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Ost und West · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. Seite 131 - 132

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Article
Aus dem Nachlass von Samuel Hirszenberg
Date
1912-02-01
Page
Seite 131 - 132 (sequence 2)
Language
German
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131 Erich Karl Borck: Aus dein Nachlass von Samuel Hirszenberg. seines Blutes, seiner Abstammung, seiner tief eingewurzelten Traurigkeit. Aber nicht nur das Reinjüdische war ihm Vorbedingung zu einer erfolgreichen Darstellung. Man sehe sich sein Porträt der Dichterin M—me H. an („Ost und West" IV/10), wie er mit Photographentreue ein Gesicht wiedergehen kann, so dass einem der Mensch ahnungsweise bekannt wird. Von den neueren Bildern nun, die wir aus dem Nachlass veröffentlichen, sind nicht alle jüdischen Stoffes. Hirszenberg hatte sein letztes Lebensjahr im Heiligen Lande verbracht, das, wenn es nur einem wirklich ein Heiliges Land war, ihm eines sein musste. Die Sehnsucht seiner Jugend erfüllte sich, wenn er dort in ungeheuer vergrößertem Massstab eine Ghettostadt antraf. Nicht nur, dass er dort so viel Jüdisches fand, dass er dort einer Schule für jüdisches Kunsthandwerk — der Schule Bezalel — seine Kräfte widmen konnte (war er doch erst 'j2 Jahre alt, als er dahin kam), vor allem sah er die Stätten, die ihm, einem Juden, soviel bedeuteten, und das arabische Lehen, das dem jüdischen in so vielem gleicht. Sagt man doch, dass der Brunnen einer Stadt noch genau so gebaut ist wie der, an dem Jakob die Männer von Mar an nach Laban fragte Es ist daher gar nicht erstaunlich, ja es ist fast selbstverständlich, dass Hirszenberg so viele arabische Bilder und Skizzen hinterlassen hat. Manche dieser Ära bei* sehen wie Juden aus, noch Judentypen an der Klagemauer. (Oelskizze,) {Aus dem Nachlass des Malers Hirszenberg.) öfter aber manche dieser alten Juden wie Araber. Nur einige haben einen ausgesprochenen Typ, wie der grosse stämmige Bursche, der die Hand an die Brust hält. Solche wulstige Lippen, tief dunkle, südliche Augen und so eine gerade, kräftige, kriegerische Haltung weisen deutlich auf den gefährlichen Sohn der Wüste hin. der jetzt den Italienern so viel Arbeit zu machen weiss. Sehr schön, ja eines seiner schönsten Porträts scheint uns die junge Araberin zu sein. In lang herabfliessenden Gewändern verbirgt sich ein überaus edler schlanker Körper. Aber das schöne Antlitz mit dem weit vom hohen Halse abstehenden Kinn zeigt uns eine edle, gemessene Traurigkeit, und die war es wohl, die Hirszenberg, diesen edlen, traurigen Juden, am meisten angezogen haben wird. Nicht viele so edle..Figuren sind ihm gelungen. Hier ist alle wirklichkeitstreue Richtigkeit ausgeschaltet und dieses Bild hat die höhere Wahrheit der Kunst. Nur die untere Hälfte scheint mir weniger gelungen und wieder mehr photographiert, mit dem Pinsel photographiert, abgemalt. Sehen wir noch kurz die jüdischen Typen durch. Hirszenberg hatte einen guten Blick für malerische Gestalten. Ihm wird es daher zu verdanken sein, wenn für alle Zeiten diese Typen nun aufgehoben, wie in einem Archiv verschlossensind. Denn wahrscheinlich sterben sie ans und in hundert Jahren wird der alte Jude doch anders aussehen, als heute oder als er vor hundert Jahren

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