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Ost und West · 1912-07-01 · Heft 7 (Juli 1912) · p. Seite 673 - 674

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 7 (Juli 1912)
Article
Die Ereignisse in Fez
Date
1912-07-01
Page
Seite 673 - 674 (sequence 2)
Language
German
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673 Mitteilungen der Alliaoce Israelite Universelle: Die Ereignisse in Fez. 674 der letzten Tage seines Aufenthalts in Fez zu regeln. Da ich nun nicht weiß, was sich noch ereignen kann und ob Herr Regnault trotz seines Versprechens noch die notwendige Zeit gehabt hat, vor dem Ablauf seiner Amtstefugnisse unsere Angelegenheiten zum Abschluss zu bringen, wollte ich Sie bitten, die französische .Regierung für mein Projekt zu interessieren, damit der General Lyautoy vor seiner Abreise nach Marokko davon Kenntnis erhält. Wir haben danach die Frage erörtert, auf wessen Namen die Terrainschenkung gemacht werden solle.. Ich schliesse mich der Meinung des Herrn Regnault an, dass im Mellah eine Verwaltungsorganisation geschaffen werden müsste, die die Stellung einer juristischen Person hätte und als solche das Rechterhielte, nach Bedarf zu erwerben, zu verkaufen, Anleihen abzuschliessen usw. und deren Beschlüsse für den Mellah Gesetzeskraft haben müssten. Eine der ersten Reformen des Protektorats wird für die Stadt Fez wie für alle übrigen marokkanischen Städte die Schaffung von städtischen Behörden sein, die sich mit den Interessen und Angelegenheiten der Stadt beschäftigen. Für die Stadt Fez ist dieser Plan bereits entworfen und seiner Erledigung nahe. Die Kommissiondes Mellah soll eine Abteilung der allgemeinen Sektion der Stadt bilden, soll aber ihr eigenes Budget und ihre eigenen Steuern für den Bedarf des Mellah haben. Diese von mir dargelegten Ansichten sind sowohl von Herrn Regnault wie von Herrn Gaillard sehr richtig gefunden worden, und ich habe den Auftrag erhalten, darüber einen neuen Bericht auszuarbeiten und darin die beiden Fragen der städtischen Verwaltungskommission des Mellah und der Terrainüb er Weisung ausführlich zu behandeln. Hilfskommission. In unserer gestrigen Sitzung haben wir eine ausführende Unterkommission ernannt, die aus den beiden Oberrabbinern Serfaty und Danan und aus mir besteht. Die Hauptkommission kann jetzt nicht mehr alle Tage zusammentreten und wird von nun ab nur zweimal wöchentlich Sitzungen abhalten. Von morgen ab werden wir statt der bisherigen Abteilung von Lebensmitteln bares Geld an die Leute geben, damit sie sich selbst beköstigen. Wir haben die Absicht, pro Tag und Person 25 Centimes zu geben und immer für vier Tage voraus zu zahlen; wir werden also morgen 1 Francs pro Person, das sind ungefähr C—7000 Francs, auzsuzahlen haben. Am Donnerstag soll wieder dieselbe Summe zur Verteilung gelangen. Inzwischen prüfe ich die augenblickliche Lage jeder einzelnen Familie und der Existenzmittel, die ihr noch geblieben sind, damit ich den am meisten Bedürftigen auf die nützlichste Art zu Hilfe kommen kann. Morgen wird noch ein grosser Posten Wäsche und von uns gekaufter ganz neuer Kleidungsstücke verteilt. Der Mangel an Bettzeug macht sich im Mellah ganz besonders unangenehm bemerkbar; alle Matratzen und Decken sind gestöhlen worden, die Leute schlafen auf der blossen Erde. Es bedeutet eine ungeheure Ausgabe für uns, diese Bettsachen zu kaufen, wir werden es aber trotzdem tun müssen, weil wir die Unglücklichen nicht fortgesetzt nur auf Strohmatten können schlafen lassen. In einer Synagoge