Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1912)
- Article
- Die Gefangennahme Simsons [Illustration]
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 437 - 438 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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437 Revue der Ereignisse. 438 Peter Paul Rubens: Die Gefangennahme Simsons. (Zum na'.-list 'hcndfii Artikel „Simeon in clor bildendem Kiunt"'.) Homerule und die Juden. Die augenblicklich brennendste Frage in England — Homerule für Irland — hat auch vorn jüdischen Standpunkte Bedeutung. Und dies nicht nur für die irländischen Juden selbst — es sind im ganzen an l'ünf- oder sechstausend — sondern in Hinsicht auf die jüdische Einwanderung. Es handelt sich darum, ob die irische Autonomie als eine für die Juden günstige oder ungünstige Wendung zu betrachten ist. Unter den irländischen Juden selbst herrschen hierüber Meinungsverschiedenheiten. Schon im vorigen Jahre hat der Fall eines Rabbiners Aufsehen erregt, der einem Reporter gegenüber die Meinung aussprach, dass Homerule Pogrome zur täglichen Erscheinung machen werde. Der Rabbiner niusste damals seine Stelle verlassen. Im übrigen ist die überwiegende Mehrheit der Ansicht, dass gar kein Grund zur Furcht vorliege, und diese Ansicht scheint auch die richtige zu sein. Es hat keinen Sinn, den katholischen Nationen, wenigstens der Jetztzeit, a priori mit grösserem Misstrauen entgegenzutreten. Italien, Frankreich und das katholische Deutschland geben gewiss keine Ursache dazu. Es ergeht da den Juden nicht wesentlich besser und nicht wesentlich schlimmer als in den protestantischen Ländern. Und in Irland selbst haben sich die Juden bisher auch nicht mehr zu beklagen als anderswo. Einzelne sind zu hohem Ansehen emporgestiegen, spielen mitunter sogar eine hervorragende Rolle in der irischen Politik. Also ganz wie überall. Ausserdem wäre es wohl das Unklugste, das sich denken lässt, wenn sich das Häuflein der irländischen Juden dem unausbleiblichen Siege der irisch-nationalen Bewegung zugunsten der englischen Fremdherrschaft entgegenstemmen würde. Sie würden zermalmt, und tausende jüdische "Wanderer der Zukunft hätten eine Küste weniger, an der sie landen können. * * *