Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Illustrationen zu Russlands Judenpolitik im letzten Monat
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 441 - 442 (sequence 2)
- Language
- German
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441 Illustrationen zu Russlands Jinlenpolitik im letzten Monat. 442 Der Ministe:- des Innern, M u k a r o nv , hat eine frühere Verordnung bestätigt, wonach Juden, die als Diener von ausserhalb des Ansiedlungsrayons wohnberechtigten Juden eingetragen sind, hei diesen wohnen müssen. Der Gouverneur von Tula gestattete, der Stadt einen „Ivornnhren-Tag" zugunsten der hungerleidenden Bauern zu veranstalten, — jedoch nur unter der Bedingung, dass die Juden von der Veranstaltung ausgeseh bissen bleiben müsston. TM Hausbesitzer in Napsol (Esthland) wandten sieh an den Minister des Jnnern AI a k a r o w mit der Bitte, den Juden den Sommerautenthalt in genanntem Orte zu gestatten, aus dem sie oft trotz Wohnrechtes ausgewiesen werden. — Der Minister hat dieses Gesuch a h s <• Ii l ä g i g hesehieden. * * * Das Börsenkomitee von Omsk hatte sieh an den Minister des Innern mit der Bitte gewendet, jüdischen Kommissionären den zeitweiligen Besuch von Omsk zu gestatten. Minist o r M a k a r o w liat das (resueh a I) g e 1 e h n t. * * * Die Polizei-Verwaltung des Schitomirer Bezirks wies hundert jüdische Familien wegen angeblichen Mangels des Wohnrcehtes aus den Dörfern aus. Aus Nikolajewsk im Amurgebiet wurden vierzig jüdische Familien wegen angeblichen Mangels des Wohnrechts ausgewiesen. Nun tragen sich auch die Juden, deren AYohnrecht unanzweifelbar ist, mit der A b sic ht, au szuw a nd e rn. * * * Die Gouvernements-Verwaltung von Charkow wies in der letzten Zeit eine Menge jüdischer Kau Heute und Handwerker sowie Angehörige freier Berufe aus, — zum Teile solche, die schon Jahrzehnte in Charkow wohnen. In Tambow grüssten einige Schülerinnen des Alexandrower Instituts für adelige Fräulein auf der Strasse den Direktor der dortigen Musikschule, Starikow, der Jude ist, Zufällig bemerkte dies der Gouverneur Muratow, worauf er sofort an die Leitung des Mädcheninstitutes die höchstoffizielle Frage richtete, ..aus welchem. Grunde die Schülerinnen den Juden Starikow gegrüsst*' hätten. * * * In Noheisk (Stavropoler Gouv.) rächte sich ein Schutzmann an einem jüdischen Kaufmann, gegen den er einen Groll hat, auf die Weise, dass er in die Wohnung des Kaufmanns eintrat und dessen Frau niederschoss. (Schule des Mörders Polizeimeisters Liwkin, der für die Niederstreckung zweier Juden drei Jahre Arrestanten-Kompagnie erhielt, mit dem im Gerichtssaale höhere Offiziere und der Vorsitzende fraternisierten, und der voraussichtlich demnächst ganz begnadigt sein wird. Siehe ..Illustrationen"' in der vorigen. Nummer von ..Ost und West".) * * * Die Odessaer Handwerks-Kammer beschloss ein Grinsen-Asyl zu bauen. Die Stadt-Duma wollte den Platz hierfür schenken, aber nur unter der Bedingung, dass in dem Asyl nicht mehr als 10% Juden aufgenommen werden dürfen. Dies, obwohl die überwiegende Mehrheit der Handwerker Odessas Juden sind. Die Kaminer wollte anfangs von dem Anerbieten nichts wissen, verstand sich aber schliesslich auf eine Prozentnorm von 50°0. Die Kiewer Administration ordnete an, dass die Juden, die in Kiew ohne Wohnrecht aufgegriffen werden, fortab gleich gemeinen Verbrechern der Geheimpolizei übergeben werden. * * * Die Kiewer Polizei verbot den Kino-Theatern die Vorführung des Bildes des jüngst verstorbenen Professors Mandelstamm. (Siehe»Nekrolog in der vorigen Nummer von „Ost und West"). * * * Auf dem Kreschtschatik, dein eleganten Yerkehrszentrum Kiews sah ein General einen jüdisch aussehenden Mann, mit einem Kinde an der Hand, das störrisch war und sich nicht führen lassen wollte. Der General schlug Farm: „Der Jud' führt ein christliches Kind zum .Vbsciilachten.'*' Daraufhin sammelte sich natürlich eine riesige Menschenmenge an und die Situation wurde bedrohlich. Auf dem Polizeirevier, auf das der General und die Menschenmenge mitgingen, stellte sich heraus, dass der vermeintliche Jude ein Grieche und das vermeintliche Ritualmordopfer sein Söhnchen war.