Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Hugo Kaufmann
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 127 - 128 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2583875-2584006-2584009-2602516--11420-2602583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
127 128 HUGO KAUFMANN. Von Karl Schwarz. Nachdruck verboten. Im Laufe der letzten Jahre hat München mehrere Brunnen und Denkmäler erhalten, die infolge ihrer Einfachheit und harmonischen Einordnung in das Gesamtstadtbild viel von sich reden machten. In Kürze wird nun diese Stadt wiederum um ein Kunstwerk bereichert werden: ein Gönner hat ihr einen Brunnen von Professor Hugo Kaufmann zum Geschenk gemacht, dessen Aufstellung in einer Parkanlage in nächster Zeit erfolgen Wird. Leise und zaghaft wird das Wassel' aus der grossen Schale, über der sich die Gestalt des Bacchus erhebt, herniederplätschern, wie ein feiner Schleier w-ird er die kleinen Putten am Sockel verhüllen. Hugo .Kauf mann ist kein Unbekannter in München; eine andere Monumentalplastik. befindet sich dort bereits seit mehreren Jahren: die Ludwigsbrücke HUGO KAUFMANN. BERLIN. Brunnen für München. schmückt neben Werken von Eberle und Hahn die grosse Marmorfigui' der Kunst, eine sitzende Mädchongestalt in griechischem Gewand, in der Linken eine Statuette der Pallas Athene haltend. Die Figur bildete den ersten grösseren Auftrag, den Kaufmann ausführte. Der Künstler, der 18GS in einem kleinen Orte in Oberhessen geboren wurde, besuchte zuerst das Städelsche Institut in Frankfurt a. M. und von 1888 ab die Kunstgewerboscluile und die Akademie in München. Nachdom er seine Studien beendet hatte, beteiligte er sich an der Konkurrenz um die Ausschmückung der Ludwigs brücke und erhielt den Auftrag für die oben erwähnte Statue. Als Anerkennung für die wohlgelungene Arbeit wurde ihm dann im Jahre 190.1 der Titel Professor verliehen. Ein feiner llhytmus geht durch die lebendig vor uns sitzende Figur. Weich und leicht legt sieh um den schönen Körper das dünne Gewand, malerisch ("Hessen die Falten zusammen und lassen — wie z. B. an den Deinen — die Struktur des Körperbaues deutlich erkennen. Es ist das griechische Schönheitsideal, das dem Künstler vorgeschwebt hat, aber sein Werk ist kein sklavisches Nachahmen des Griechentums, nicht unbowusst Erlerntes — wie es z. D. bei Canova so störend wirkt — sondern persönlich Erlebtes und bowusst aus dem Schatze der uns überkommenen griechischen Plastik Geschöpftes. Daher auch die Lebendigkeit und Natürlichkeit, die freie Beweglichkeit in der Figur, deren Haltung einen völlig momentanen Eindruck macht, deren rechte Hand leise mit den Fingern zu spielen und um deren Mund ein lächelnder Zug, das Vibrieren der lebenden Muskeln, zu gehen scheint. Mit dieser Beschreibung ist eigentlich die Kunst Hugo Kaufmanns bereits charakterisiert, wenn auch noch nicht erschöpfend dargestellt, denn jedes neue Werk zeigt uns an ihm neue Qualitäten: ein bowusst verarbeitetes Griechentum, grosse Natürlichkeit, erreicht durch ein souveränes Beherrschen der Technik, Lebendigkeit infolge genauester anatomischer Kenntnisse. So ausgerüstet kann der Meister in seinem Revier nach Belieben schalten und walten, vor allem, ermöglicht es ihm die Ausführung monumentaler Werke mit überlebensgrossen Figuren. Eines grossen Auftrages entledigte sich der Künstler in dem 1003 zu Frankfurt a.M. errichteten Einheitsdenkmal. Drei Bronzegruppen von je zwei Gestalten stehen am Fasse eines Obelisken (der nicht von Kaufmann entworfen ist) und sind dem freien Bürgertum, den deutschen Hochschulen und den deutschen Sängern gewidmet; oben schliesst die Bronzefigur der Einheit, wiederum eine in griechische Idealgewanclunggehüllte Frauengestalt mit einer Tafel, deren Inschrift ,,Seicl einig" weithin leuchtet, in der Linken, das Denkmal ab. Es erübrigt sich, die beiden beigegebenen Dctailillustrationen mit Worten zu erläutern; dasselbe wäre hier zu sagen wie bei der