Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Schach
- Date
- 1909-11-01
- Page
- Seite 695 - 696 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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695 Dr. Emaauel Lasker: Schach. 696 sprechen zu dürfen, als ganz besonders wert erscheinen lässt: Die Juden haben viel gelitten, und von gesellschaftlicher Gleichberechtigung sind sie noch immer weit entfernt. Bei jeder Konkurrenz zwischen Jude und Christ ist der Jude „handicapped". Um gleiche Ergebnisse zu erzielen, muss der Jude mehr können und mehr leisten als der Christ. Daher kann der Jude leicht zu einer falschen, weil etwas zu bitteren und* kritischen Weltanschauung kommen. Wer dem entgegenarbeitet, tut ein verdienstliches Werk. In dem engen Gebiete der 64 Felder des Schachbrettes gibt es keine Bevorzugung. Dort sind alle Kräfte und Gelegenheiten für die beiden Konkurrenten gleich. Dort also kann sich der Jude sein zufriedenes Lächeln wiederholen. Er kann sich dort in eine Welt, wo alles mit gleichem Masse gemessen wird, hiaeinträumen. Es wird mir ein Vergnügen sein, denen, die sich bei den Exkursionen in die Ideenwelt des Schach mir anvertrauen wollen, Führer zu sein. Mögen sie sich nur möglichst aktiv beteiligen. Ihr Kat, ihr Zuspruch, ihre Kritik und ihr Lob werden gleich willkommen sein. * * * Problem Nr. 1 von A. Charlick. Weiss zieht und setzt in zwei Zügen matt. Dies Problem hat im Turnier der Nowoje Wremja den ersten Preis gewonnen. Seine Lösung wird in der nächsten Nummer von „Ost und West" veröffentlicht werden. Inzwischen sind unsere Problemfreunde eingeladen, die Aufgabe zu lösen und uns durch Postkarte zu verständigen. Die Redaktion von „Ost und West" hat freundlichst unserem Ersuchen nachgegeben, einen Preis zu stiften, der aus einem Buch oder Bild bestehen wird. Die Lösung soll alle Varianten des Problems umfassen. Bei gleichwertigen Lösungen gewinnt die den Preis, die am ehesten auf die Post gegeben wurde. Gegebenenfalls behält sich die Redaktion vor, mehrere Preise zu erteilen. . Imf?nächsten Monat wird Karl Schlechter, der österreichische Vorkämpfer, um die Weltmeisterschaft ringen. Es ist daher von Interesse, um sich über seinen Stil ein Urteil zu bilden, eine der vielen schönen Partien, dieser geliefert hat, nachzuspielen. Partie Nr. 1. Turnier zu Monte Carlo, 1903. Weiss: Schwarz: K. Schlechter. c7—c5 Sb8—c6 g7—g6 c5 x d4 Lf8—gl Sg8—f6 J\ Mieses. 1. e2—e4 2. Sbl—c3 3. Sgl—e2 4. d2—d4 5. Se2xd4 6. Lei—e3 7. g2-g3 Bis hierher war die Strategie von Weiss fraglos richtig. Er hat mit jedem Zug eine Figur entwickelt, seine Stücke gedeckt in die Mitte gestellt und mehr Beweglichkeit als sein - Gegner erlangt. Jetzt aber braucht er zwei Züge, um den Läufer fl in Aktion zu bringen, wo einer, Lfl—e2, vollauf genügt hätte. Man muss daher den Zug in Zweifel ziehen; ihn zu verwerfen wäre voreilig, denn das Manöver hat auch Vorzüge; z. B. stützt der Läufer auf g2 den Bauern e4 und drückt nach d5, den befreienden Zug d7—d5 erschwerend. 7..... 0-0 8. Lfl—g2 d7—d6 9. h2—h3 .... Hier sehen wir bereits etwas von der vielgerühmten „Logik" der Ereignisse auf dem Schachbrett. Der Läufer fehlt auf e2, somit ist das Feld g4 dem schwarzen Springer freigegeben und Schwarz droht Le3 anzugreifen, abzutauschen und die Mitte des Weissen, insbesondere die Stellung von Sd4, zu schwächen. Aus diesem Grunde ist Weiss genötigt, durch h2—h3 noch eiA Tempo zu verlieren. 9..... Lc8—d7 10. 0—0 Dd8—c8! Hier gewinnt Schwarz durch Angriff auf h3 Zeit, den durch den Abzug des Läufers von fl nach g2 preisgegebenen Punkt c4 zu beherrschen. 11. Kgl—h2 Sc6—e5! Geschieht nun 12) f2—f4, so antwortet Schwarz Se5—g4f; 13) h3xg4, Sf6xg4f, mmmt im nächsten Zuge den Läufer e3 und später Tfl mit leichtem Gewinn. Zugleich droht 12) Se5—e4, und 12) b2—b3 ist nicht möglich, weil die Dame c8 den Springer c3 angreift. 12. Sc3—d5 Sf6xd5 13. e4xd5 Se5—c4 14. Le3—cl .... Bei 14) b2—b3, Sc4xe3; 15) f2xe3, Dc8—c3 hätte Schwarz eine ausgezeichnete Position, weil Ta8—c8 folgt, und Weiss überall bedroht wird. 14..... Dc8—c5 15. Sd4—b3 Dc5—b6 16. Tal—bl TaS—c8 17. f2—f4 ....