Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Geheimrat B. Timendorfer
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 157 - 158 (sequence 1)
- Language
- German
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157 158 GEHEIMRAT B. TIMENDORFER. Geheimer Justizrat Bert hold Timend o r f c r hat sein Amt als Präsident der Deutschen Conferonz-Gomeinschal't niedergelegt. Er hatte allerdings schon bei seiner Amtsübernahme im März des vergangenen Jahres mit aller Bestimmtheit erklärt, dass bei seinen zahlreichen beruflichen und ausserberuflichen Verpflichtungen nur eine provisorische Leitung der Geschäfte für ihn in Frage komme, und dass er seine Aufgabe nach Abschluss der Verhandlungen mit dem Ccntral-Comite als erledigt betrachten müsse. Aber seine Kollegen in der Deutschen Gonforcnz-Gemeinschaft und im. Lokal-Comite hatten doch gehofft, seine ausserordentliche und so vielfach Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. bewährte Fähigkeit in der Leitung jüdischer Organisationen der Alliance dauernd erhalten zu können. Zu unserem lebhaftesten Bedauern haben sich diese Hoffnjngfn nicht erfüllt. Bei seinem Scheiden ist es uns Herzensbedürfnis, unserem tiefgefühlten Dank Ausdruck zu geben dafür, dass Geheimrat Timendorfer in hingebender und opferfreudiger Tätigkeit seine Kräfte dem Werk der Alliance Israelitc Universelle gewidmet hat. Uns bleibt die Hoffnung, dass er auch fernerhin der Alliance seine Arbeitskraft und seinen gewichtigen Rat nicht versagen wird, wenn der Ruf hierzu an ihn ergeht. Deutsche Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle. EDUARD COHEN Frankfurt a. M. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Am 12. Dezember 1910 ist in Frankfurt a. Main im 73. Lebensjahre der Maler Eduard Gölten gestorben. -mEWÜ. ip* Cohen stammte aus einer ang Familie. Einer tiefen Neigung zur Kunst folgend, ging er nach Rom, wo er vornehmlich seine Ausbildung genoss. Er wirkte dann in Wien und an anderen Orten; die letzten Jahrzehnte seines Lebens in Frankfurt. Wenn Eduard Gehens Andenken in diesen B1 ättern festgehalten werden soll, so geschieht das nicht allein dorn Künstler und seiner Kunst. In seiner schlichten bescheidenen Art liebte er nicht, seine Kunst besonders hervorzuheben, so sehr sie ihm auch ans Herz gewachsen war und so sehr seine Werke Zeugen seines eindringend en Ycrstä nd - nisses und seines feinsinnigen, auf Ideale gerichteten Wesens sind und bleiben. Was sein Hinscheiden in weiten Kreisen unserer Glaubensgenossen als einen unersetzlichen Verlust für die Gesamtheit orscheinen lässt, ist vielmehr die Tatsache, dass die deutsche Judenheit in Eduard Cohen einen ihrer edelsten Männer und einen Wohltäter verloren hat, dem sie nicht viele zur Seite stellen kann. Eng befreundet mit dem verstorbenen Konsul M. A. Simon hat Eduard Cohen henen hannöverischen Anstalt in Ahlem bei "M^*1*-' Eduard Cohen. von Anfang an, die grosse erzieherische Bedeutung erkannt, die der von Simon ins Leben gerufenen Hannover zukommt. Er hat sie unermüdlich durch Hat und reiche Beihilfe gefördert. Den Vereinigungen für die Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen ist er der tatkräftigste Gönner gewesen; die Institute, die es sich zum Ziel gesetzt haben, das Elend in Palästina zu lindem, verlieren in ihm einen stets hilfsbereiten Freund, die Alliance Israelitc Universelle einen begeisterten opferwilligen Anhänger und Förderer ihrer Bestrebungen. Unendlich gross ist die Zahl der Armen, die von Nah und Fern an sein warmes Herz appellierten,! und für die er stets eine S offene Hand hatte, ihm! war die Ausübung der i Wohltätigkeit eine Her- | zenspflicht und die Art, i wie er spendete ein Ausfluss seines Wesens, das bei ihm, der zwar einer freieren Richtung im Judentiefer Frömmigkeit und wahrer tum zugetan war, i B eligiositü t wurzelte. Tausende, denen er Gutes erwiesen hat und alle, die das Glück hatten, dein edlen gütigen Mann näher zu treten, werden seinem Andenken Dankbarkeit und Ehrerbietung bewahren.