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Ost und West · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Date
1912-05-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 5. Mai 1912. XII. Jahrg. DIE JUDEN UND DIE DEUTSCHEN UNI VERS ITAETEN. Von Dr. med. Theodor Zlocisti, Berlin. Nachdruck verboten. Wehrkraft und Wissenschaft bilden das Quadermassiv, auf dem sich das trotzige Gebäude des neuen Deutschen Reiches auftürmen konnte. Dass diese Grundlage nur aus dem Yolksganzen heraus gewonnen werden könnte, ahnte schon der Absolutismus der frühen preussischen Fürsten. Und dieses Ahnen empordrängender Schöpferkräfte im Volke zu Zeiten, da der Bürger nur Marktwert in Handel und Händeln der Gekrönten war, gab dem Hohenzollernaar die ragenden Höhen. Preussens Besitz konnte von Napoleon gehälftet, seine Regierung zu schmachvollen Verträgen entwürdigt, seine Regimenter in die Reihen, der grande armee gefügt werden: die in Jahrhunderten einsichtsvoller Herrscherarbeit entwickelte Volksenergie konnte der Korse nur fester zusammendrängen, dass sich ihre Wucht zu jener gewaltigen Leidenschaft des Freiheitskampfes entspannen musste. In den Tagen der Schande und Erniedrigung wurde die Ahnung der Fürsten die Erkenntnis der Patrioten. Scharnhorst, der noch 1806 — im Nebel der Kleinstaaterei — nur den gegenseitigen Vernichtungsdrang im Menschen und die äussere Gewalt als Triebkräfte für den Soldaten sehen konnte, entwickelte nun aus den moralischen Gesetzen, aus Patriotismus und Ehrgefühl, die Pflicht des Bürgers zur Verteidigung des Vaterlandes. Seines Vaterlandes! Und Wilhelm von Humboldt mühte sich, die verloren gegangenen Provinzen durch neu zu erobernde geistige zu ersetzen. War ihm, der sich vom verfinsternden Aufkläre "tum befreit hatte, seine Philologie die Lehre vom Sein und Werden der Nationalität, so sollte sich die Wissenschaft für das Staatswohl adeln, dass sie mehr als ein national-kultureller: dass sie ein nationalpolitiseher Faktor würde. Diese Gedankenwelle teilte sich seinen Mitarbeitern in der Regierung mit; sie schlägt auch an jenen Entwurf an, der schliesslich in dem Dekret vom 11. März 1812 die Juden in den Staatsverband einfügte und für das neugewonnene Staatsideal aktivierte. War noch das Judenreglement von 1750 vom muffigsten Krämergeist dieser merkantilistischen Aera erfüllt, so gewähren und fordern zugleich die Edikte der nächsten Dezennien Beschäftigung mit Künsten und Wissenschaften. Allein, was sich hier noch als Gnade herausputzt, wird im Emanzipationsgesetz System. „Die für Einländer zu achtenden Juden (hingegen) sollen, insofern diese Verordnung nichts Abweichendes enthält, gleiche bürgerliche Rechte und Freiheiten mit den Christen gemessen." So heisst es im siebenten Paragraphen. Und der achte folgert aus dieser Bestimmung: „Sie können daher akademische Lehr- und Schul- und Gemeindeämter, zu denen sie sich geschickt gemacht haben, verwalten." Dieses „Daher" war der Siegesruf eines sechzigjährigen Kampfes, war die Anerkennung für die kulturelle Entwicklung der Juden, war der Preis für hastige Assimilation. Es rief laut zum Wettbewerb der Geister, und leise rief es zur — Taufe. Praktisch wirksam konnte die Freilegung des Weges zu den Beamtenstellen und vollends zur Lehrtätigkeit an den Universitäten für die Juden füglich noch nicht werden. Diese innere und formale Bereitschaft hatte die bisherige Art der Behandlung der Judenheit gewaltsam niedergehalten. Mochten auch die Initiatoren des neuen Gesetzes den kulturellen Fortschritt der Juden als genügend ansehen, um die Einfügung dieses fremdnationalen Bevölkerungsteiles in den Staatsverband motivieren zu können, für die Schärfersehenden — es waren wie immer die Träumer von nationaler Grösse — war die äussere Entsklavung der Juden die Voraussetzung ihrer nationalen Auflösung und Einschmelzung in das. sich neu herausbildende deutscheVolksganze. Für sie war die Emanzipation nicht Ergebnis eine:* Entwicklung. Sondern die causa

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