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Ost und West · 1909-10-01 · Heft 10 (Oktober 1909) · p. Seite 635 - 636

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 10 (Oktober 1909)
Article
Die Jahreswende
Date
1909-10-01
Page
Seite 635 - 636 (sequence 1)
Language
German
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635 636 aus dem Deutschen Boieau der J§1 Alltance Jsraelite Univefselle DIE JAHRESWENDE. Unseren Mitgliedern allen, unsern treuen Mitarbeitern an dem Werk der Alliance Israölite Universeile, bringen wir beim Jahreswechsel Gruss und herzlichen Glückwunsch. Sei uns allen ein frohes Jahr beschieden, ein Jahr mutigen Strebens und gesegneten Gelingens. Zu vielen Tausenden haben wir uns zu gemeinsamer Arbeit vereint. Unsere Zahl ist so gross, dass wir einander nicht kennen. Aber uns verbindet der nämliche Wille und die gleiche Gesinnung: im Geist der Gerechtigkeit und Bruderliebe dahin zu wirken, dass Gerechtigkeit und Bruderliebe allüberall das Leben beeinflussen. Über ferne und nahe Länder dehnt sich unser Kreis, unsere schaffende Arbeit. Jede unserer Schulen ist eine Bannerträgerin der Kultur und der heiligen Eeligion unserer Väter, der wir in ehrfürchtiger Liebe anhangen und deren oberstes Gebot, deren ganze Grundlage Gerechtigkeit ist. Unsre Tätigkeit muss rastlos sein. Sie ist es seit fast fünfzig Jahren gewesen, und sie soll nicht aufhören. Sie hat keinen anderen Zweck als den, den Brüdern zu helfen, wo sie bedrängt und bedroht sind, wo ihnen Sicherheit des Lebens und Erwerbs und Bildungsmöglichkeit fehlt. Wir stützen die Schwachen, wir leiten ihre Schritte, bis sie Kraft gewonnen haben, sich selbst weiterzuhelfen. Wir verfolgen keine Nebenabsicht, welchen Namen immer sie haben möge. In drei Erdteilen wirkend, müssen wir es als unsere erste Pflicht anerkenoen, uns von jeder parteipolitischen Betätigung oder Begünstigung fernzuhalten. Nur indem wir diese Pflicht mit strenger Gewissenhaftigkeit erfüllen, gewinnen wir für unsere humanitären Aufgaben den unangreifbaren Eechtsboden, dürfen wir überall im Namen der Menschlichkeit und Gesittung Förderung beanspruchen. Und solche Förderung finden wir mehr und mehr. Sie ist die Frucht unserer Arbeit und der Anerkennung, die sie gewonnen hat. Wir werden auf diesem Wege fortfahren, gestützt auf eine halbhundertjährige Erfahrung, getragen von gefestigtem Vertrauen, das sich am deutlichsten in der stetigen Zunahme unserer Mitgliederzahl ausspricht. Was wir erreicht haben, ist — bei aller Stattlichkeit — nur ein Anfang, der die in unser Werk gesetzten Erwartungen erhöht. Immer grösseren Ansprüchen müssen wir genügen, um uns würdig denen anzureihen, die unser Werk begonnen haben. So darf es für uns kein Ermüden geben und kein Aufhören. Sind wir auf einen höheren Standpunkt gelangt, so zeigt sich uns ein erweitertes Gebiet für befruchtendes Schaffen. Wir wissen denen Dank, die uns Vertrauen schenken; und unser heissestes Bemühen ist, es stets zu verdienen. So verbinden wir für unsre Freunde alle mit unserm Neujahrsglückwunsch unsern Dank. Die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle. Berlin im Tischri 5670 September 1909. Geheimer Kommerzienrat Goldberger, Präsident. Stellvertr. Präsident. Philipp Schiff, M. A. Klausner, Geschäftsführer.

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