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Ost und West · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. Seite 669 - 670

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
Porträt-Büste Maria Holgers [Illustration]
Date
1909-11-01
Page
Seite 669 - 670 (sequence 1)
Language
German
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669 JACOB PLESSNER. Von Karl Schwarz. Als im Jahr 1903 zum ersten Male in dieser Zeitschrift den Lesern einiges über Jacob Plessner mitgeteilt wurde, weilte der Künstler als Träger des Michael-Beer-Preises in Italien. Inzwischen hat Plessner rüstig weitergeschafft, und manches schöne Werk ist in seinem stillen Berliner Atelier herangereift. Während seiner italienischen Studienreise fand der junge Bildner den eigentlichen Kern seiner künstlerischen Begabung, die er durch eifriges Bemühen in seinen neuen Werken zum Ausdruck brachte. Als im Frühjahr 1908 vier jüdische Bildhauer zu einem Wettbewerb für ein Moses-Mendelssohn-Denkmal in Berlin aufgefordert wurden, befand sich auch Jacob Plessner unter ihnen und setzte seine bildnerische Kraft in die Porträtbüste dieses grossen Gelehrten. Sein Entwurf kam jedoch nicht zur Ausführung; vielleicht findet sich aber eine andere Gelegenheit, um diesem Meisterwerk der Charakteristik eine würdevolle Stätte zu bieten, das ebenso als Denkmal wie auch als blosse Büste eine Zierde und ein bedeutendes Kunstwerk darstellt. Vom Dekorativen ausgehend, hat sich Plessners Interesse immer mehr der Psychologie des Menschen zugewandt. In dem mit dem Rompreis ausgezeichneten grossen Relief „Nach der Arbeit" -figuriert der Nachdruck verboten. Körper nur als schöne Linie, auch in der „Halbfigur eines Jünglings"*) ist die Kopfbewegung und die ganze Haltung des Körpers rein dekorativer Natur. Doch welcher Fortschritt ist bereits in dieser in Rom entstandenen Arbeit zu verspüren! Am deutlichsten zeigt das die ungefähr gleichzeitig entstandene weibliche Figur (siehe die Abbildung), die sowohl als Einzelfigur wie als Bekrönung eines Brunnens gedacht ist. Hier stört nicht mehr eine gewollte Linie; der nackte Körper in seiner ganzen Schönheit, die weichen Formen mit ihren zarten Schwellungen, über die das Licht in mannigfachen Abstufungen dahingleitet, entzücken das Auge des Beschauers. Das rein Dekorative ist zu einer wohltuenden Melodik abgestimmt, wie in einem guten Orchester ertönen alle Instrumente, ohne dass das eine oder andere zu laut hervortritt, in schönem Wohlklang. Plessner hatte den einen Weg seiner Begabung in Italien gefunden, der zweite sollte ihm auch bald erschlossen werden; ein Blick auf die Moses-Mendelssohn-Büste beweist es. Sein ehrliches Streben hat ihn zum plastischen Psychologen gemacht, in dessen *) Siehe die Abb. Jahrg. III, Xo. L s. 266 u. 268.

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