen Zielen zustreben kami. JULIUS OBST. Der Garbenbinder. BEELIN".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.