haben wir eine Poliklinik eingerichtet und dort ein paar Patienten untergebracht, die zu Hause nicht haben verpflegt werden können. Alle Kranken, die zur Konsultation dorthin kommen, werden von Dr. Many und von Frl. Dr. Broido behandelt, die sich dafür zur Verfügung gestellt haben. Wir brauchen noch einige Zeit zur Prüfung .der Mittel und Wege, wie wir den Hunderten von Arbeitswilligen 'einengeeigneten Broterwerb schaffen. Die Lage jedes einzelnen muss sorgfältig geprüft und berücksichtigt weiden, damit wir ein dauerndes und wirksame? Hilfswerk leisten. Am 6. Mai ist im Militäikrankenhaus ein Trauergottesdienst für die Opfer der Unglückstage veranstaltet worden, dem ich beigewohnt habe. Die dabei gehaltenen Ansprachen werden Sie in den Tageszeitungen gelesen haben. Herr Regnault hat in seiner Rede mit besonderer Rührung der israelitischen Opfer gedacht und hat die betroffenen Familien und der" ganzen Gemeinde sein tiefstes Mitgefühl ausgesprochen. £ ez-: E 1 m a 1 e h. Siebenter Brief. Fez, den 12. Mai 1912. Sehr geehrter Herr Präsident! Ich habe.Ihre Ansicht über die in den gegenwärtigen Verhältnissen wirksamste Hilfsmethode erbeten. Sobald Ih'ie Antwort eingetroffen ist. werde ich sie der Kommission unterbreiten. Da jetzt dafür gesorgt ist, dass die Geschädigten ihr tägliches Brot erhalten, sind wir bemüht, ihnen darüber hinaus nachhaltige Entschädigung zu bieten. Nachdem die dringendsten Bedürfnisse befriedigt, Lebensmittel, Kleider, Betten verteilt, und die unerlässlichsten hygienisch erforderlichen Abtiagungsarbeiten ausgeführt sind, müssen wir auf eine gründlichere Abstellung der durch das Unheil hervorgerufenen Missstände bedacht sein. Durch meine früheren Mitteilungen sind Sie über die Grösse des Unglücks unterrichtet. Als erste Massnahme habe ich der Kommission empfohlen, den Arbeitern teils als Geschenk, teils als Darlehen, ausreichende Summen zu überweisen, damit sie sich Werkzeuge kaufen und ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Der Vorschlag ist angenommen und wird in dieser Woche zur xVusführung gebracht w~erden. Ich schlage gleichfalls die Errichtung einer Dahrlehnskasse vor — ohne Zinsen — die den Krämern und kleinen Kaufleuten zugute kommen soll. Sie sind der Kategorie der Ei werbstätigen zuzuzählen, die 1m Mellah am zahh eichst en vertreten ist. Durch die zwiefache Plünderungihrer Häuser und ihrer Geschäfte sind sie die am schwersten Betroffenen. Ich winde empfehlen, für diese Darlehnskas-se ein Kapital von 50(00 Francs anzuweisen und würdigen kleinen Kaufleuten Darlehen im Betrage von 100-1000 Francs zu bewilligen. Es könnten möglichst kurze Rückzahlungstermine angesetzt oder Teilzahlungen gestattet werden, um nach Möglichkeit die Zahl der Entleiher zu erhöhen. In einer unserer letzten Sitzungen haben wir auf meinen Antrag beschlossen, der israelitischen Gemeinde von Fez die Summe von 4-5000 Francs vorzustrecken, die sie benötigt, um die von den Räubern zerstörten Läden, deren Besitzerin sie ist, wieder in Stand zu setzen. Die Gemeinde wird seinerzeit ihre Forderung für die gänzliche oder teilweise Zerstörung ihrer Häuser einreichen und den von uns erhobenen Vorschuss aus der Entschädigungssumme, die sie erhalten wird, zurückzahlen. Es ist notwendig, dass die Gemeinde die Läden, die sie verpachtet' wieder herrichten lässt, damit einige kleine Händler ihre Geschäfte wieder aufnehmen können, was ihnen aus Mangel an Räumlichkeiten bisher nicht möglich war. Elmaleh.

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