Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1911-03-01 · Heft 3 (März 1911) · p. Seite 245 - 246

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
11 (1911)
Issue
Heft 3 (März 1911)
Article
Das Hohelied [Illustration]
Date
1911-03-01
Page
Seite 245 - 246 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
illustration document
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2583875-2584006-2584010-2602653--11551-2602740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Henryk Glicenstein. Das Hohelied. DAS HOHELIED. ..Wie bist du schön, meine Freundin, wie bist du schön! Deine Augen sind Taubcnaugen. dein Haar gleicht der Ziegenherde . . . Lebenslust und Lebensfreude strahlt aus diesem neuesten Werke Glicensteins. Wir kannten ihn bisher nur als den kraftvollen, ernst grübelnden Künstler, der gewaltige Probleme seinem Schaffen zugrunde legte. Mächtige Riesen wie der Messias, clor finsterunheimliche Brudermord des Ivain, das wehmütige Schluchzen des Orpheus — fast nur in solchen grossen Akkorden erklang seine Stimme. Es war das Ringen um die Kunst und um Anerkennung, der Kampf um das Dasein und des Daseins, das den Künstler zu solchen Themen veranlasste. Nun ist er auf der Höhe angelangt, Anerkennung und Erfolge lohnen ihm sein schweres Ringen. Auf dem. mühsam erklommenen Gipfel des Berges öffnet sich dem Wanderer der Blick auf die im Sonnenschein daliegenden Täler und freudig ruft er aus: wie bist du schön! Nun erwacht wieder die Freude am Dasein, der englische Dichter wird zum Lyriker in seiner Sulaniith. Xaclulruck verlioten. Die hier wiedergegebeno Statue ist die erste eines grösseren Zyklus, den Glicenstein soeben in Arbeit hat. Von einer ganz neuen Seite zeigt sich der Künstler hier, wie schon gesagt, von der lyrischen. Eine jugendfrische weibliche Gestalt in tänzelndem Schritt und mit lächelndem Gesicht schreitet frohen Mutes daher; das Böcklein reisst seine Führerin mit sich: mutwillig legt sie sich nach rückwärts, um nicht zu laufen, und hält mit straffem Arm dasTierchen fest, über dessen kühne Sprünge sie sich freut, da auch sie in ihrem. Uebcrinute am liebsten hüpfen und tanzen möchte. Welch' wohlgebauten Körper umschliesst das leichte Gewand: ..Dein Wuchs gleicht der Palme und deine Brüste den Trauben". Es ist das Hohelied der Lebensfreude, das Lied eines Schaffenden, dessen Weg nun, nach mühevollem Beginnen, freudig vorwärts geht auf luftigen Höhen, wo die Sonne scheint. ..hüpfend über die Berg*1, springend über die .Tlüge'r. K. S.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.