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Ost und West · 1909-10-01 · Heft 10 (Oktober 1909) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 10 (Oktober 1909)
Date
1909-10-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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A aspggfesT: ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT v FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert von LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 10. Oktober 1909. IX. Jahrg. DIE INTERNATIONALE BEDEUTUNG DER ENGLISCHEN JUDEN. Von Paul Goodman, London. Eine glückliche Erkenntnis von den Daseinsbedingungen des Judentums hat bei allen Spaltungen die eigentliche Sektiererei ferngehalten. Obwohl zwischen dem streng gesetzestreuen und dem radikalen Juden ein weiter Abstand vorhanden ist, so wird doch im Leben diese Kluft gleichsam ignoriert. Das hat nicht gehindert, dass sich nationale Verschiedenheiten, scharf ausgeprägte Eigentümlichkeiten herausgebildet haben. Die Kraft der Entwicklung und der Anpassung an die Umgebung hat eine grosse Mannigfaltigkeit geschaffen. Von Land zu Land zeigen die Juden Gruppierungen, die der Eigenart der Landesgenossen mit grösserer oder geringerer Deutlichkeit entsprechen. Die Juden in England, von denen hier die Rede sein soll, haben eine Geschichte von nicht mehr als einem Vierteljahrtausend . Ihnen fehlt jede historische Verbindung mit den Glaubensgenossen, die im Jahre 1290 aus England vertrieben wurden. Die neue Ansiedlung um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts hatte einen romantischen Zug. Die Einwanderer waren Flüchtlinge aus der iberischen Halbinsel, zum Teil den Marannenverfolgungen direkt entronnen, zum anderen Teil dem jüdischen Leben in Amsterdam, Bayonne, Altona schon wieder zugeführt. Nicht Arme an Leib und Geist, wie sie heute die Emigration aus dem östlichen Europa vielfach herbeiführt, sondern Handelsherren und Gelehrte von guter sozialer Stellung, die den seelischen Druck in der Heimat nicht mehr ertragen konnten und dem Gott der Väter in fernen Landen zu dienen suchten, kamen damals nach England. Ihre weitverzweigten Handelsbeziehungen und ihr hoher Bildungsgrad machten die Einwanderer zu willkommenen Mitbürgern für den aufstrebenden englischen Staat, und zugleich zu einflussreichen Bundesgenossen für die gedrückten Glaubensbrüder. Nachdruck verboten. Die Londoner Gemeinde wurde ein Mittelpunkt der sephardischen Diaspora. Die schön erhaltenen Urkunden bezeugen den damaligen regen Verkehr zwischen London und dem heiligen Lande, Konstantinopel, Venedig, Bayonne, Amsterdam, Altona, sowie den verschiedenen jüdischen Absiedlungen in der Neuen Welt. London galt nächst Amsterdam für die einflussreichste sephardische Gemeinde der Welt. London war namentlich das Zentrum der englisch sprechenden Juden in den britisch - amerikanischen Kolonien, die, weit zerstreut und ohne Verbindungen mit dem allgemein jüdischen Leben, in London die nötige moralische und auch finanzielle Stütze fanden. Manche von diesen Beziehungen haben sich bis auf den heutigen Tag erhalten. So hat die neue, noch nominell bestehende Gemeinde in Barbados, West-Indien, bestimmt, dass bei gänzlicher Auflösung ihr Kapital der Londonor Gemeinde zufallen soll. Auch die Erhaltung des jüdischen Friedhofes von Ben Nevis, einer anderen Insel der West-Indiengruppe, wird jetzt von London aus besorgt. In regeren, lebendigen Beziehungen stehen die sephardischen Gemeinden zu New- York und Montreal, die sich gewissermassen als Abzweigungen der Gemeinde von London betrachten, wie ihre Rabbiner auch noch jetzt der Herkunft nach Londoner sind. Es wird dort ein besonderer Mischeberach am 7/ Pessachtag für die überseeische Muttergemeinde eingeschaltet, während in London, mit dem Konservatismus der Sephardim, am Vorabend des Versöhnungstages ein Mischeberach für „unsere Brüder, die in den Gefängnissen der Inquisition schmachten", feierlich vorgetragen wird. Der Fonds eines Vereins für „Centivos" (Gefängnisse), der die alte jüdische Mizwah „Pidion Schebuim" ausübte und sich der jüdischen Unglücklichen, von Persien bis Böhmen und von Polen bis Marokko,

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