Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 9 (September 1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- None (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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PSP9Wfe ST. ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM, Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft ». September 1912. XII. Jahrg. SO ZWITSCHERN DIE JUNGEN! Von A. Benesra. Die jüngste, allerjüngste Generation der Juden- und Judentumsretter hat uns durch ihre Reden und ihre Taten, die ebenfalls nur Reden sind, das Staunen abgewöhnt. Die ernsten Arbeiter im Dienste derOeffentlichkeit sagen sich am Ende,dass es vergebliche Zeit- und Kraftvergeudung ist, jedem Kläffer Aufmerksamkeit zu schenken. Aber die wohlorganisierte Hetze, die gegen grosse jüdische Institutionen geführt wird, nimmt bei aller Knabenhaftigkeit und Unverantwortlichkeit immer häufiger einen pathologischen, perversen Zug an. Und daraus ergibt sich die Pflicht, die Öffentlichkeit zu warnen. Ein solcher perverser Zug ist das in letzter Zeit immer dreister sich hervorwagende Denunziantentum. Oder ist es etwas anderes als Denunziantentum, wenn ein Jude in einem weitverbreiteten Berliner Sensationsblatt einen Artikel vom Stapel lässt, unter der Ueberschrift: „Die Alliance Israelite im französischen Dienste"? Man traut förmlich seinen Augen nicht, wenn man das Zeug liest. Ist unser lieber Freund Ahlward aus seinem politischen Massengrab auferstanden und predigt wieder „seinen" Deutschen? Aber Ahlward hat sich diesmal als Jude verkleidet und breitet seine schützenden Fittige über die armen Juden des Orients und Osteuropas aus, die er aus den fürchterlichen Klauen der Alliance befreien möchte. Vor zwanzig Jahren veröffentlichte der unsterbliche Rektor Ahlward eine Broschüre „Judenf Hilten", in der er haarklein bewies, dass die Alliance Israelite in Paris unaufhörlich nach dem Verderben des Deutschen Reiches trachte. Sie hatte es schlau angestellt, diese verruchte Alliance in französischen Diensten. Nämlich mit Hilfe ihres Mitgliedes, des Berliner Waffenfabrikanten Loewe, der durch seinen Jahresbeitrag von 5 Mark sich ihr mit Haut und Haaren verkauft hatte, wollte sie das Deutsche Reich in die Luft sprengen. Die deutsche Kriegsverwaltung hatte bei dem besagten Loewe Flinten für die Armee bestellt. Diese Flinten hatte nun Loewe, auf Geheiss des Central-Comites der Pariser Alliance, so fehlerhaft konstruiert, dass sie im Ernstfall einfach nicht losgegangen wären. In einem Kriege gegen Frankreich wären nun die armen deutschen Soldaten ganz wehrlos dagestanden und von den Franzosen haufenweise niedergeknallt worden — wenn nicht der ewige Rektor Ahlward rechtzeitig das ruchlose Intrigenspiel aufgedeckt und von seinem Vaterlande namenloses Unglück abgewendet hätte. . . . Glaubt man etwa, dass dem Narren ein Hohngelächter antwortete im Lande der Denker und der nüchternsten Realpolitiker? Weit gefehlt! Der grosse Patriot und Vaterlandsretter setzte seine Broschüre in Hunderttausenden von Exemplaren ab, und zwei Wahlkreise entsandten ihn auf einmal in den Reichstag, so dass seinem grossen Herzen die Qual der Wahl zwischen beiden Mandaten nicht erspart blieb. Ahlwards Herrlichkeit dauerte nicht lange, und ist in einem Meere der Lächerlichkeit untergegangen. Aber nun ist er wieder lebendig geworden, hat sich gewandelt,