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Ost und West · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. Seite 225 - 226

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Arnold Monat
Date
1912-03-01
Page
Seite 225 - 226 (sequence 2)
Language
German
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225 Max Schach: Arnold Monat. 22 bei allem Unproblematischen komplizierte Art hat mich zu Arnold Monat geführt, und je näher ich sein Werk betrachte, um so stärker ist die Ueberzeugung, dass hier ein Eigener steht, der manchmal wohl noch um den persönlichsten Ausdruck ringt, dessen sinnierende Art aber ernsthaft stimmt. Wir Alle haben uns allmählich daran gewöhnt: vom Künstler zu erwarten, dass er gleichsam aus der Tiefe komme, dass Jahre harter Kämpfe hinter ihm liegen. Hunger und Kampf — das sind die sentimentalen Momente, die das Interesse der Bourgeosie an der Kunst fördern. Der ruhige Bürger lernte allmählich es als sein gutes Recht betrachten, vom Künstler zumindest eine traurige Vergangenheit verlangen zu können. Arnold Monat kann damit aufwarten. Seine Lebensgeschichte ist nicht gerade originell, aber der freundwillige Bürger kommt auf seine Rechnung. Zu Czenstochau in Russisch-Polen geboren, kam Arnold Monat nach Lodz, wo er als sechzehnjähriger Junge Buchdruckerlehrling wurde. Die lithographischen Arbeiten, die er im Geschäft des Vaters kennen lernte, mögen ihn zum Nachzeichnen angeregt haben. An sein Talent zweifelte niemand, aber da keine* half, der Vater auch gegen jede künstlerische Ausbildung war, so hätte der Jüngling selbst daran zweifeln gelernt, wenn er nicht schliesslich doch einige seiner Gelegenheitszeichnungen an den Mann gebracht hätte. Nun hatte er etwas Geld, und mit den Rubelscheinen wuchs der Mut. Er fuhr nach London, mit dem bestimmten Plan, für seine Ausbildung zu sorgen, kam an die ,,National Art Training School", wo er zwei Jahre studierte. Später war er Schüler des berühmten Professor von Hoffmann in Wien, auf dessen Empfehlung er Freischüler der Akademie wurde. Und in all der Zeit gab es natürlich Daseinskampf in der härtesten Form, Entbehrungen — kurz, da war Einer, der Künstler werden wollte. In Paris nahm sich Antokolsky seiner an und später Professor Tondeur in Berlin. Endlich widerfuhr auch Arnold Monat das grosse Wunder — er bekam für seine Arbeiten wirklich und wahrhaftig hezahlt! Allerdings war er noch immer im Nebenberuf Dekorateur. Seit einiger Zeit ist sein Name bekannter, von seinen Arbeiten haben einige den Heifall der Kritik gefunden, und lohnendere Aufträge ermöglichten, dass Arnold Monat sich jetzt in seinem Berliner Atelier ungestörtem Schaffen hingeben kann. Die Arbeiten des Künstlers, wie sie hier reproduziert sind, kennzeichnen nur annähernd seine Eigenart. Doch auch diese Silhouette seiner Art ist lehrreich. ARNOLD MONAT. BERLIN. Portraitbüste des Herrn Dr. J. wenn sie, wie etwa an dem „Knabenkopf", eine weiche Grazie der Linien beweist. Auch die Büste des „Herrn O." ist eine interessante Arbeit, ganz fein verknüpfen sich hier die ironischen Fältclien zu einer überlegenen Physiognomie. Und überall fcsse't dD Behandlung des Details. An seinen Arbeiten erweist sich sein ernstliches Ringen, ein künstlerischer Fleiss und eine gewisse Geistigkeit, die sein eigenstes Merkmal sind. Dieser Fünfundvierzigjährige steht nach einem bewegten Künstlerdasein am Anfang seines Schaffens. Seine letzten Arbeiten — besonders das Portrait des Dr. I. deuten auf eine'Sicherheit der Linienführung. Vielleicht, dass sein Temperament ihn über die Spezialität der Portraitkunst hinausführen wird, dass er in der Reliefkunst Neues, Vielgestaltigeres bringen kann. Der Möglichkeiten sind viele bei diesem fleissigen Künstler. Kann sein, dass wir ihm in Gestalten seiner Kunst begegnen, die ein bündigeres Urteil zulassen. Denn auch von Arnold Monat dürfen wir Uebcrraschungen erwarten.

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