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Ost und West · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 25 - 26

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Achtung auf die Polen!
Date
1912-01-01
Page
Seite 25 - 26 (sequence 2)
Language
German
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25 Revue der Ereignisse. 26 soll man erst zu den sogenannten polnischen Pn »gressisten sagen, die sieh hinter dem Zwange der russischen Regierung verstecken, um damit ihren Verrat an der Freiheit zu bemänteln V Man könne doch nicht durch Ablehnung des Judenpunkts die ganze polnische Städte-Autonomie gefährden. . . Als ob sie nicht wüssten, dass das Gesetz samt dem Judenparagraphen auch ohne sie durchgeht, wenn nur die Regierung den Paragraphen unbedingt will. . . . Und solche Leute haben noch den Mut, die Juden zu beschimpfen, weil sie die „Zwangslage" der Polen nicht einsehen wollen. Andererseits hätten es die Juden früher in der Hand gehabt, das ganze Gesetz der polnischen Städte- Autonomie zu Falle zu bringen, wenn sie ihre liberalen Freunde in der Duma in diesem Sinne beeinflusst hätten. Da die russisch-nationalistischen Kreise samt der Regierung aus begreiflichen Gründen für die Sache ohnehin nicht sehr warm waren, wäre dies leicht möglich gewesen. Doch man wollte sich dazu nicht entschliessen. Man wollte, prinzipientreu, fremder Entwicklung nicht entgegentreten. Und auch dafür bekam man den polnischen Dank. Die Juden in Russland werden sich nun aber wohl contre coeur gewöhnen müssen, gegen die Polen etwas realere und klügere Politik zu treiben, als bisher. Es scheint, dass man gegen diese Leute mit weichen, aber krallenbergenden Katzenpfoten mit Rücksichten und derglei?hen Empfindungen nicht aufkommt. * * * Die nordaniirikanische Union wegen ,.yier Prozent" ihrer Einwohner. Der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des amerikanischen Repräsentantenhauses hat die Resolution Sulzer, die die sofortige Aufhebung des 1832 zwischen Russland und den Vereinigten Staaten geschlossenen Vertrages empfiehlt, einstimmig angenommen. Denselben Beschluss hat das Plenum mit 300 gegen 1 Stimme gefasst. Der Präsident Taft hat aus diplomatischen Erwägungen heraus ein verkürztes, aber grössere Höflichkeit ermöglichendes Verfahren eingeschlagen und den Vertrag zum 1. Januar 1913 gekündigt. Der Senat hat dieses Verfahren einstimmig gebilligt. Ganz selbstverständlicherweise ist die russische Presse sehr nervös geworden. Namentlich die Regierungsblätter bringen grosse Leitartikel und bieten alle ihre Künste auf, um den klaren Wortlaut des Vertrages, der allen amerikanischen Bürgern ohne Unterschied des Glaubens und des Stammes freien Aufenthalt in ganz Russland gewährleistet, zu verdrehen, und die Vereinigten Staaten einzuschüchtern. Es wird auch versucht, das christliche Amerika gegen die amerikanischen Juden aufzuhetzen. Die „Rossija" z. B. fragt, ob es sich für Amerika lohne, wegen seiner 4 % Juden mit Russland zu brechen. Das würdige Blatt scheint offenbar zu glauben, dass die „Prozentnorm" in Amerika ebenso oberstes Staatsgrundgesetz ist, wie in Russland. Bedenklicher als das Treiben der russischen Presse ist die Wühlarbeit jener russischen Agenten, die die fremde öffentliche Meinung zu bearbeiten trachten. Zu diesen müssen wir auch den amerikanischen Generalkonsul von Moskau rechnen, der sich nicht scheute, den Korrespondenten der Moskauer Blätter zu erklären, dass der Beschluss auf Aufhebung des russisch-amerikanischen Handelsvertrages niemals zur Ausführung gelangen werde. Der Beschluss selbst sei nichts Anderes als ein Vorwahl-Manöver. Seihst wenn es so wäre, — und es ist ja auch möglich, dass sich nebenbei einige Politiciens an der Passfrage ihr Süppchen kochen — ein amerikanisch e r Generalkonsul hätte das den russischen Journalisten niemals sagen dürfen..... Natürlich haben sich auch die ,,Times"'' eingestellt, — dieses russische Vorpostenblatt in England, auf dessen gefährliche Tätigkeit wir schon aufmerksam machten. Sie lassen sich in fast jeder Nummer von ihrem Korrespondenten in Petersburg in zweckdienlicher Weise informieren. Wir erfahren da, dass es ein grosses Unglück für die hundert Millionen unkultivierter Bauern wäre, wenn die sieben Millionen russischer Juden im ganzen Lande wohnen dürften; dass die russische Regierung selbst am meisten unter den Begrenzungen der Juden leide, weil sie dafür die Rache der jüdischen Finanzmänner auf dem Geldmarkt zu tragen habe; und dass sie ja nicht fremden Juden mehr Rechte einräumen könne, als den heimischen. Amerika werde sich übrigens hüten, den russischen Markt zu verlieren. Es könnte höchstens in bezug auf russische Staatsbürger Reziprozität üben, und da diese meistens Juden seien, hätten nur die Juden den Schaden davon. Es ist ja anzuerkennen: Der Mann gibt sich redlich Mühe, um die bestellte Arbeit gut zu leisten; ganz so, wie der Herr Generalkonsul, von dem wir sprachen. Nützen wird's ihm aber kaum. Soweit ist die amerikanische Passbewegung jedenfalls schon, dass sie nicht ohne Erfolg verlaufen wird. Und nun stellt sich ihr auch noch neuestens eine analoge Bewegung in England zur Seite. Hoffentlich folgt auch eine deutsche. Die russische Regierung wird mit der Zeit, so schwer es ihr ankommen mag, denn doch etwas zugänglicher werden müssen. . . . * * * Herr Sasonow — der Diplomat. Den russischen Herren da oben gibt die amerikanische Passfrage doch mehr zu schaffen, als sie ausdrücklich eingestehen wollen. Beweis dafür, dass sie an allen Glockensträngen ziehen. Nun will uns gar Herr Sasonow, der Minister des Acusseren, beweisen, dass die amerikanischen Juden eigentlich keinen Grund zur Klage haben. Er lässt sich von der „Nowoje YVremja" interviewen und äussert hierbei wörtlich folgendes: „Die Frage der Pässe der amerikanischen Juden betrifft das Ministerium des Auswärtigen nicht direkt. Allein mir ist bekannt, dass weder das Ministerium des Innern, noch die Konsuln amerikanischen Geschäftsleuten jüdischer Konfession, die in Handels- und Firjur Angelegenheiten nach Russland kommen, irgend welche Hindernisse beim Besuch Russlands in den Weg legen. Aber nicht um sie handelt es sich. Während der inneren Wirren Russlands sind viele Juden revolutionärer, sozialistischer und anarchistische!' Richtungaus Russlandnach den vereinigten

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