Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Date
- 1909-12-01
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. lieft 12. Dezember 1909. IX. Jahrg. An unsere Abonnenten! Afiit vorliegendem Hefte schliesst der neunte Jahrgang unserer Zeitschrift. Soweit uns nichts- Gegenteiliges mitgeteilt wird, werden wir das Abonnement als verlängert betrachten. Wir bitten unsere Freunde, uns ihre Sympathien auch weiterhin zu bewahren und unserer Zeitschrift nach Kräften zu weiterer Verbreitung zu verhelfen. Verlag und Redaktion von „OST und WEST". DIE JUDEN IN DEN ÖSTMARKEN, Was haben sie dem Preussischen Staat und was hat er ihnen geleistet? Von Justizrat Wolff, Lissa.*) Nachdruck verboten. Die Augen der gesamten zivilisierten Welt sind : it Jahren auf die Ostmarken gerichtet. Der Kampf (r Nationalitäten, die Art der Waffen, die in diesem Kampf gebraucht werden, und die Erbitterung auf leiden Seiten lassen das Interesse, das die Kulturvolt den Vorgängen zuwendet, begreiflich erscheinen. ■Vann der Kampf sein Ende erreichen wird, lässt oh noch nicht absehen. Das eine aber ist zweifellos: (,ie Kriegskosten zahlen zunächst die Juden in den ('stmarken. Sie leiden in erster Reihe. Für die P o 1 e n snd sie ein erwünschtes Angriffsobjekt. Nicht so St-'hr deshalb, weil sie auf der deutschen Seite stehen. Auch nicht — wenigstens nicht ausschliesslich — ^egen ihres Religionsbekenntnisses. Sondern des- *) Vortrag vor dem Verbandstag der Deutschen uden am 24. Oktober in Breslau. halb, weil sie einen wirtschaftlichen Machtfaktor in den Ostmarken darstellen. Beide Teile gehen davon aus, dass die materielle Ueberlegenheit die Grundlage für die politische Macht bedeutet. . Deshalb wird der Kampf in erster Reihe auf wirtschaftlichem Gebiet ausgefochten, und hierfür wird gegenüber den Juden der offene und versteckte Antisemitismus als wirksames Hilfsmittel herangezogen. Für die Polen kommt hinzu, dass sich bei ihnen erst seit einigen Jahrzehnten der Stand der Gewerbetreibenden entwickelt hat, und dass sie bei ihrem Streben, Handel und Industrie in ihren Kreisen immer weiter auszudehnen und zu heben, gerade in den Juden zähe und geschickte Konkurrenten finden. Andererseits erfahren die Juden von deutscher Seite nicht die genügende Stärkung, ja sogar — bewusst und unbewusst — eine Schwächung ihrer Stellung.