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Ost und West · 1909-12-01 · Heft 12 (Dezember 1909) · p. Seite 769 - 770

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 12 (Dezember 1909)
Article
Schulerfolge in Bagdad
Date
1909-12-01
Page
Seite 769 - 770 (sequence 2)
Language
German
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769 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Schulerfolge in Bagdad. 770 höheren Schulen gleichgeachtet werden soll. Unsere Abiturienten haben nach Legalisierung ihres Abiturientenzeugnisses in der Direktion des öffentlichen Unterrichts Anspruch auf Zulassung zur Rechtsschule. Im laufenden Jahr hat einer unserer jungen Leute, Salah Gahtan, von diesem Privileg Gebrauch gemacht. Auf meinen Rat trat er auch mit den Kandidaten aus christlichen Schulen in Wettbewerb um den Posten eines Dragoman-Eleven im russischen Konsulat. Er musste im Französischen, Englischen und Türkischen eine Prüfung bestehen. Die erste war die wesentlichste. Salah Gahtan bestand sie mit Auszeichnung und weitaus am besten. Er wurde sofort mit einem Monatsgehalt von 115 Francs angestellt. Der russische Konsul hat mir später gesagt, dass er sehr mit ihm zufrieden sei, und dass Gahtan nach wenigen Jahren ordentlicher Dragoman mit 300 Francs Monatsgehalt sein werde. Der zweite Dragoman im englischen Generalkonsulat, der im deutschen und der im französischen Konsulat sind gleichfalls ehemalige Allianceschüler. Wir haben deren in der Tabaksregie und in der Bank, wo sie sich ganz besonders hervortun. Einer von ihnen, Herr Murad, ist zum Direktor der Ottomanischen Bank in Mossul vorgerückt, wo er Herrn Sidi sehr nützlich sein kann. Der Subdirektor der Bank in Bagdad, Herr Amon, war Zögling der Allianceschule in Konstantinopel. Das ist eine kleine Statistik, die deutlich für den Erfolg unserer Schulen und ihres Unterrichts spricht. Alb ala. | DIE LAGE IN S c h i r a s , den 11. August 1909. Die letzten vierzehn Tage haben in der allgemeinen Lage des Landes keine glückliche Wendung gebracht, Sie ist im Gegenteil schlechter geworden. Die Unordnung, Verwirrung, Anarchie, deren Schauplatz gegenwärtig das südliche Persien ist, scheint unfasslich. Fars macht den Eindruck eines von seinem Steuermann verlassenen, den entfesselten Elementen überlieferten Schiffes. Teheran kümmert sich nicht um unser Schicksal und lässt uns in den Händen der beiden rivalisierenden Stämme, der Kaschgais und der Araber. Diese beiden mächtigen Parteien halten sich für die unbeschränkten Herren der Provinz. Jeder von Teheran aus ernannte Gouverneur, der das Glück hat, die Gunst des einen Stammes zu gewinnen, erregt naturgemäss das Missfallen des anderen Stammes. Weil es den Brüdern Kawam, den Oberhäuptern der Araber, nicht zugesagt hat, wurde Sales-Sultan beseitigt und durch Alas-ed-Dowlet ersetzt. Sofort drohte Saulat-ed-Dowlet, das Oberhaupt der Kaschgais, Schiras zu überfallen, wenn es dem neuen Gouverneur beikommen sollte, sich hier zu zeigen. Teheran, das sich nicht immer in die Forderungen der aufrührerischen Stämme schicken will, hält die Ernennung Alas-ed-Dowlets aufrecht. Nun führt Saulat seine Drohungen aus. ' Trotz der Bemühungen und Vorhaltungen der Konsuln Englands und Russlands, die ihm die Ungesetzlichkeit seines Vorgehens darlegen, lagert er mit unzähligen Kaschgais rings um Schiras. Teheran, hiervon unterrichtet, weiss nicht mehr, was es tun soll. Der Minister des Innern hat vor fünf Tagen telegraphiert, dass Alas-ed-Dowlet selbst seine Entlassung angeboten, und dass die Regierung sie im Prinzip angenommen habe. Seitdem ist keine Nachricht wegen der Ernennung eines anderen Gouverneurs gekommen. Werden war überhaupt einen erhalten? Nach dem bisherigen Gang der Dinge darf man das bezweifeln. Denn es wird sehr schwer sein, einen Gouverneur zu finden, der allseitig gut aufgenommen wird. Je länger die Ankunft eines Gouverneurs sich verzögert, um so mehr UED - PERSIEN. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. reisst die Anarchie ein, in der wir leben, und um so schwieriger wird es sein, die Ordnung in der Provinz herzustellen, in der das öffentliche Leben überhaupt zum Stocken gekommen ist. Die Basare sind immer geschlossen. Die Mehrzahl der Kaufleute sind gegen Zahlung von 2—3 Francs gedungen, für oder wider diesen oder jenen Gouverneur Kundgebungen zu veranstalten. Natürlich sind es die Brüder Kawam und Saulat-ed-Dowlet, die die Kosten dieser geräuschvollen Demonstrationen tragen. Wir werden nach wie vor während der Nacht durch ununterbrochenes Gewehrfeuer eingewiegt. Am schlimmsten ist, dass bereits Blut zu fliessen angefangen hat. Die Banden der „Lutis", die der Abschaum der persischen Gesellschaft sind, nützen das Fehlen jeder Behörde, um durch ihre Taten Schrecken zu verbreiten. Unnötig zu sagen, dass das israelitische Viertel in erster Reihe der Zielpunkt ihrer Unternehmungen gewesen ist. Mit Revolvern und Dolchen bewaffnet, dringen sie ein, schlagen, wenn nötig, die Türen der jüdischen Häuser ein, und verlangen in einer Form, die keinen Widerspruch zulässt, Wein, Branntwein und Geld. Ein Haus wurde vollständig zerstört. Man kann sich denken, in welchen schrecklichen Aengsten unsere unglücklichen Glaubensgenossen leben, die Heil nur in meiner Intervention sehen. Aber an wen kann ich mich inmitten der allgemeinen Wirrnis mit Erfolg wenden? Ich habe an alle die geschrieben, die noch einigen Einfluss in der Stadt besitzen, an Nasr-ed- Dowlet, an Agi-Ali-Agha, den Chef der konstitutionellen Partei in Schiras, an den ImamDschuma. Alle haben mir geantwortet, dass sie ihr Möglichstes tun wollen, damit die Israeliten weniger belästigt werden. Ich habe mich auch mit dem Polizeichef ins Vernehmen gesetzt, der seit 5 Tagen etwa 20 Mann Wache gestellt hat, die für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Mehalla sorgen sollen. Dank diesen Massnahmen sind im Viertel während der letzten Tage weniger Ausschreitungen vorgekommen. Ist die Ruhe auch noch nicht vollständig hergestellt, so erfreut man sich doch vergleichsweiser Sicherheit.

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