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Ost und West · 1912-12-01 · Heft 12 (Dezember 1912) · p. Seite 1185 - 1186

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 12 (Dezember 1912)
Article
Urteile der Presse über die "Jüdischen Volkslieder-Abende" [Kommentar]
Date
1912-12-01
Page
Seite 1185 - 1186 (sequence 2)
Language
German
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1185 1186 in leidenschaftlicher Lebhaftigkeit: erfasst und dargestellt wird. Diese tiefe, unversöhnliche Wehmut, dieser bei aller Lustigkeit doch stets spöttisch ironisierend gefärbte Humor sind wohl die eigentlich jüdischen Kennzeichen, die diesmal als besonders charakteristisch um so auffälliger hervortraten, weil durch die Art der Bearbeitung das originale musikalische Kolorit umgefärbt worden ist. Der Sammler der Melodien, Herr Leo Winz, hat sie in modernen Takt- und Tonarten aufgezeichnet und die von Arno Nadel und Bogumil Z e p 1 e r stammenden Bearbeitungen sind wohl volkstümlich einfach gehalten, verstärken aber auch den Eindruck des durchaus Neuzeitlichen dieser Musik, der sich namentlich in den „Liedern ohne Worte" für Violine und Klavier bemerkbar macht. Selbstverstäncliger wirken dank der Texte die für eine Singstimme bearbeiteten Stücke. Hier stellt der poetische Gehalt der Texte den durch die moderne musikalische Passung verwischten kulturellen LTntergrund wieder her und in der Herausgabe' dieser Lieder dürfte hauptsächlich das Verdienstvolle der Sammlung beruhen. An der Ausführung beteiligten sich mit bestem künstlerischen Gelingen die Damen B. Falk-Mintschin (Sopran), B. Tenn e n b a u m (Violine) sowie die Herren M. M a g i d s o n (Tenor) und A. N a d e 1 (Klavier). Paul Becker. # * * „Kleine Presse", Frankfurt a. M%, v. 6. Nov. 1912: Das jüdische Volkslied. Einen jüdischen Volksliederabend veranstaltete gestern die Redaktion der sehr modern gehaltenen Monatsschrift „Ost und West4t im kleinen Saal des Saalbaus. Der Abend bedeutete einen vollen Erfolg. Der Besuch war sehr zahlreich, besonder von Damen, die mit grossem Interesse den künstlerischen Darbietungen lauschten. Man hörte jüdische Volksmelodien für Geige und Klavier, die von Arno Nadel und Betty Tennenb au in trefflich zu Gehör gebracht wurden. Es waren klagende und jubelnde Weisen in buntem Gemisch, ganz besonders interessierten die Chassidischen Weisen, die den Uebergang vom Schmerz zur Lust in drastischer Weise zum Ausdruck brachten. Die Volkslieder wurden dann von Herrn M a g i d s o n (Tenor) und Frau Bella Falk- Mintschin (Sopran) gesungen. Es waren Heimatklänge von inniger Kraft und zuweilen wehmütig-lustig. In andern kam ein übermütiger Humor zur Geltung. Auch .hörte man von Frau Falk, deren Darbietungen mit ganz besonderem Beifall aufgenommen wurden, einige anmutige Liebeslieder. Sämtliche Lieder entstammen der Sammlung von Leo Winz und waren teils von Arno Nadel, •der die Klavierbegleitung übernommen hatte, teils von Bogumil Zepler, der sich bereits als Ueberbrettlkomponist einen Namen gemacht hat, komponiert worden. —iw—■ ❖ KOELN „Kölnische Zeitung" v. iL Nov. 1912. Das jüdische Volkslied war das Thema eines Vortragsabends, den die Redaktion der Zeitschrift „Ost und West" am Donnerstag abend im grossen Saale der Lese veranstaltete. „Frankfurter Isr. Familienblatiu v. 7. Nov. 1912: Zwei Momente interessierten mich besonders bei dem Jüdischen Volkslied-Abend, den die Redaktion von „Ost und West", zugunsten des Heims des Jüdischen Frauenbundes im- Saalbau veranstaltete. Zu erst das Publikum des bis auf den letzten Platz besetzten Saales. Neben den bekannten Damen, die sich in Frankfurt zum Besten des Judentums in den Dienst der jüdischen Frau, gestellt haben, und deren Kreise zahlreiche Gesichter des Westends, denen sonst eine jüdische Veranstaltung eine terra incognita ist. Wie mancher vernahm hier zum ersten Male die Laute des Jargons und hörte mit Erstaunen, dass sich die tiefsten Gefühle in diesen Lauten ausdrücken lassen. Doch noch viel wichtiger war die Erkenntnis von dem Gefühlsleben, das aus diesen Volksliedern atmet. Die tiefgreifende Scheidung zwischen den jüdischen Volksliedern und den Volksliedern, die uns besonders aus dem Schatze des deutschen Volkes vertraut sind, drängte sich wie von selbst zum Bewusstsein. Die Psyche des jüdischen Volksliedes war so der zweite Moment der Veranstaltung, das mich anzog. Keine fessellose Liebessehnsucht in allen Abtönungen vom zarten Sehnen bis zur glühenden Leidenschaft, sondern das Triebleben immer wieder und wieder gemeistert durch die Ueberlegung des Denkens. Und dann die zahlreichen Volkslieder, die das Geschick Ahasvers widerspiegeln, und die lustigen Weisen, geboren an den Tagen festlicher Weihe, da der Jude sein Ahasverdasein vergisst. So war der Abend eine Veranstaltung, für welche man Herrn Leo Winz, dem Redakteur von „Ost und West", nur dankbar sein kann. Das Publikum bewies denn auch seine Zufriedenheit durch lebhaftes Klatschen nach den einzelnen Nummern — diese wurden von den Damen Tennenbaum und F a 1 k - Mintschin und den Herren M a g i d s o n und Nadel zum Vortrag gebracht, — und durch zahlreichen klingenden Dank für das Isenburger Heim während der Teepause. * * * „Oer Israelit", Frankfurt a. M.; v. 7. Nov. 1912: Das jüdische Volkslied. Dienstag abend fand im kleinen Saale des Saalbaues ein Vortragsabend statt, der, veranstaltet von der Redaktion des „Ost und West", zugunsten des Heims des Jüdischen Frauenbundes, ausschliesslich dem jüdischen Volksliede gewidmet war. Das Konzert nahm unter Mitwirkung von Bella F a 1 k - Mintschin (Sopran), M. Magidson (Tenor), Betty Tenn e n b a u m (Violine) und Arno Nadel einen herrlichen Verlauf. Zum Vortrage gelangten zunächst Lieder ohne Worts, sodann bekannte und unbekannte gemütsvolle Volkslieder in Jargon. fl. Rh. Es war eine vornehme, gediegene Kunst, die hier geboten wurde, die man so selten zu hören Gelegenheit hat und die man so bald nicht wieder vergisst. wenn man sie einmal gehört hat. Diese Volksmelodien und Volks-

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