Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 3 (März 1911)
- Article
- Kirche im Grünen
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 209 - 210 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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209 210 iÄ!iiP|i& ^lEJ^^y WZ: MICIfAEL ADAM. Kirche im Grünen. BERLIN. MICHAEL ADAM. Von Karl Schwarz. Ein behaglich eingerichtetes Atelier empfing midi in der Hohenstaufenstrasse: eine Anzahl von Bildern und Oclstudicn hing an den Wänden, auf einem Tische lagen Zeichnungen und Radierungen, und an der einen Wand entdeckte ich ein sehr schönes Harmonium. „Hier sitze ich oft stundenlang und spiele, was mir gerade in den Sinn kommt," begann der Künstler. „Ich spiele auch Klavier und Violine. Die Musik hat mir überhaupt das Leben gerettet. Denn, nachdem ich die Berliner Akademie besucht hatte, musste ich mir, aller Mittel bar, meinen Lebensunterhalt durch niedere Arbeit verdienen. Erst fertigte ich Zeichnungen für Stickereilnuster und übermalte Photographien, dann wurde ich Kurbelsticker und habe vom Morgen bis zum Abend an der Maschine gestanden. Zur Nachtzeit spielte ich in Lokalen zum Tanz auf und sparte mir* diese mühsam erworbenen Groschen mit dem Ziele, wieder zur Malerei zurückzukehren. Allmählich bin ich aus dem Elend herausgekommen — jetzt liegt das alles wie ein Märchen hinter mir."' Es ist ein Künstlerroman, wie man ihn leider so oft hört; der grösstc Teil unserer jüdischen Künstler Nachdruck verböte!). hat eine traurige Jugend verlebt, hat darben und hungern müssen, bis endlich die Stunde der Befreiung kam. Michael Adam ist ein einfacher, bescheidener Mensch, ein Mann Ende der vierziger Jahre, ein Künstler, der wenig Aufsehens mit seinen Werken, macht und zufrieden ist, jetzt ein beschauliches Dasein führen zu können. Er ist eigentlich Porträtist, schnell und sicher weiss er chis Charakteristische seines Modells auf die Leinwand zu bringen. Eines seiner besten Bilder, das Porträt seiner Gattin, bilden wir hier ab. Eine feine Farbenharmonie verbindet das Ganze, die ruhigen dunklen Töne gehen leicht ineinander über; nur das Futter des Muffes leuchtet in hellem Rosa hervor, und die kleinen Blümchen in der Hand der Dame beleben die dunkle Leinwand etwas. Der Ausdruck des Gesichtes ist frisch und lebendig, und die Zeichnung lässt auf eine gute Schulung schliessen. Das lebensgrosse Bild des Schauspielers Pauli hat eine merkwürdige Geschichte. Da Gerhart Hauptmanns ..Weber" von höchster Stelle in die Acht erklärt wurden, so musste auch diese Darstellung des Baumert aus der Berliner Kunstausstellung von 1805 wieder