Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Revue der Revuen
- Date
- 1909-11-01
- Page
- Seite 699 - 700 (sequence 2)
- Language
- German
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699 Kevue der Revuen. 700 Recherchen festgestellt wurde, ist Otto Lilienthal christlichen Glaubens gewesen. Das christliche Bekenntnis kann natürlich nichts an der Tendenz meines Aufsatzes ändern. )Die Tatsache, dass die Juden auch vor den gefahrvollsten Werken nicht zurückschrecken, brauchte nicht erst durch die Erwähnung des ersten deutschen Flugtechnikers belegt zu werden. Meine Berichtigung dient zugleich dem Zweck, der Meinung vorzubeugen, als wollten wir bewusst bedeutende Männer für das Juden* tum annektieren. Das wäre überflüssig; es gab und gibt genug Juden, die mit Einsetzung ihres Lebens der Allgemeinheit Unvergängliches schenkten/' Vom 26.—30. Dezember d. J. soll in Hamburg der IX. Zionistenkongress stattfinden. Das grosse Aktions- Komitee hat seine Sitzung kürzlich in Köln abgehalten, um das Kongressprogramm zu diskutieren, das nun vorliegt. Aus ihm ist ersichtlich, dass ernste Fragen zur Erörterung gelangen werden. * * * In Oesterreich steht die Judenschaft wieder einmal im Zeichen einer politischen Debatte. Für die neuen Wahlreformentwürfe wurde die Fixierung einerjüdischenKurie gefordert. Die Regierung widersetzt sich diesem Verlangen entschieden; sie verweist auf die Haltung eines grossen Teiles der jüdischen Bevölkerung, der sich gegen eine jüdische Kurie ausspricht. Die Regierung bot als Ersatz eine Erhöhung der jüdischen Minoritätsmandate an; immerhin ein Fortschritt. Dagegen wurde in den neuen österreichischen Ländern, Bosnien und der Herzogewina, die jüdische Kurie, neben der mohammedanischen, legalisiert. DER DRITTE VERBANDSTAG DER DEUTSCHEN JUDEN. Die dritte Hauptversammlung des Verbandes der deutschen?Juden hat am 17. Oktober in 'Breslau stattgefunden und sich den beiden früheren, in Berlin und Frankfurt a. M. abgehaltenen Tagungen ebenbürtig angeschlossen. Über vierhundert Vertreter von Gemeinden und Einzelverbänden, aus dem Süden und Westen, wie aus den ostelbischea Landen waren dazu in der Hauptstadt Schlesiens erschienen, darunter zum ersten Male auch mehrereJDamen als Delegierte jüdischer Frauenvereine oder Vertreter der Wirksamkeit jüdischer Frauen in unsern grossen jüdischen Vereinen. Die Reihe der Feierlichkeiten begann am Sabbath mit einem erhebenden Festgottesdienst in den beiden grossen prächtig dekorierten und dichtgefüllten Synagogen. Am Abend dieses Tages fand sodann in den Sälen der „Gesellschaft der Freunde" die Begrüssung der Deligierten statt, danach die Vorbesprechung für den Gang der sonntäglichen Verhandlungen.*] Diese wurden um 10% Uhr vormittags in'dem grossen Saal des Konzerthauses, der wie seine Galerien von einer nach Tausenden zählenden Menge von Zuschauern erfüllt war, durch den Vorsitzenden des Verbandes, Justizrat Maximilian Horwitz-Berlin, eröffnet. Nach Konstituierung des Büros wurde unter allgemeinem Beifall die Absendung eines Huldigungtelegramms an Seine Majestät den Kaiser beschlossen. Hierauf begrüsste der Vorsitzende die erschienenen Delegierten, sowie den Vertreter des Regierungspräsidenten und widmete dann dem vor wenigen Monaten dahingeschiedenen Vorsitzenden des Verbands, Justizrat Dr. Edmund Lachmann, sowie^den verstorbenenMitgliedern des Ausschusses, Sanitätsrat Dr. Neumann und Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Pinner, Worte dankender und ehrender Anerkennung. [ Nach der Verlesung des Geschäftsberichtes, der in grösserer Ausführlichkeit jetzt auch gedruckt vorliegt, erteilte er Herrn Rabbiner Dr. G u 11 m a n n - Breslau das Wort für seinen Vortrag: „Ü b e r d i"e I d'e e der Versöhnung f m Judentum." Dieser formvollendete Nachdruck verboten. und gedankenreiche Vortrag entfaltete sich in interessanten Vergleichen mit den Lehren des Christentums zu einer geistvollen Darlegung des Wesens des Judentums und schloss ungefähr mit den Worten: „Ein Bild der Versöhnung nach innen stellt der Verband der deutschen Juden dar, in dem alle idealen Kräfte in der deutschen Judenheit zusammenwirken sollen zum Heile des Ganzen. Er will dem Judentum in unserrh Vaterland zur freien Entfaltung seiner Kräfte helfen, dass es seine Aufgabe im Dienst des Völkerleben3 erfülle und an den die Menschheit versöhnenden Kulturauf gaben in seiner Weise sich beteiligen könne." Während dieses Vortrages war der Oberpräsident von Schlesien, Staatsminister Graf von Zedlitz-Trütschler, erschienen Nach Beendigung des Vortrags erklärte er auf die begrüssenden Worte des Vorsitzenden, dass die weiterhin zu erwartenden Verhandlungen des Verbandstages über die „preussische Ostmarkenpolitik und die ostmärkischen Juden" Fragen von so allgemeiner Bedeutung behandeln, dass er gern erschienen sei, um für Amt und Pflicht aus diesem Kreise etwas heimzunehmen. Als Mensch müsse er dem ebengehörten Vortrage gegenüber betonen, dass er ein überzeugter, auf dem Boden des ueuen wie des alten Testamentes stehender Christ sei. Diese Überzeugung hindere ihn in keiner Weise, auch andern religiösen Anschauungen und Gemeinschaften Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und aus diesen Gesinnungen heraus wünsche er den Bestrebungen des Verbandes besten Erfolg. Der Herr Oberpräsident folgte sodann den beiden Vorträgen der Herren Justizrat Breslauer- Berlin und Landtagsabgeordneten Wolff-Lissa über die „Ostmarkenpolitik und die Juden" mit grosser Aufmerksamkeit bis zum Schluss. Herr Justizrat Breslauer sagte: es sei angezeigt, diesen Gegenstand heute in der Hauptstadt Schlesiens zu verhandeln, denn man denke daran, auch auf einzelne Teile Schlesien» jene politischen Massregeln auszudehnen, die zunächst gegen die Polen gerichtet waren, aber in der Provinz Posen als begleitende Erscheinung eine enorme Abwanderung der Juden zur Folge gehabt und es veranlasst hätten, dass inner-