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Ost und West · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 37 - 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Ein Sommerabend [Illustration]
Date
1912-01-01
Page
Seite 37 - 38 (sequence 1)
Language
German
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37 38 DIE LIEBE PROVINZ. Von Sch. Gorelik. II. Gebrochene Herzen. Wenn ich draussen bin in der weiten Welt und es Herbst wird, da pflegt mich besonders starke Sehnsucht nach der Provinz, zu ergreifen — nach meiner Heben Provinz. Erinnerungen ziehen mich hin, Erinnerungen an viel Gutes und Rührendes. Mitten in den weiten, fremden Gefilden ist das jüdische Städtchen eingebettet, und sieht jetzt im Herbst so verwaist aus, wie der Monat EHttl selbst. Die Männer gehen sorgenvoll umher und die Mädchen erinnern sich, dass sie älter werden. Wer wird in diesen versteckten, vergessenen Winkel kommen? Mit dem Sommer ist alles vorbei, Lieder und Hoffnungen. Sie setzen sich hin und schreiben so kluge, stille, traurige Briefe an ihre Bekannten. Die Lehrerin Dora Nechamkes aber, die zuweilen so lustig lachen kann, trotz ihrer 28 Jahre und der ersten grauen Haare, versinkt in Nachdruck verboten. tiefste, hoffnungsloseste Melancholie. Ich weiss voraus, dass ich sie in ihren Kaschmirschal eingehüllt treffen werde, vor ihr auf dem Tisch verschütteter Zigarettentabak und zerrissene Hülsen. Und hustend: denn sie will dem Arzt nicht gehorchen, der ihr das Rauchen verbot. „Sie geben aber gar nicht auf sich acht, Dora/' werde ich zu bemerken wagen. Darauf wird sie unnatürlich und etwas unangenehm auflachen und sich noch mehr in den Schal einhüllen. Ich weiss nicht, warum ich es tat, warum ich ihren letzten Brief vornahm, als meine Sachen schon gepackt waren, und ihn noch einmal durchlas, — diesen Brief, der nach verwelkten Blumen roch. . . . „Sie fragen, wie es mir geht. Sie wissen ja. mich könnten auch die schönsten Gaben des Schicksals

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