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Ost und West · 1912-10-01 · Heft 10 (Oktober 1912) · p. Seite 953 - 954

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 10 (Oktober 1912)
Article
Auszüge aus den Satzungen des sogenannten deutschen Komitees der Alliance Israélite Universelle
Date
1912-10-01
Page
Seite 953 - 954 (sequence 1)
Language
German
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933 AUSZUEGE AUS DEN SATZUNGEN DES SOGENANNTEN DEUTSCHEN COMITES DER ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE. §2. Zweck des Deutschen Komitees ist es9 die Aufgaben und Interessen der A. I. U. in gemeinschaftlicher Arbeit zu : fördern und eine durchgreifende Werbetätigkeit für die A.JL U. zu entwickeln. Das Deutsche Komitee bildet die Zentralstelle für die Organisation und Verwaltung der A. I. U. in Deutschland.? 3. Das Deutsche Komitee bildet einen Ausschuss von 31 Mitgliedern. Ausserdem gehören dem Ausschuss alle in Deutschland wohnenden Mitglieder des C. C. an, die nicht als Ausschussmitglieder gewählt sind. Die Geschäftsführung des Deutschen Komitees wird durch ein Bureau in Berlin bewirkt, das die Bezeichnung führt „Deutsches Bureau der A. I. LT. in Berlin". Das Bureau untersteht der Leitung des Vorsitzenden. Er stellt die Beamten an und entlässt sie und setzt ihre Gehälter fest, und zwar soweit sie ein Gehalt von 1800 M. und mehr beziehen, im Einverständnis mit dem Vorstande. Der Vorsitzende ernennt mit Zustimmung des Vorstandes für die Dauer seiner Amteperiode den Schatzmeister des Deutschen Komitees und einen Stellvertreter für ihn. §9.- Die Lokal-Komitees übertragen dem Deutschen Komitee den Verkehr mit dem Zentralkomitee in Paris, sie richten alle Fragen und senden Berichte in allen Angelegenheiten der A. L U. an das Deutsche Komitee, welcher, die Weiterbeförderung dieser Anfragen und Berichte nach Paris zu besorgen hat. Berichte über ihre Tätigkeit, sowie über die Kassenverhältnisse und ihre Arbeitspläne haben die Lokal- Komitees alljährlich bis zum 31. März einzureichen- Jedoch steht es den Lokalkomitees frei, gemäss Art. 19 der Statuten der A. I. U. mit dem Zentralkomitee direkt zu verkehren. Die Lokalkomitees senden auch die gesamten Mitgliederbeiträge und Zuwendungen an das Deutsche Komitee. Mitglieder, welche an Orten wohnen, an welchen ein Lokal- Komitee nicht besteht, senden ihre Beiträge direkt an den Vorstand des Deutschen Komitees oder an den von diesem bestellten Schatzmeister ein. § 10. Die auf diese Weise eingekommenenf.Mitgiiederb ei träge und die Gelder, welche aus Stiftungen oder sonst an das Deutsche Komitee gelangen, sollten an das Zentral-Komitee in Paris abgeführt Aver den nach Abzug folgender Ausgaben: 1. zur Bestreitimg der notwendigen Kosten der Organisation, insbesondere des Bureaus (§ 7) und der Tagungen des Deutschen) Komitees, 2. zur Bestreitung derjenigen Kosten, deren Aufwendungen für die Verwirklichung der in Artikel 18 des Statuts der A. L U. und der im § 2 dieser Satzungen erwähnten Propagandatätigkeit des Deutschen Komitees erfordert wird. Diese Ausgaben dürfen 20% der in Deutschland aufkommenden Beträge einschliesslich der direkt nach Paris gesandten Mitgliederbeiträge nicht übersteigen. Etwaige Mehrausgaben bedürfen der Genehmigung des Zentral- Komitees. KOMMERZIENRAT JAKOB GALLINGER. In den Rüststunden zum Neujahrsfeste wurde Kommerzienrat Jakob Gallinger zu Grabe getragen. Eine Lungenentzündung, die nach einer schweren Operation sich eingestellt hatte, raffte ihn hinweg. Seinen 70. Geburtstag, den weite Kreise ihm zu einem Ehrentag gestalten wollten, durfte er nicht mehr erleben, Jakob Gallinger war am 1. Dezember 1842 in Wittelshofen als Sohn eines Bäckermeisters geboren; seine Mutter war die Tochter 'eines Lehrers. Die religiöse Erziehung, die er im Elternhause genoss, befähigte ihn als reifen Mann mit starker Ueb erzeugungstreue und vieler Sachkenntnis sich der Pflege jüdischer Angelegenheiten zu widmen. In Frankfurt, wo er in kaufmännische Stellung trat, erweiterte er seine Bildung und seinen Gesichtskreis. Er begründete dann in Nürnberg gemeinsam mit 'seinem Bruder eine Lederhandlung, die er zu erfolgreichem Aufschwung brachte. Als ihm die Gattin bereits _______________ nach vierjähriger Ehe durch den Tod entrissen wurde, wandte Kommerzienrat er die Müsse, die ihm die Erziehung seines Sohnes und seine Berufsarbeit übrig Hessen, ganz den Interessen der Stadt und der Kultusgemeinde zu. Er nahm eifrig arn politischen Leben und besonders an der Förderung der städtischen Wohlfahrtspflege teil. Zwei Jahrzehnte gehörte er als rührigstes Mitglied dem städtischen Armenpflegschaftsrat an; zahlreiche städtische Wohlfahrtsinstitutionen wurden von ihm mitbegründet und mitgeleitet. Vor allem ist die segensreiche Entwicklung der städtischen Ferienkolonien für kränkliche Schulkinder sein Werk. Sein Hauptinteresse aber galt von frühauf der Förderung des Judentums. Freidenkend in politischen Dingen und religiösen Formen, war er doch zu gleicher Zeit ein begeisterter Deutscher Patriot und mit allen Fasern seines Herzens ein treuer Jude. Seit 26 Jahren Mitglied der Verwaltung der Kultusgemeinde, seit 8 Jahren in deren Vorstand, unterzog er sich den Pflichten k dieser Aemter mit der ganzen Jakob Gallinger. rastlosen Energie und unermüd-

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