Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Simson und Delila [Illustration]
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 449 - 450 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- illustration document
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2583875-2584019-2584025-2601027--13047-2601110- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
449 450 Max Liebermann: Simson und Delila« SIMSON IN DER BILDENDEN KUNST. Von Karl Sc h \V a r Z. Nachdruck, verboten. Wenn wir als Besucher durch eine Galerie alter Bild werke wandern, so wird uns vor allem die stete Wiederholung derselben Motive auffallen, besonders die immer wiederkehrende Bearbeitung neutestamentlicher Stoffe. Der Grund dieser Erscheinung ist, dass die Kirche vornehmlich die Bestellerin der Kunstwerke war, dass die Künstler, denen sich erst in späteren Zeiten auch das profane Gebiet und die Abnahme von privater Seite eröffnete, von der Kirche abhängig waren und dass natürlich die für die Ausschmückung der Kulträume in Betracht kommenden Motive nur eine beschränkte Auswahl zuliessen. Das neue Testament, dessen Verherrlichung vor* allem angestrebt wurde, war stets der Ausgangsmid Mittelpunkt; aus dem alten Testament wurden nur hierauf vorbereitende Szenen oder solche, die einen selbständigen doktrinären Wert besessen, vorwendet. So kommt es .denn, dass vornehmlich die Stoffe der fünf. Bücher Mosis bildnerisch dargestellt wurden: Die ersten Nienschen, die Stammväter, .die Josefgeschichte und das Leben und Wirken des /Mannes, der Israel aus der Knechtschaft erlöste und in das Land geleitete, da es sich zu einem mächtigen selbständigen Volke entwickeln könnt«1, um seiner erhabenen Missinn, den Glauben an Gott zu lehren und zu pflegen, siph zu entledigen. Die Szenen des Pentateuch sind in fast ununterbrochener Folge in der bildenden Kunst dargestellt worden; anders steht es mit den übrigen Büchern des alten Testamentes. Das Buch Josua schildert das tätige Vollenden der göttlichen Verhcissungen. Auf den geistigen Führer Moses folgt der Feldherr Josua, der mit starker Hand und weiser Umsicht das gelobte Land erobert und die neuen Gebiete unter die Stämme verteilt. Ein wechselvoller. Kriegszug ist es, der uns berichtet wird, ein Heereslager wird errichtet und von dieser strategischen Basis aus die Besitznahme des Landes unternommen. Solche Stoffe brauchte weder der Künstler als Vorlage- — die Lokalhistorie bot sich ihm hier zwangloser—noch die Kirche, da sie wonig zur Ausschmückung eines gotlesdienstlichen Ortes passten. Erst der zehnte der - Richter, der mit seinem voreiligen Gelübde sein Haus in. Unglück stürzte, nimmt den Faden wieder auf. den wir bei Moses verlassen hatten (siehe Jahrgang 1909. Seite 509 ff.), (wenn wir die beiden genrehaften Darstellungen der lYophctin Deborah von Gabriel Max und Na-