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Ost und West · 1912-08-01 · Heft 8 (August 1912) · p. Seite 721 - 722

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 8 (August 1912)
Article
Illustrationen zu Russlands Judenpolitik im letzten Monat
Date
1912-08-01
Page
Seite 721 - 722 (sequence 2)
Language
German
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721 Illustrationen zu Russlands Judenpolitik im letzten Monat 722 Der Gouverneur von Jekaterinoslaw, dem jüngst Purischkiewitsch Judenfreundschaft vorwarf, beschied den Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu sich und forderte ihn auf, seine Glaubensgenossen zu warnen, dass sie bei den Wahlen nicht wieder die Progressisten unterstützen. Sie hätten offenbar vergessen, was sich in jüngster Vergangenheit zugetragen habe. Ein Wahlkompromiss mit den Progressisten könnte ihnen teuer zu stehen k o m m e n. * # * Der Chersoner Gouveme u r verordnete die Au s w e i s u n g aller Juden aus den Dörfern des Gouvernements. Von dieser Massregel werden n i c Ii t weniger als zehntausend Juri e n betroffen. (Von Odessa ist eine Deputation nach Petersburg gefahren, um beim Ministerpräsidenten und beim Minister des Innern gegen diese Massenausweisimg, durch die auch die Bauern stark leiden würden, vorstellig zu werden.) * * * In verschiedenen Gouvernements fanden Juden- Ausweisungen statt: Aus den Dörfern des Kreises Telsch, Gouvernement Kowno wurden 130 Familien ausgewiesen. — Aus den Dörfern des Jekaterinoslawer Bezirkes wurden zahlreiche Familien ausgewiesen, darunter solche, die schon mehr als 25 Jahre in den betreffenden Orten wohnhaft sind.. — Aus Nowo-Nikolajewsk, Gouvernement Tomsk wurden viele Juden ausgewiesen, darunter Kaufleute mit grossen Geschäften, die schon lange am Platze bestehen. — Die Charkower Gouvernements-Verwaltung wies alle Juden aus, die sich mit dem Marinieren und Räuchern von Fischen, sowie mit der Hülsen- Erzeugung beschäftigen. * * * Der Stadtliauptmann von Rostow a. Don wies die jüdischen jungen Leute, die dorthin kommen, um Examina an den Regierungsschulen abzulegen, aus. * * * In Kiew fanden Tagesst reif ungen in den Kaffeehäusern der dortigen Hauptstrasse statt. Alle Juden, die ihre Wohnrecht-Dokumente nicht bei sich hatten, wurden aufs Polizeiamt geführt. * * * Nach langen Bemühungen erlaubte der Ministerrat dem Kiewer Verein von Zuckerfabrikanten (zumeist Juden) den Erwerb eines Grundstücks von 200 Dessjatinen für die Zwecke des Vereins. Aber er knüpfte an die Erlaubnis die Bedingung, dass das Grundstück von russischen B ü r gern n i c h t j ü d i s c h e n Glaubens verwaltet werde. * * * Der nationalistische Dumadeputierte Tscherkassow, der sich durch seine scharfen Angriffe auf die Juden hervorgetan hat, erhielt seinen Lohn, indem er Beamter für spezielle Aufgaben bei Ministerpräsident Kokowzew wurde. * * General Rennenkampf machte in der Sommerfrische YYerki nächst YYilna einen Spazierritt. Er begegnete einer Gruppe spielender Kinder, wobei zufällig ein von einem jüdischen Knaben geworfener Stab das Pferd des Generals am Fusse traf. E)er General jagte nun dem Kleinen nach, dem es gelang, in das Haus seiner Eltern zu entwischen. Die Mutter kam nun heraus und machte dem General Vorstellungen. Daraufhin hieb er mit der Nagaika auf die Frau ein und drohte, dass er alle Juden umbringen werde. * * * Der Chersoner Gouverneur schloss in Kriroj-Rog die Abteilung des Vereins zur Verbreitung von Handwerken und Ackerbau unter den Juden. * * * Der extrem echt-russische Verband „Der zweiköpfige Adler", der sieh stolz zum ..Antisemitismus der Tat" bekennt und die ganze Kiewer Ritualmordgeschichte angezettelt hat, richtete ein Huldigungstelegramm an den Zaren. Dieser antwortete mit einer ungemein herzlich abgefassten Depesche, in der er den Verband seiner Sympathien versicherte. * * * In Jekaterinoslaw unternahmen der Vorsitzende und der Sekretär des „Zweiköpfigen Adler", Martinowund Saho rose hin und andere Antisemiten einen nächtlichen Ueberfall auf die Synagoge der Karaiten. Auf dem Polizeizirkel erklärten sie, sie hätten sie für eine jüdische Synagoge gehalten. * * * In Chotin am Dniester badeten junge Leute im Flusse. Plötzlich versank einer der Badenden. Mehrere gute Schwimmer eilten zur Hilfe herbei. Da rief eine Stimme vom Ufer: „Lasst ihn doch ersaufen. Es ist ja ein Jud, kein Christ!", und die Retter zogen sich zurück. Als man eine Stunde später die Leiche des Ertrunkenen barg, stellte si?h heraus, dass es kein Jude, sondern ein Christ gewesen war. * * * In einem Wagen der elektrischen Strassenbahn in Odessa wies der beeidigte Rechtsanwalt Rabinowitsch den Schaffner wegen irgend einer Ungehörigkeit zurecht. Daraufhin erhielt er von diesem die prompte Antwort: „Du bist ja kein Publikum, sondern bloss ein Jud." * * * Krusehewan, der Urheber des furchtbaren Pogroms von Kisehinew und anderer Pogrome, der Verfasser eines dickleibigen Hetzbuches gegen die Juden, für das er seinerzeit ausgezeichnet wurde, wird auf dem schönsten Platze in Kisehinew ein Denkmal erhalten. * * * In Horodok (Grodnoer Gouvernement) und in Zdunska Wolna (Petrikauer Gouvernement) fanden p o 2' r o m artige A u s s c h reit u n a'en statt.

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