Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Article
- Reste althebräischer Musik
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 857 - 858 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2583875-2584019-2584029-2601668--13556-2601760- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
857 858 RESTE ALTHEBRAEISCHER MUSIK. Von Abraham Zewi ldel söhn-Jerusalem. 2. Der Gesang der persischen Juden. Wie uns die Bibel berichtet, gab es in Persien bereits nach der Zerstörung des ersten Tempels Juden in grosser Anzahl. Sie blieben auch trotz der Ermahnung des Esra, mit ihm nach Jerusalem zurückzukehren, in ihrer neuer Heimat wohnen, und es ist anzunehmen, dass sie den persischen Boden auch nachmals nie verHessen; wenigstens ist von einer Vertreibung der Juden aus Persien nichts bekannt. Vielmehr erfreuten sie sich Jahrhunderte hindurch vollständiger Freiheit und nur in den letzten zweihundert Jahren, begann eine von dem schiitischen Klerus hervorgerufene systematische Judenverfolgung. Die persischen Juden sind, was die Aussprache des Hebräischen sowohl, als auch den traditionellen Synagogengesang betrifft, den jemenitischen Juden einerseits und den polnischen andrerseits ähnlich. Sie haben ebenfalls einen festgeordneten synagogalen und Volksgesang. Ihr Synagogengesang besteht aus acht Weisen: 1. Pentateuchweise, 2. Liedweise des Pentateuchs, 3. Prophetenweise, 4. Psalmweise, 5. Hohelied weise, 6. Klageliedweise, welche drei Abarten hat: a) für Kap. I und II, b) für Kap. III und IV, c) für Kap. V der Klagelieder; 7. Selichaweise und 8. Weise für die hohen Feste. In den folgenden Noten sind Beispiele für einige der angeführten Weisen gegeben. In der Nr. 1 der Notenbeispiele ist die persische Pentateuchweise mit der polnischen Hoheliedweise verglichen» Der Schluss der letztgenannten Weise wird bald auf „f'V bald auf „a" gemacht. Die persische Pentateuchweise hat die Skala A, B, C, D, Es, F, G. In Nr. 2 ist die Aehnlichkeit der persischen Hoheliedweise mit der jemenitische» Pentateuchweise gegeben, in Nr. 3 ist die persische Selichaweise mit derjenigen der polnischen Juden verglichen, die auch viel Aehnlichkeit mit der jemenitischen Selichaweise besitzt. Nr. 4 ist ein Beispiel für die persische Psalmweise,, die in einem Umfange von einer Quarte sich bewegt, und zwar G, A, B, C. „G" ist vorherrschend, schliesst aber auf „A". Die persischen traditionellen Gesangsweisen haben dieselben Tonskalen wie die der Jemeniten und gleichen den letzteren — mit Ausnahme der Pentateuchweise — in ihrem Charakter und Tonzeichen. Der Volksgesang der persischen Juden ist zum Teile ebenfalls aus dem Synagogengesang hervorgegangen. So ist Notenbeispiel Nr. 5 aus der Tefillaweise, Nr. 6 aus der Hohelied weise entstanden. Auch er hat, wie der jemenitische Volksgesang, Melodienform und Takt, ist aber zum Teile dem persischen Volksgesange entlehnt. Die Volkslieder sind in hebräischer und persischer Sprache. SYNAGOGALE WEISEN DER PERSISCHEN JUDEN. persische Pentateuchweise. polnische Hoheliedweise hisch-ba-ti et-chem be - not je - ru scho-la jim bi-ze-bo ot be - aj - lot ha - so - de im to - l ~ ru we - im te - o - ra - ru et ho - a - ha - boh ad sche-teh - poz. 2. persische Hoheliedweise. jemenische Pentateuchweise. wa-jig - ro mo-sche le-chol sig-ne-jis-ro el wa-jo-mer ä le-hem, mische -chu