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Ost und West · 1909-10-01 · Heft 10 (Oktober 1909) · p. Seite 607 - 608

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 10 (Oktober 1909)
Article
Abraham Neumann
Date
1909-10-01
Page
Seite 607 - 608 (sequence 2)
Language
German
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€07 Alfred Graetzer: Abraham Neumann. 608 eines feurigen Naturempfindens geworden, dem der Wald zum Tempel seiner Andacht sich wandelt. Vom Winter im Walde lockt ein seltsamer Farbenklang zu dem Nachbarbilde, das uns aus den Wundern der freien Natur in die des Innenraumes versetzt. Wir blicken in das Atelier des Künstlers. Wie schön und wahr ist das Sein der Dinge in dem weichen Lichte dieses Raumes gegeben! Unser Auge fühlt jede Einzelheit in der intimen Schilderung der Teppiche und Möbel; die Liebe zu den alten schönen Dingen wird von uns mit Behagen empfunden: aber weit stärker fasst uns der Farbenrausch, der diesem Bilde entströmt. Immer wieder wandert das entzückte Auge vom Rot-blau-gelb der Teppiche zum tiefen Orange des alten Schlankes und dem reizvollen Violett der Tischdecke, um an dem fein nuancierten Gelb der Wände zu rasten. Wir müssen unwillkürlich an die Heimat dieser Teppiche denken, an jene farbigen Phantasien aus Tausend und einer Nacht, und wir erraten aus der fühlbaren Leidenschaft, mit der diese Symphonie gesehen und gemalt ist, dass der Sinn für orientalische Farbenglut des Künstlers innerstem Wesen eigen ist. Aus welcher Quelle Neumanns Farbenempfinden fliesst, glauben wir nun zu sehen. Was im Interieur konzentriert als intensivster Farbenrausch wirkt, tritt uns auf anderen Bildern als licht sprühender Schnee, dunkelleuchtendes Wasser, sonnenbeschienene Wolken entgegen. An Neumanns Naturstudien bemerken wir, dass er den Schnee, — welcher ja nach allgemeiner Ansicht „weiss'' ist — nicht als Abstufung des Helldunkels malt, sondern als eine Symphonie unendlich feiner Töne, deren Mannigfaltigkeit auf einem einfachen Akkorde in farbigem Grau ruht. Das rieh, tige Treffen dieses Akkordes ist das Wesentliche, denn dadurch wird die Naturstimmung — je nach der Tages - und Jahreszeit und sonstigen Umständen — für den Betrachter der Studie A. NEUMANN. Dämmerung* lebendig. Da kommt es freilich darauf an, dass wir Aehnliches schon erblickt und erlebt haben wie der Künstler selbst, der seine Kraft der ständigen Berührung mit der Natur verdankt. Für ihn ist es Lebensbedingung, die Kultur der Grossstadt zu meiden. Im Tatragebirge hat er sein Heim aufgeschlagen; hier streift er unermüdlich durch die Welt des Schnees, der Wälder und Berge, um, wie der Jäger seinem Wilde folgt, den tausendfarbigen Stimmungen des Lichtes nachzugehen. Er versteht es, unter den gewohnten Erscheinungen der Natur die seltenen Zufälle der Beleuchtung zu fassen und festzuhalten, ehe sie wie scheue Vögel dem Blick entschwinden. Alle Stunden des sonnigen oder trüben Wintertages hält er mit ihrem Stimmungsausdruck fest; er geht auf stillem Pfade dem Wechsel der Dämmerung nach, die tausendstimmig und zwiespältig den Maler lockt und ruft. Diese Studien sind herrlich gemalt, ganz freie Wiedergaben des Gesehenen, ohne merkbare technische Anstrengung. Wir haben gar nicht die Empfindung einer mühsamen Arbeit, sondern die Natur scheint sich des Künstlers zu bedienen, um ihren unmittelbaren Ausdruck zu finden. Bei aller Fülle der Mittel wTeiss Neumann sich klug auf das zu beschränken, was seinem Können entspricht, nirgends gibt er ein raffiniertes Spiel, sondern nur Kunst aus tiefstem Erleben der Natur und ihres Jahr für Jahr sich neu abspielenden Dramas. — Auf einzelne Studien können wir hier nicht eingehen; doch wird jeder Sehende das Mienenspiel der Mutter Natur wiedererkennen und lieben, wie die Züge des ihm bekanntenLebens auf guten Porträts. Sehr de - korativ wir - ken wiederum die grossen Stücke, wie z. B. das Architekturbildr welches von geheimnisvol - ler Farben- Raum - und Linienwirkung erfüllt ist, oder die Dorfstrasse, deren Mittagsglut eine ganze Wand zu beherrschen und farbig zu stimmen vermag. Wenden wir OELGEMAELDE. uns; nun zu

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