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Ost und West · 1912-11-01 · Heft 11 (November 1912) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 11 (November 1912)
Date
1912-11-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. lieft 11. November 1912. XII. Jiilirg. DIE GESELLSCHAFT ZUR FOERDERUNG DER WISSENSCHAFT DES JUDENTUMS. Ueber die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums sich in einem Aufsatz zu verbreiten, der sich nicht nur an die Fachgelehrten, sondern an einen grösseren Leserkreis wendet, ist keine ganz leichte Aufgabe. Denn derjenige, der dies unternimmt, hat nicht nur die Pflicht, seinen Lesern zunächst einen Begriff von dem zu geben, was unter der Wissenschaft des Judentums zu verstellen ist, sondern auch sie von der Notwendigkeit, der Bedeutung und dem Werte der Pflege und der Förderung dieser Wissenschaft zu überzeugen. Unter der Wissenschaft des Judentums haben wir alle diejenigen Wissenschaftsgebiete zu begreifen, die zum Judentum, zur jüdischen Religion und zum jüdischen Volke in irgend einer Beziehung stehen. Daher gehört zur Wissenschaft des Judentums, da die Bibel die religiösen Urkunden des jüdischen Volkes enthält, die Bibelwissenschaft in weitestem Umfange. Die Bibel hat im Laufe der Jahrhunderte die verschiedensten Erklärungen und Auslegungen erfahren: in alle Kultursprachen ist sie übersetzt worden; daher gehören die Geschichte der Bibelerklärung — oder, wie der wissenschaftliche Ausdruck lautet, die Geschichte der Bibelexegese sowie die Geschichte der Bibelübersetzungen zur Wissenschaft des Judentums. Die Bibel ist zu ihrem grösseren Teile in hebräischer, zum geringeren in aramäischer Sprache abgefasst; daher sind die hebräische und die aramäische Sprachlehre Bestandteile der Wissenschaft des Judentums. Die hebräische und die aramäische Sprache gehören aber zu der grossen Gruppe der semitischen Sprachen: man wird daher die semitische Sprachforschung — und da diese wiederum ihre Geschichte hat — auch die Geschichte der semitischen Sprachwissenschaft nicht aus dem Bereiche der Wissenschaft des Judentums ausscheiden können. — Die bedeutendste Schöpfung des jüdischen Geistes rieben der Bibel ist bisher und wird wohl für alle Zeiten bleiben die gewaltige Literatur, die wir unter den Xainen Talmud und Midrasch zusammenfassen; die Erforschung und Darstellung dieser Literatur bildet daher nach den verschiedensten Seiten hin einen Gegenstand der Wissenschaft des Judentums. — Aus dem Judentum hervorgegangen sind die beiden Weltreligionen Christentum und Islam: die Geschichte der Entstehung dieser Religionen, ihre Beziehungen zur jüdischen Rejigion, die Punkte, in denen sie mit der jüdischen Religion übereinstimmen, und diejenigen, in denen sie von einander abweichen, auch sie fallen in das Gebiet der Wissenschaft des Judentums. Das Judentum hat in sich selbst Sekten entstehen und vergehen sehen: so bildet die Darstellung der Sekten des Judentums einen Gegenstand seiner Wissenschaft. Die jüdische Religion endlich ist — wenn auch wir Juden sie für die Religion halten — eine unter vielen; „das Judentum und seine Stellung in der vergleichenden Religionswissenschaft'4 ist daher ein Thema, das man aus der Wissensehaft des Judentums nicht gut wird ausschliessen können. Das Judentum und das jüdische Volk haben auf ihrem, vieltausendjährigen Wege zu vielen Völkern und Kulturen in Beziehungen gestanden: daher wird die Wissenschaft des Judentums an der Assyriologie, an der Aegyptologie, an Griechenland und an Rom, an dein Parsismus wie an den Arabern nicht achtlos vorübergehen, können. Das Judentum besitzt ferner eine vieltau send jährige, schier unübersehbare religiöse, philosophische, poetische, geschichtliche und wissenschaftliche Literatur, die Darstellung dieser Literatur und ihrer Geschichte, die Herausgabe der alten Literaturwerke sind A u f gab en der Wissensc haf t d es J udentums. Paläst i na un < l Babylon sind die klassischen Länder, die Heimat des jüdischen Volkes; die historische Geographie dieser Länder gehört in die Wissenschaft des Judentums und wissenschaftliche Ausgrabungen an. historischen Stätten lassen sich davon nicht trennen. — Das jüdische Volk endlich blickt zurück auf eine vieltausendjährige Ge-

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