Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. Seite 223 - 224

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Illustrationen zu Russlands Judenpolitik im letzten Monat
Date
1912-03-01
Page
Seite 223 - 224 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2584019-2584023-2600692--12783-2600766
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

223 Illustrationen zu Russlands Judenpolitik im letzten Monat. 224 .Juden ist 71 Jahre alt und ist seit 41 Jahren in Kursk geschäftlich tätig. * * * Der Kongress der Mittelschul-Direktoren des Odessaer Bildungsrayons fasste den Besch luss, dass in allen Mittelschulen Schüler-Militär-Rotten gegründet werden, in denen aber jüdische Schüler keine Aufnah nie finden sollen. * * * Der Vize-Gouverneur von Archangelsk, Schild e r - S c h u 1 d n e r , der die Geschäfte des Gouverneurs versieht, trug dem Direktor der Aecoucheur- Sclmle, Grcnkow, auf, die jüdischen Schüler auszuschliessen. Als ihn der Direktor darauf verwies, dass diese Ausschliessung ungesetzlich sei. meinte er: „Was, Gesetze. . . . Der Tambower Gouverneur Muratow hat aus der Musikschule von Tam.bow alle Juden verjagt. Na, und was geschah? E r h a t d a f ü r n o c h d e n T i t e 1 ,K a m m e r h e r r' b e k o m m e n." * * * Das Hildungsministerium crliess neue Verordnungen, durch die es den jüdischen Frauen, die im Ausland das Doktor- Diplom erworben haben, fast unmöglich gemacht wird, sich in Russland nachexaminieren zu lassen. — Die bezeichnendste Bestimmung ist die, dass die Examina hauptsächlich nur in Kiew und Odessa stattfinden können. In Kiew und Odessa werden nämlich den jüdischen Examinanden seit jeher die grössten Schwierigkeiten gemacht und diese Städte werden daher von ihnen gewöhnlich für Prüfungszwecke gemieden. * * * Sosnowski, der Stadthauptmann von Odessa, verbot die Aufführung von Tschirikows „Die Juden*', weil ohnehin schon zuviel Stücke aus dein jüdischen Leben gegeben werden. * * * Die Frau des Odessaer Stadthauptmanns Sosnowski erklärte, sie werde nicht zulassen, dass an den Odessaer Wohltätigkeitsanstalten Juden teilnehmen. * * * In J elissawetgrad ermordeten zwei Jungen, Ronenko und Bohatenko, den alten jüdischen Händler Wischnewski, — um Geld für Schnaps zu haben. Sie sagten, sie seien tiberzeugt gewesen, dass man Juden umbringen dürfe. ARNOLD MONAT. Von Max Schach. Nachdruck verboten. Jeder Individualität ist es gegeben, alte Erkenntnisse urnzustossen und an ihrer Stelle die Zeichen einer eigenen Persönlichkeit aufzupflanzen. Künstler sein, heisst „anders** sein. Eine banale Formel vielleicht, aber weit reichend in der Relativität des Begriffes. Das aber ist es, was wir von jedem echten Künstler verlangen: er muss uns Neues geben, nicht im Stoff, sondern in der Art, er muss imstande sein, uns die geheimnisvolle Melodie zu deuten, die aus aller Kunst dem feineren Ohr___ entgegendringt. Milieu ist mitwirkend, und auch das eigene Kunstprinzip rechnen wir zu den Imponderabilien. Entscheidend aber* ist die Art, die künstlerische Ursprache. Gerade die jüdischen Künstler unserer Zeit haben in den V arianten ihres vielfachen Schaffens dennoch eines bewiesen: die Gleichheit des Milieus bedingt keine Wiederholung der künstlerischen Form. Es ist sicherlich kein Zufall, dass soviel starke Könner unter den zeitgenössischen Bildhauern aus der russisch-jüdischen Umwelt stammen. Man könnte den Versuch einer Analyse dieses Zufalls wagen, aber es ist lohnender, diese Tatsache jeweils an dem Künstler selbst zu illustrieren. Nennen wir AntokoJsky und Glycenstein; die Namen liessen sich fortsetzen. Aber da kommt ein Neuer und fordert mit dem ungebrochenen Recht des Schaffenden, dass wir ihn prüfen und den Anderen erzählen, was uns sein Werk zu sagen hat. Arnold Monat zählt auf keinen Fall zu den sieghaften Talenten. Er ist keiner von den kühnen Revolutionären im Bezirk der Kunst, keiner von jenen, die gegen das „Alte" (wie oft bleibt es das Neue!) Sturm laufen, weil sie selbst zu viel zu geben haben. Ein stiller, bedächtiger Künstler. Einer, dem das Beste seines Schaffens freilich nicht intuitiv erwächst, der den Formen nachsinnt, bis ihm der geistige Ausdruck eines Werkes ersteht. Er ist Bildhauer. Unsere Phantasie sieht etwa wuchtige Monumente, ragende Denkmäler, cyklopische Figuren. Aber, siehe da, es sind nur Portraits. Büsten, deren scheinbare Einfachheit zum Nachdenken anregt, Werke, die mehr geben wollen als der „Auftrag" erfordert. Nicht immer gelingt einem Künstler dieses Wollen, dieses unbewusste Bestreben] naiv zu sein und auf den Ruin aller Kunst — auf das Ornament — zu verzichten. Wo es Arnold Monat gelang, da hat er Gutes und Vortreffliches gegeben, Manches sogar, das ihn einer eingehenderen Betrachtung, als ich sie ihm zuteil werden lassen Arnold Monat. kann, ernstlich empfiehlt. Seine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.