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Ost und West · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. Seite 365 - 366

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Theater
Date
1912-04-01
Page
Seite 365 - 366 (sequence 2)
Language
German
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365 Felix Stüssingcr: Theater. 3G6 Geistes, da gerade ein jüdischer Dichter, wie Hofmannstlial, sich zur Gestaltung dieser Geschöpfe und ihrer hysterischen Atmosphäre gedrängt fühlt. Am vollkommensten hat aber für mein Gefühl Gerhart Hauptmann diese Abkömmlinge Raheis in seiner Gersuind dargestellt; auch er, wie Griliparzer, frei von subjektiver Pathologie. Es gibt in der klassischen Literatur wenige Rollen, für die Lia Rosen so geschaffen zu sein scheint. Das Kind- und Knabenhafte ihres Körpers, die hysterische Glut ihres Blickes, die lauernde Art ihrer Körperhaltung sind günstigste Voraussetzungen für diese Figur. Die Rosen gehört ihrem Aussehen und Rollenfach nach zu den modernen Schauspielerinnen, deren erste und grösste die Eysoldt ist und bleibt. Es wäre sehr oberflächlich, die Modernisierung der deutschen Schauspielkunst mit einer Naturalisierung zu identifizieren. Dieser Prozess durchläuft die ganze Geschichte des Theaters und wurde nur infolge des zufälligen Parallelismus zur Literatur anfangs der HOer Jahre besonders betont. Barnay ualt, was heute wie ein Scherz klingt, 'ls Naturalist und Moissi ist fast schon wieder unmodern geworden. Die Modernisierung erstreckte sich aber auf den ganzen Renschen und traf besonders die Frau, die ich unter den Einflüssen ihrer geistigen »estrebungen und dem Anbruch der neuen,, "xuellen Freiheit eigentümlich veränderte. >ie Vermännlichung ihres Wesens yerännlichte ihren Körper; machte ihn istischer, ephebenhafter, die Erotisierun^ Marta Wölfl' phot. Lia Rosen als „Jüdin von Toledo". Hess ihn ganz eigentümliche Sinnlichkeit ausstrahlen. Früher ging von der Schauspielerin Feuer und Glut aus. heute ein Knistern und Zucken. Alles das ist bei der Rosen mehr oder weniger vorhanden. Dabei 'wäre r;ie aber dernier cri, wenn sie nicht durch eine besonders gute Schulung des Organs und den Mangel aller Pose und Manier über die Epigonen der Eysoldt hinauswüchse. Die Jahre am Burgtheater scheinen ihr gut getan zu haben. Sie vermeidet, schon aus Mangel, geistreich deuten zu können, die Ueberladung mit Nuancen und ist doch, gerade technisch, so schwierigen Situationen, wie der Verführung im Garten und der Bildnisszen? völlig gewachsen. Ja einiges war ausgezeichnet und in manchen Momenten schien die Darstellung nicht anders denkbar. Sie war Kind und Weib, launisch und zielbewusst, reizend in den koketten, aber leider etwas krampfhaft in den tragisch akzentuierten Szenen d?3 letzten Auftritts. Es ist gewiss ein Jammer, das5 die Xatur sie so hart auf einen kleinen Kreis beschränkt hat. Es geht etwas von ihr aus. irgend ein Hauch, — die Atmosphäre der schauspielerischen Persönlichkeit; der Inbrunst ihres Weinen > kann sich niemand entziehen. Sie ist nicht übermässig klug und kann in ihren Rezitationen, hingerissen von der Melodie, die Bedeutung des Inhalts oft völlig übersehen. Jedenfalls hat sie aber jetzt bewiesen, dass sie eine ganze Figur darstellen kann und dass das Deutsche ■ Theater verpflichtet ist. ihre Kraft im eigenen Hause zu verwerten. DER JUEDISCHE ADEL IN ENGLAND. Nachdruck verboten. Jüdische Adelige gibt es überall, wo iden leben, selbst in Rassland; einen jüdiaen Adel als besonderen jüdischen Stand )t es nur in England. Der jüdische Lord er Baronet in England fühlt sich nicht r als englischer „Noble", sondern auch jüdischer Adeliger. Dass er Wappen des Sir Francis* Abraham Montefiore, Wappen des Sir J. E. Sassoon. von diesem Bewusstsein durchdrungen ist, beweisen seine Taten und Werke auf den Gebieten der jüdischen Philanthropie, sozialen Beform und der jüdischen Volks« Politik. Von den vier jüdischen Lords (Baron of. the United KiDgdom), die Sitz und Stimme im Honse of Lords haben, und Wappen des Baron Sir Nathan Meyer Rothschild.

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