Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- Die Gründung eines Landes-Comités der A. I. U. in Deutschland
- Date
- 1912-02-01
- Page
- Seite 173 - 174 (sequence 2)
- Language
- German
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173 Mitteilungen der Ailiance Israelite Universelle. 174 Die heutige Versammlung beschliesst die Begründung eines Landes-Comites behufs Zusammenfassung der in Deutschland bestehenden Local-Comites. Sie bestellt eine Kommission von 15 Mitgliedern, von denen 8.aus Nord-r 7 aus Süddeutschland gewählt werden, die beauftragt werden, die Satzung dieses Landes-Comites nach Massgabe des Artikel 18 der Satzungen der A. I. U. vorzubereiten. Mit Ausnahme des Local-Comites Nürnberg, welches gegen diesen Beschluss gestimmt hat, haben bisher folgende 00 Local-Comites teils schriftlich, teils mündlich ihre Zustimmung zur Gründung eines Landes-Comites gegeben: Aachen Danzig Gera-R. Lissa Ratibor Barmen Dortmund Görlitz Magdeburg Schneidemühl Berlin Dresden Graudenz Mainz Schönlanke Beuthen Duisburg Guben Mühlheim-R. Schrimm Bleicherode Dülmen Halle München Schweinfurt Bochold Eisenach Hildesheim M.-Gladbach Schwerin Bochum Essen Kattowitz Myslowitz Stettin Braunschweig Filehne Königsberg Oettingen Tarnowitz Breslau Forbach Königshütte Osterode Thorn Castrop Freiburg Kottbus Pinne Wesel Cöln Gelnhausen Lauenburg Potsdam Wreschen Crefeld Gelsenkirchen Leipzig Prenzlau Würzburg Nachdruck mit QuclltniiuiLrubc gestattet. DIE ANGLO-JEWISH ASSOCIATION IN CONNECTION WITH THE ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE. Die Anglo-Jewish Association konnte in diesem Jahr auf eine vierzigjährige erfolgreiche Wirksamkeit zurückblicken. Um unsern Mitgliedern einen Einblick n die Tätigkeit unserer Schwesterorganisation zu gewähren, geben wir nachstehend einen Auszug der Einleitung des vor kurzer Zeit erschienenen vierzigsten I ahresberichts: Das Jahr, in dem dieser Bericht herausgegeben vird, bedeutet den Ablauf von vierzig Jahren seit der Begründung und dem Bestehen der Anglo-Jcwish Association. Aus diesem Grunde hält der Vorstand s für angezeigt, einen Ueberblick über die Lage der ■'uden in jenen Ländern zu geben, in denen der Verein eine Tätigkeit entfaltet und einen Vergleich zu ziehen wischen dein. Stand der Dinge im Jahre 1871 und in mseren Tagen. Daraus ergibt sich zugleich ein deutsches Bild von den Leistungen der Association während lieses vierzigjährigen Zeitraums. Schon vor dem Jahre 1871 waren von dem verdorbenen Dr. A. Behnisch und dem verstorbenen labbiner A. Löwy. der Versuch gemacht worden, n unserem Lande eine Vereinigung nach den Grundinien der Ailiance Israelite Universelle zu begründen. )iese Versuche blieben zuerst ohne Erfolg; als aber während des deutsch-französischen Krieges die Ailiance israelite durch den Austritt von deutschen Mitgliedern grosse Verluste erlitten hatte, wurde die Sachlage günstiger. Die Bemühungen zur Bildung eines Binde- Liedes zwischen den Juden in Grossbritannien und ihren Glaubensgenossen in Frankreich und in anderen Ländern wurden erneuert und hatten jetzt grösseren Erfolg, denn im Jahre 1871 wurde die Anglo-Jewish Association als ein Schwester-Institut, aber vollständig unabhängig von der Ailiance Israelite Universelle hegn"indet. Zu jener Zeit befanden sich die Juden im östlichen Europa und in den orientalischen Ländern in sehr trauriger Lage, aber seitdem ist mit Ausnahme von Bussland und Rumänien ihre Stellung in diesen Ländern bedeutend besser geworden. In den ersten Jahren ihres Bestehens erhielt die Verwaltung der Association in jeder Woche Briefe und Telegramme von jüdischen Cxcmeinden in den Balkanstaaton, Arabien, Persien, Marokko, Tripolis oder Tunis, die um Hilfe gegen offizielle und unoffizielle Verfolgungen und Angriffe baten, denen sie ausgesetzt waren. Der unermüdlichen Aufmerksamkeit der beiden grossen Organisationen ist es zum gross ton Teil zu danken, dass — ausgenommen an den beiden kranken Stellen Europas — jene Aera der Unterdrückung tatsächlich aufgehört hat, wenn auch gelegentlich noch in Marokko und Persien Fälle von Judenverfolgungen vorkommen, die in der Unzulänglichkeit der Landcsbehördeo ihren Lirsprung haben. Zur Besserung der Lage unserer Glaubensgenossen hat auch von wesentlichem Einfluss das wohlwollende Interesse der britischen Regierung beigetragen, das ohne alle Parteirücksicht immer .bewiesen wurde, sobald ihr Beschwerden von Seiten der Anglo-Jewish Association zugingen. Bis zum Jahre 1878 hat diese Vereinigung allein die betreffenden Vorstellungen bei der Regierung vorgebracht, von da ab ist sie in Gemeinschaft mit demVorstand der jüdischen Gemeinde durch das zu diesem Zweck gebildete „Vereinigte A uslands-Comite'' vorgegangen. Während Rumänien andauernd die im Berliner Vertrag eingegangenen feierlichen Verpflichtungen verletzt hat und noch verletzt, hat Serbien, das durch denselben Vertrag seine politische Unabhängigkeit erlangte, sofort seiner kleinen jüdischen Einwohnerschaft vollständige bürgerliche und politische Gleich-