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Ost und West · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Date
1912-01-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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OSlsjWfe STT ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM, Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 1. Januar 1912. XII. Jahrg. An unsere Leser! Titel und Register zum vorigen Jahrgang sind vorliegendem Hefte beigegeben, mit dem der zwölfte Jahrgang unserer Zeitung beginnt. Soweit nichts Gegenteiliges mitgeteilt wird, werden zvir das Abonnement der seitherigen Abonnenten als verlängert betrachten. Verlag und Redaktion von „OST und WEST". Jatyresrückfctyau. IlacfyörucU verboten. Aud) das Jal)r 1911 war nid)t von den guten. Wir wollen es ohne Wehklagen feftftellen. Wiffen wir dod), dafo es nid)t anders fein konnte. Unfer Volk l)at den reichen Vorrat feiner Ceiden nod) nxdyi erfd)öpft, wirb ihn vielleicht niemals gan3 erfd)öpfen. Im beften Salle werben wir nod) lange 3U kämpfen l)aben, ehe unfer Sd)ickfal erleichtert ift. Aber wir kämpfen bod) aud) nid)t blofe dafür, dafc man uns in Ruhe laffe. Da3U brauchten wir bod) ben Umweg bes Kampfes gar nid)t. ^api* tulation würbe uns fd)neller 3um 3iele führen. 6s gel)t uns ja im Grunde um mehr, um weit mehr. Wir füllen, dafc unfere Art bleiben mufc, eine ge* heime Stimme in uns verlangt, bafc unfer Geift weiter lebe, unb weitere 3eugniffe feines Seins unb Wefens ablege. Unb in F5infid)t gerabe auf biefes Gefühl, auf biefe innere Stimme war biefes Jahr bod) beffer als feine Vorgänger. Denn bie Spuren unferer Selbftbejat)ungwaren bod) deutlicher. (Dan konnte ein Anfd)wel!en ber jübijd)en Selbft* al)nung, bes jübifd)en Adelstro^es, bie Sel)nfuci)t nad) ben eigenen Seelentiefen feftftellen. In ber erften ßälfle bes Jahres war es namentlid) GaIi3ien, bas bie jübifd)e Welt immer wieber 3ur Aufmerkfamkeit 3wang. (Dan ift von ber bortigen polnifd)en Wirtfd)aft fo 3iemlid) viel gewöhnt, aber was fie fid) in biefem Jat)re leiftete, überftieg aud) bie gefafcteften Crwartungen. Die Beftrafung taufenber Juden, Yxe ^en Volks3äl)lungs3ettel nid)t mit ber von ben Polen verlangten Cüge ausfüllen wollten, bilbete bas Prälubium. Dann kam bie €nquete über ben Dotftand ber gali3ifd)en Juden, eine Romödie im Palafte bes gali3ifd)en Candtages unb unter bem Vorfi^e bes Candmarfd)alls Grafen Babeni, burd) bie man fid) ben flnfcfyein warmer Anteilnahme an ben Juben geben wollte. Allerdings vergeblid). Denn bie furchtbare €lenbfd)au, bie da geboten würbe, war 3ugleid) eine fd)were Anklage gegen bie polnifd)e Canbesregierung. (Dan fah fie in ihrer Stiefmutterfd)aft gegenüber den jübifd)en Cufte)riften3en, F5anbwerkern, ßaufleuten unb Intellektuellen, — wie fie bie jübifche Bevölkerung ohne Unterlaß d)ikaniert unb brangfaliert. Unb ba3U wagte fie ben Trick in berfelben 3eit, in ber fie die Schaffung des ftaatlid)en Branntweinmonopols für Ga^ien nid)t etwa 3ur Cinbämmung ber Branntweinpeft, fondern 3um 6rfat3 der jübifd)en Sd)änker durd) d)riftlid)e Ron3effionäre, b. \). 3ur Brotlosmachung von 9000 jüdifd)en Samilien benüt$te. Von diefer ihrer Schande er3ät)lte dann aud) die denkwürdige Sahrt von 3000 gali3ifd)=jüdifd)en Sd)änkern nad) Wien (und ihr öffentlicher Auf3ug dafelbft), um das

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