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Ost und West · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. Seite 955 - 956

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
Kommerzienrat Jakob Gallinger
Date
1912-10-01
Page
Seite 955 - 956 (sequence 2)
Language
German
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955 Konimerzienrat Jakob Gallinger. 956 liehen Arbeitsbeweglichkeit, die sein Wesen ausmachten. Es gab keine Angelegenheit in der Gemeinde, die ihn nicht 'auf den Plan gerufen, keine ihrer Vereinigungen, in d$r 'er nicht , an erster Stelle mittätig gewesen wäre. Mit ganz besonderem Eifer widmete er sich der modernen Ausgestaltung und Ordnung des Gemeindegottesdienstes. Auf dem Gebiete der jüdischen Wohlfahrtspflege brachte er vor allem den Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu hoher Blüte und durch die Schaffung eines eigenen Heims zu gesichertem Bestand. Seit Begründung der grossen jüdischen Organisationen betätigte er sich auch in diesen mit grösster Rührigkeit und war als Vertreter der Nürnberger Gemeinde ein regelmässiger Besucher ihrer Sitzungen und Versammlungen. In der Alliance gehörte er mit zu den ältesten deutschen Mitgliedern, .war seit Jahren Vorstandsmitglied des Lokal-Comites und dessen rührigste Werbekraft, dann Vertreter in der deutschen* Gonferenzgemeinschaft und zuletzt auch Mitglied des Central-Comites. Er war ein glühender Freund der Einheitsbestrebungen in der Alliance und ist als solcher in den letzten Kämpfen, trotzdem er bereits schwer leidend war, mit all dem Temperament hervorgetreten, das ihn auszeichnete. Eine unbestechlich offene und gerade Natur konnte er immer nur die Sache, die er vertrat, keine persönliche Rücksicht, am allerwenigsten auf sich selber; sein über alle Massen anspruchsloser und selbstloser Pflichteifer musste selbst denen, die andere'Aiisc^^ und. öffentfichen.Lebea vertraten als er, allezeit höchste Anerkennung abringen. Allgemein war die Trauer um seinen Heimgang. Der Bürgermeister der Stadt widmete in der Sitzung des Armenpflegschaftsrates dem einstigen, verdienten Mitglied höchst ehrende Worte. AM Grabe hielt Rabbiner Dr. Freudenthal dem Freunde, selber "tief ergriffen, die Grabrede. Justizrat Dr. Held,, der Vorsitzende der Kultusgemeinde, brachte deren Schmerz zum Audsruck. Justizrat Josephthal stattete den Dank des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ab, Schuldirektor Gombrich sprach im Namen der Alliance und der anderen grossen jüdischen Organisationen. Die Hofräte Dr. Goldschmidt und Dr. Frankenburger überbrachten den letzten Dankes - gruss der städtischen Ferienkolonien und des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose, Armenpflegschaftsrat Bamberger den des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen, Gemeindebevollmächtigter Wertheimer den der politischen Freunde. Aus allen Worten klang es wider: Ueber das Grab hinaus Ehre dem tapferen Kämpen, dem reinen Charakter, dem selbstlosen Arbeiter, dem opferfreudigen Helfer, dem treuen, begeisterten Glaubensbruder! M. F. AUS DEN ALLIANCESCHULEN. Hamadan. Am 26. Juli fand in dem mit Blumen und Fahnen ausgeschmückten Schullokal in Verbindung mit der Verteilung der Prämien und Abgangszeugnisse an die die Schule verlassenden Schüler die alljährliche Schulfeier statt. Unter den zahlreichen Zuhörern bemerkte man unseren lieben würdigen Gouverneur Seine Exzellenz Mozaffer-El-Molk, der niemals sich die Gelegenheit entgehen lässt, unserem Werk seine Anhänglichkeit zu bezeigen, und ferner den neuen ottomanischen Konsul, Seine Exzellenz Said Bey. In einem Vortrag in persischer Sprache erinnerte einer unserer Schüler an die Wohltaten, die die persische Judenheit der Alliance zu Dank verpflichteten. Ein kleines Mädchen sprach in derselben Sprache von den Bestrebungen der Alliance auch den persischen Frauen Unterricht und Bildung zu vermitteln. Die in unserer Nähstube angefertigten Arbeiten und die Hefte mit den häuslichen Arbeiten unserer Schüler, die wir ausgestellt hatten, wurden von den Anwesenden bewundert. Nachdem die Liste der Prämiierten verlesen und die Preise verteilt worden waren, sagten unsere Schüler einige Monologe auf und spielten die besten Szenen aus dem „Eingebildeten Kranken". , Gymnastische UeSungen; die mit Geschick von einer Gruppe von 60 gleichgekleideten Schülern ausgeführt wurden und durch ihre Neuartigkeit gefielen, bildeten den Schluss der Feier. . Der Preis Leven von 25 Francs der Vereinigung ehemaliger Schüler für den besten Schüler der Anstalt fiel auf einen sehr bedürftigen Knaben. Der ottomanische Konsul schenkte einem jungen Schüler, der sich bei der Darstellung des „Eingebildeten Kranken" ausgezeichnet hatte, ein sehr -schönes Buch. Beim Fortgehen drückten der Gouverneur und der Konsul ihre hohe Befriedigung über das von der Alliance in Hamadan geschaffene Werk aus. — Um Ihnen einen Beweis zu geben, welcher Achtung Ihre Schulen sich bei diesen beiden Persönlichkeiten erfreuen, teile ich Ihnen die folgenden Tatsachen mit: Der Gouverneur hat sein Kind aus Teheran hierherkommen lassen, um es unserer Schule anzuvertrauen; der ottomanische Konsul, der von dem Vorhandensein einer guten Elementarschule keine Kenntnis und deshalb seine beiden Kinder in Konstantinopel gelassen hatte, hat sich entschlossen, seine Familie kommen zu lassen und seine Kinder in unsere Schule zu schicken. — Habib. Safed. Ich erlaube mir, Ihnen mitzuteilen, dass der Gouverneur von Accon auf seiner Inspektionsreise durch Galliiäa am 15. Juli in Safed angekommen ist. Er stattete unseren Schulen einen Besuch ab. In seiner Begleitung befanden sich der Kaimakam, der Steuerdirektor, der Vorsteher der Städteverwaitung und einige muselmanische Notabein. Nachdem Seine Exzellenz einige Augenblicke im Bureau verweilt, das Programm und die Lehrmethode geprüft und sich über die Organisation und den Besuch unserer Schulen unterrichtet hat, ging er zuerst durch die Mädchenschule. Er besuchte jede Klasse und stellte an die Kinder Fragen in Französisch, Arabisch und Rechnen. Von den Antworten der Schülerinnen, ihrem regen und aufgeweckten Wesen, empfing er einen ausgezeichneten Eindruck. Im Kindergarten führten die Kleinen einige Reigen auf, zu denen sie Lieder sangen. Die Besucher waren sehr befriedigt und hielten mit ihrem Beifall nicht -zurück.

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