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Ost und West · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 75 - 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Jüdische Hochzeitsmelodien [Musikdruck]
Date
1912-01-01
Page
Seite 75 - 76 (sequence 3)
Language
German
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75 Jüdische Hochzcitsmelodion: 2. Das Hesingen der Braut. 76 THEATER. Man hört soviel vom Einfluss der Juden auf das TJieater reden. 33an behauptet, sie hätten nicht nur die Presse in Händen, sie wären zugleich Direktoren, Dichter, Schauspieler und Kritiker und bildeten vor allem den grössten Teil jene* Premierenpublikums, das in Herlin über die Schicksale von Dramen und damit über den sichtbarsten Bestand der Literatur für einen längeren Zeitraum souverän entscheidet. Diese Sätze, die einen Vorwurf enthalten sollen, enthalten allerdings Wahres. Nur ist es kein Vorwurf. Reinhardt, Brahm, Barnowsky, Meinhardt und Bernauer sind Juden. Die besseren, literarischen wie die schlechteren journalistischen Kritiker sind Juden. Unter den Schauspielern sind die Mehrzahl wahrscheinlich nichtjüdisch; und die angesehensten Schauspieler Berlins: Bassermann, Sauer, Moissi, Wegener, die Lehmann, Eysoldt, Lossen, Wangel, Höflich sind keine Juden. Verschieden ist natürlich jedes Jahr der Prozentsatz der aufgeführten jüdischen Autoren und im Allgemeinen lässt sich wohl behaupten, dass der jüdische Einschlag hier nicht grösser ist als in anderen Berufen und das:; allein die Relativität den Eindruck einer jüdischen Vorherrschaft aufkommen .lässt. Aber wie dem auch sei, — in jenem Vorwurf ist ja der schwerere und eigentliche bersteckt, dass die Juden zusammenhalten und hier beginnt der Fanatismus Stumpfsinn zu werden. Als ob je ein jüdischer Dichter, ein jüdischer Schauspieler von einem jüdischen Kritiker gelobt .werden würde, weil der; Jude den Juden nicht tadeln will! Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Eine andere Rolle spielt das Judentum in stofflicher Beziehung. Juden treten in ganz bestimmten Färbungen in gewissen Schauspielen gesellschaftlichen Charakters auf: die besondere Art des Juden in einzelnen Berufen wird oft ganz dramatisch verwendet, doch scheinen bisher alle Versuche dieser Art, gegen die sich nichts sagen lässt, solange sie rein künstlerisch sind, noch keinen Erfolg gezeitigt zu haben. Der Jude, wie er in Stücken von Bernstein auftritt, ist ganz konventionell wiedergegeben,, naturalistisch grob, grotesk verzerrt oder karikaturistisch aufgetrieben, in den meisten Fällen billig realistisch. Aber es ist blutiger Dilettantismus, einen Menschen so zu gestalten, wie ihn alle sehen. Der Künstler muss auch den Juden so darstellen, wie nur er ihn sieht, aber er muss ihn so sehen, dass ihn alle dann als Typus wiedererkennen. Doch bis dahin hat es noch lange Weile. Eine Zahl Menschen, die kaum seit 50 Jahren bürgerliche Gleichberechtigung auch nur auf dem Papiere besitzen, können noch keinen künstlerisch verwertbaren Typ hervorgebracht haben. So schnell arbeitet die Natur nicht — und würde sie auch mit Maschinen bedient. Unter aller Diskussion steht natürlich der Jude als Pos jenfigur. Auch hier könnte ein Künstler verwertbares Material finden. Jede Nation hat ihre komischen Seiten und es wäre fürs erste nicht einzusehen, warum der Deutsche die Komik aller Nationen und Menschen nur die besondere des Juden nicht darstellen sollte. Warum soll es ihm hier verwehrt sein, ridendo verum dicere? Und doch glaube ich,

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