Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1912)
- Article
- Alte Zypressen auf dem Tempelplatz in Jerusalem [Illustration]
- Date
- 1912-02-01
- Page
- Seite 129 - 130 (sequence 1)
- Language
- German
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129 130 Alte Zypressen auf dem Tempelplatz in Jerusalem« (Oelgemälde) (Aus dem Xachlass des Malers Hirszenberg.) AUS DEM NACHLASS VON SAMUEL HIRSZENBERG. Von Erich Karl Borck. Nachdruck verboten. Samuel Hirszenberg braucht den Lesern von „Ost und West"' nicht weiter vorgestellt zu werden. Sein Name ist noch heute, drei Jahre nach seinem Tode, in den weitesten Kreisen des jüdischen Volkes bekannt, Abbildungen seiner jüdischen Typen hängen in vielen hundert Zimmern, bei armen Leuten wie bei reichen, und über seine Kunst ist hier schon einige Male geschrieben worden. Es kann uns daher heute nicht schwer fallen, das Interesse auf Abbildungen einiger seiner nachgelassenen Werke zu lenken. Samuel Hirszenberg war nicht allein Maler des Judentums. Aber man kann ruhig sagen, dass er vorwiegend in der Beschränkung auf einen Stoff, dem jüdischen am meisten abgewonnen hat. Erinnern wir kurz an die schon hier (11/10 und IV/10) veröffentlichten Bilder. Man sah sein berühmt gewordenes Erstlingsbild „Jeschubah", Tempelszenen, Juden, die schlicht vor sich hinblickend, gehend, gemalt wurden; andere, die in Gruppen zusammen standen und durch einen genreartigen Gedanken wie „Ein Stückchen Politik" für das Bild wie durch einen Vorwand zusammen - und zurückgehalten wurden. Aber Hirszenbergs Absicht war keineswegs zu erzählen oder anekdotisch zu unterhalten, es war ihm auch da darum zu tun, gewisse Typen festzuhalten und jenes Seelische herauszuarbeiten, das er seiner Heimat, dem polnischen Ghetto, und dem Kauschen seines eigenen, erzjüdischen Blutes abgelauscht hatte. Befremdender erscheint er uns schon in dem Bilde „Jüdischer Friedhof''. Die grosse verzweifelte Geste der irr herumjagenden Frauen stand ihm nicht gut an, der er reine Melancholie und verwitterte, leidende Züge am besten empfinden und darstellen konnte. Noch ferner seinem eigentlichen Ziel und Talente erscheint er uns in dekorativen Panneaus, in denen er von Ludwig von Hofmann und vielleicht auch von Fritz Erler gelernt zu haben scheint. Ganz erkennen wir ihn in seinen Landschaften wieder. Es sind Abendbilder, Herbststimmungen, dunkle Wasser, in denen sich das Gebüsch des Ufers verdunkelt spiegelt, beleuchtet durch helle Wolken, die aus dunkleren hervorbrechend von der weissen verborgenen Mondscheibe beleuchtet werden. Auch die W7iesen haben bei ihm einen merkwürdigen düsteren Charakter, der eben ihm eigen war, Zeichen