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Ost und West · 1912-02-01 · Heft 2 (Februar 1912) · p. Seite 127 - 128

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 2 (Februar 1912)
Article
Illustrationen zu Russlands Judenpolitik in den letzten Monaten
Date
1912-02-01
Page
Seite 127 - 128 (sequence 2)
Language
German
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127 Illustrationen zu Russlands Judenpolitik in den letzten Monaten. 128 Der Kiewer Gouverneur zog die Medizinal-Verwaltung zur Rechenschaft, weil sie Apotheker-Konzessionen an Juden verleiht. Er bezog sich auf ein Zirkular des Ministers des Innern, das dies verbietet. * * * Der Kiewer General-Gouverneur Hess die Häuserbau-Genossenschaft wissen, dass er ihre Statuten nur dann bestätigen werde, wenn die jüdischen Gründer ausgesch lossen würden. * * * Der Kursker Advokaturgehilfe Lechnowitzer taufte sich, um die Erlaubnis zu erhalten, Prozesse zu führen. Diese Erlaubnis wurde anfangs erteilt, dann aber über Einspruch des Prokurors, der auf den unmoralischen Zweck der Taufe hinwies, wieder zurückgenommen. * * * Der Petersburger General-Gouverneur verlangte von den zugereisten jüdischen Kaufleuten, dass sie nachweisen, in den letzten sechs Monaten in keinem andern Orte ausserhalb des Ansiedlungsrayons Handel getrieben zu haben. Trotzdem nun der Senat dieses unerfüllbare Verlangen über Rekurs für unberechtigt erklärt hat, gibt der Gouverneur nicht nach, sondern zwingt jeden neuen Bewerber ausdrücklich, den Rekursweg zu betreten. * * * Bisher konnten Juden, denen die Kiewer Polizei das Wohnrecht streitig macht, doch so lange in der Stadt bleiben, bis die höheren Instanzen entschieden hatten. Nunmehr hat die Kiewer Gouvernements- Verwaltung ,,erklärt'dass die Polizei das Recht habe, solche Juden sofort auszuweisen. * * * Dem Juden Schneier in Nowo Sapiewrska droht gerichtliehe Vermögens-Konfiskation, weil er ohne Wohnrecht in der genannten Stadt gewohnt hat. Den von ihm angebotenen Zeugenbeweis über langjährigen Aufenthalt lehnte das Gericht ab. * * * Der Minister des Innern M a k a r o w erliess eine Verordnung, wonach für jüdische Kaufleute und deren Reisende, die sich Geschäfte halber ausserhalb des Ansiedlungsrayons aufhalten, eigene Kontroll -„Büchel" eingeführt werden sollen. * * * Der Kurator des Moskauer Bildungsrayons erklärte, dass er Juden nicht als Mitglieder von Eltern- Komitees bestätigt habe, weil man die Aufsicht über christliche Kinder nicht Juden, die ihnen Hass gegen das Christentum einpflanzen wollen, anvertrauen könne. * * * Der Direktor der Jekaterinoslawer Handelsschule gestattete dem Eltern-Komitee der Schüler nicht, eine Sitzung zu veranstalten, da der Vorsitzende des Komitees ein Jude sei. In Kiew wurden wieder zwei Rädelsführer bei Pogromen des Jahres 1905, Tschapligin und Podgvrski, trotz Geständnisses und Zeugenaussagen, vom Gerichte freigesprochen. * * * Das Kiewer Gericht hat das Gesuch des wegen Ermordung des Knaben Juszczynski in Untersuchungshaft befindlichen greisen Juden Beilis um Freilassung gegen Kaution abgelehnt. Dagegen hat der Justizm inister Schtschegl o w i t o w verfügt, dass Beilis streng zu bewachen sei, damit er mit niemandem in Verbindung treten könne. Eine geheime Prokurorensitzung, die unter Zuziehung reaktionärer Advokaten tagte, hat bereits festgestellt, dass auf Grund des vorliegenden Materials gegen Beilis kein Prozess geführt werden könne. Aber der Untersuchungsrichter Fenenko will von der Kiewer Stadtduma wissen, wieviel „chassidische" und wieviel „misnagdische" Synagogen in Kiew sind, und welche Rabbiner und Schächter an den einzelnen Bethäusern fungieren. . . . * * * Der Gouverneur von Tambow hat den dortigen Handelsklub, den Klub der Handelsangestellten, sowrie den Klub des Pferdesportvereins gezwungen, die jüdischen Mitglieder auszuschliessen. * * * Der neue Stadthauptmann von Odessa, Sosnowski, der an Stelle des entlassenen Tolmatschew getreten ist und mit einer milderen Praxis gegenüber den Juden debütierte, hat nun den Empfang einer jüdischen Deputation, die mit ihm einige Gemeindeangelegenheiten besprechen wollte, abgelehnt. * * * Die Wilnaer Gouvernements-Verwaltung verbot die Aufführung eines Gordinschen Stückes im russischen Theater, weil es nicht passe, an christlichen Feiertagen jüdische Stücke zu spielen. * ' * * Der Jude Ignatowski in Makarow bat den eben vorbeifahrenden Semstwoarzt, seiner Frau, die infolge einer zufälligen Verletzung stark blutete, ärztliche Hilfe zu leisten. Der Arzt meinte, er sei als Semstwoarzt nicht verpflichtet, Juden Hilfe zu leisten. Bis ein anderer Arzt ankam, war die Frau an Verblutung gestorben. * * * In Hornel wollte eine Gruppe Beamter einen Juden nicht im Bahnrestaurant dulden. Der Jude protestierte und wandte sich an den anwesenden Gendarmen. Dieser liess ihn einfach hinauswerfen. * * * Ein Bauer im Dorfe Pridrowci in Bessarabien wurde zu Arrest verurteilt, weil er einen Geistlichen verprügelt hatte. In seinem Einspruch erzählte der Bauer, er kenne den Geistlichen gar nicht. Er habe ihn für einen Juden gehalten und deshalb „ein bisschen verhauen", weil er glaubte, dies straffrei tun zu dürfen.

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