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Ost und West · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. Seite 489 - 490

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
Theater
Date
1912-05-01
Page
Seite 489 - 490 (sequence 4)
Language
German
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489 Felix Stüssinger: Theater. 490 Hardt ist nickt nur Nachahmer, sondern auch Nachenipfinder und sowie man das einmal ist, muss man sich vor Nachahmungen wie vor dem Feuer hüten. Er schafft wie ein Literat, der sich durch. Einfühlen in andere Naturen zu Hilfe kommt. Leider ist er nicht energisch genug, das Nachempfinden völlig aufzugeben, so dass sich auch in seine Original-Vorträge fremde Melodien einschleichen und seine Rezitationen dann von Impressionstönen anderer Schauspieler schillern. Es ist ihin allerdings gelungen, schon viel, sagen wir sogar sehr viel von sich zu weisen, aber er kann aus Freude am Nachahmen das Nachmachen nicht lassen, so dass er z. B. an seinem letzten Rezitationsabend, am 3. April, ein Gedicht Wedekinds scherzhafter Weise im Wedekindton vortrug. Ahmt er aber nicht direkt Vorbilder nach, so stellt er sich auf anonym kursierende Töne — Balladenton, Verhaltenheitston, Erregungston usw. — ein und schleppt von aussen herbei, was er nicht in seinem Herzen findet. Die Kehle ist nur zu gut! "Wahrscheinlich wird er gleichzeitig menschlich und künstlerisch wachsen. Was er aus sich herausholt, ist vortrefflich, und was in ihm liegt, gestaltet er sicher und reif. Ganz einfache, lyrische Urlaute von Hebbel, Liliencron, Rilke, schlichte Stücke von Fontane, Kopisch, Andersen und Storm, aber auch kräftige, balladeske Gedichte gelingen ihm, solange er fremde, unempfundene Töne von sich hält. Er kann technisch viel und grössere Novellen oder die unerträglichen Anekdoten Schäfers gliedert, baut und rezit.ert er. dass es eine Freude ist. Das allerschönste ist aber sein Humor, in dem jeder nach seinen Intermezzis von Unnatur auflebt. Er halte sich also an die einfachsten Kunstwerke, die er scheinbar für undankbar hält und stelle endlich Goethe, Hölderlin und Mörike, die bis heute für ihn nicht existieren, sich selbst zum Erfolge in sein Programm. Im Berliner Theaterrepertoire herrscht inzwischen der Sturm vor der Ruhe eines Kassenstückes, zu der nur die Meinhardt- und Bernauer sehen Bühnen dieses Jahr bald und gründlich mit den hier von mir schon besprochenen Stücken gekommen sind. Reinhardt ist überall und deswegen nirgends und verliert in seinen Häusern die besten Chancen. Im „Theater desWestens4' wird in seiner Inszenierung Offenbachs „Schön e Helena" serienweise gespielt und obwohl Richard Wagner ihre Wärme als „die Wärme des Düngerhaufens" bezeichnete, „auf dem sich alle Schweine Europas wälzen konnten", steht ihre Musik bei Kennern jetzt in Kurs wie alter Wein und alte Geigen. In Wahrheit hat ihr aber das Alter geschadet und den Kitzel ihres Rhythmus abgestumpft. Zur neuen Operettenmusik lässt sich ganz anders tanzen, auch wenn sie wirklich nur die Wärme des Düngerhaufens hat. Offeiu bach entschädigt uns durch den Reiz einiger Melodien, die noch so stark wirken, dass man sie heruntergespielt sicli gefallen lässt. In einer durch dumme Witze geschaffenen Oede erfrischen sie allerdings nicht genug. Wenn einer wie Reinhardt den Kopf nur noch auf Ausstattungen hat, verliert er bald die Lust, ein Drama von Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen-St. Versifßerte unb oergolbete ßobmudis-undLuxusartikel in tecfiniscl) üoffkommener Ausführung Versilberte UUMF.-J&e/tetke Verkaufssteffen an äffen grösseren Pfalzen Eingetragenes Warenzeichen Aachen, Theaterplatz 1; Altona, Königstrasse 29; Berlin \V, Leipzigerstr. 112; Berlin C., Königstrasse 37; Berlin S., Oranienstr. 139; Breslau, Schweidnitzerstrasse 31; Darmstadt, Rheinstrasse 8; Dresden, Pragerstrasse 6; Eigene Niederlagen in: Düsseldorf, Schadowstr. 30; Frankfurt a. M., Rossmarkt 15 a; Fürth i.D., Weitistrasse 7; Hamburg, Hermannstr 48; Hannover, Georgstrasse 27; Kiel, Holstenstrasse 36; Köln, Hohestrasse 136; Leipzig, Grimmaische Str. 25; Magdeburg, Breiteweg 55; Mainz, Ludwigstrasse. 6; München, Weinstrasse 8; Nürnberg, Königstrasse 23; Posen, Berlinerstrasse 1; Strassburg, Broglieplatz 1; Stuttgart, Königstrasse 31B; Ulm, Münsterplatz 14 und 15.

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