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Ost und West · 1912-12-01 · Heft 12 (Dezember 1912) · p. Seite 1189 - 1190

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 12 (Dezember 1912)
Article
Urteile der Presse über die "Jüdischen Volkslieder-Abende" [Kommentar]
Date
1912-12-01
Page
Seite 1189 - 1190 (sequence 2)
Language
German
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1189 1190 dem jüdischen Volksempfinden entspricht, entzieht sich meiner Beurteilung; jedenfalls ist die Harmonisierung eine gemässigt moderne, welche die Wirkung der eigentlichen Melodie unaufdringlich hebt. Auch die Worte sind — soweit sie für einen gewöhnlichen Mitteleuropäer verständlich wercleiij . teijs sehr innerlich und ergreifend, teils äusserst spassig. Ich muss aber gestehen, von dieser Sprache, die gewiss nicht deutsch, aber auch nicht hebräisch ist, sondern das, was man eigentlich jiddisch nennt, nur ziemlich wenig verstanden, das meiste nur geahnt zu haben. Als Probe für diesen eigenartigen Dialekt sei liier der erste Vers des Liedes „Ssimches-Toire" angeführt: Kinderlach, wir haben Ssimches-Toire, Ssimches-Toire af der ganzen Welt. Toire is die beste S'choire (Ware); A' soi hat der Rebbe mit uns geknellt (eingedrillt). Oi wai, oi, oi, oi, Freelach Kinderlach a soi (Seid fröhlich). Kendlach schitten sach vun di Sack', Freelach Kinderlach ohn an Eck' (ohne Ende)! Die Wiedergabe der Melodien durch die Geigerin Betty Tenne n bäum, den Tenor M. M a g i d s o n und die Sopranistin Bella Falk -Mintsc h in war ganz ausgezeichnet und machte den Eindruck der Stilechtheit. Ebenso auch die Klavierbegleitung Arno NadeU, der an diesen Veranstaltungen ein besonderes Verdienst hat. Das Publikum wurde durch die schönen Darbietungen in animierteste Stimmung versetzt und spendete begeisterten B e i f a 1 1. y. NUERNBERG „General-Anzeiger für Nürnberg-Fürth", v. 12. Nov. 1912: Konzert-Abend „Das jüdische Volkslied". Dass auch in nachbiblischen Zeitperioden, ja auch iii der Neuzeit und (Gegenwart das nationale j ü d i s e h e Volkslied liebevolle Pflege erfuhr, h a t der gestrige Abend in erfreuliche r W eise d a r g e t a n. Der erste. Teil des Konzertes brachte meist ernste, aber um so mehr charakteristische Musik. Die ersten vier Volksmelodien, Lieder ohne Worte, gaben einer trefflichen Violinistin, Frl. Betty Tenne n b a u m , Gelegenheit, in einwandfreier Technik und. gefühlsinnigcr Auffassung und Vortragsweise ihre Kunst zu zeigen und die Herzen der Zuhörer zu erwärmen. Wie hier, so dominierte in allen Stücken und Liedern die sehnsüchtige, einen leisen Hauch von Schwermut bergende Molltonart als unverkennbares Charakteristikum. Von den Liedern, die nun an die Reihe kamen, sind zweifellos einige sehr alten Ursprungs. Schade, dass darüber im Programm, das sonst die Gesänge eingehend erklärte, nichts enthalten war. Die drei ersten sang der Tenorist, Herr M a g i d s o n , die weiteren fünf die vorzügliche Sopranistin Frl. Bella F a 1 k - M i n t s c Ii i n einfach und ohne jede Effekthascherei, also höchst löblich und wirksam. „Waisenlied*', ,,So lang du filst keen Schmerzen*'. „Alieem" und „Schlof sehe, mein Veegele'' sind reizende Sachen. Der zweite Teil des Programms enthielt zunächst heitere und humoristische Weisen. Frl. Tennenba u m spielte noch drei prächtige Volksmelodien und gefiel mit Hecht so sehr, dass der Applaus nicht eher schwieg, bis sie sich zu einer Zugabe entschloss. Herr M a g i d s o n und Frl. Falk- M i n t s c hl n fanden sich mit dem heiteren Genre köstlich ab und erzielten ebenfalls stürmischen Beifall, den übrigens nur die Dame mit einer Dreingabe quittierte. Herr Arno Nadel, der Bearbeiter der meisten \ ortragsnummern, war ein feinsinniger Begleiter am Klavier. „Fränkischer Kurier", Nürnberg, v. 12. Nov. 1912: „Das jüdische Volkslied"' betitelte sich ein gestern Abend im grossen Adler-Saal von der Redaktion der Zeitschrift ,,0st Und Westki veranstalteter musikalischer Vortragsabend. Von unseren landläufigen Begriffen über das Volkslied musste man sich allerdings erst losmachen, wollte man den Darbietungen mit Verständnis folgen. Einfachheit der Melodie, ReichUun an Melodien war in den gestrigen Rezitationen kaum zu finden, vielmehr liess die schon verfeinerte Kompositionstechnik in allen Liedern dem Gedanken Raum, dass man es eher mit künstlichen Schöpfungen zu tun habe. Dasselbe häufig sich wiederholende Motiv, die gleiche Art der Vertonung mahnten sogar daran, bei verschiedenen Kompositionen denselben Verfasser zu suchen. Bestätigt fand man die den ..jüdischen Liedern'' im Programm beigegebene Erklärung, dass sie mehr ein feineres Reeita tiv als eine in sich ruhende strophenartige Vertonung darstellen. Eine wesentlichere Erleichterung für das Verständnis bildete der zu den Liedervorträgen abgedruckte Text. Zum guten Teil auf seine Kosten, namentlich sofern er einen humorvollen Inhalt einschloss, war auch der starke Beifall des zahlreich erschienenen Publikums zu setzen. Die Darbietungen setzten sich aus Violine- und Gesangsvorträgen mit Klavierbegleitung zusammen. Frl. Betty Tennenbaum zeigte auf der Geige nicht nur ein hohes technisches Können, sondern auch viel eigene Empfindung in den Melodien der chassidischen Weisen, Hochzeit«- und Tanzlieder usw. Der Tenor des Herrn M a g i d s o n hielt sich in massigen Grenzen. Dagegen lernte man in der Sopranistin Bella Falk -Mintsc h in eine Sängerin von einer das Mitte]- mass weit übersteigenden stimmlichen Begabung wie gediegener künstlerischer Ausbildung kennen. * * *

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