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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 581 - 582

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Aus Marokko
Date
1909-08-01
Page
Seite 581 - 582 (sequence 2)
Language
German
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581 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Aus Marokko. 582 ihm die Bedrückungen zu melden, die sie von Seiten des Scherif Mulay Ali zu erdulden hatte. Dieser Scherif, der schon vor einem Jahr die Notablen der Gemeinde ins Gefängnis setzen und die Synagoge schänden Hess, reizte neuerdings seine Anhänger auf, die zu verschiedenen Malen das jüdische Viertel überfielen und bei einer Anzahl Bewohner die Türen erbrachen. Wenn dem Scherif nicht unverzüglicher Befehl zugegangen wäre, sein Verhalten zu mässigen, wären die Israeliten den schwersten Gefabren ausgesetzt gewesen. Nachdem der Grossrabbiner Vidal Hasserfaty von diesen Tatsachen Kenntnis erhalten hatte, machte er bei dem marokkanischen Minister des Auswärtigen, Si Aissa Ben Omar, Vorstellungen zugunsten unserer Glaubensgenossen von Uezzan, die von Erfolg gekrönt waren. Si Aissa, der den Sultan selbst darüber gesprochen, hat die Erteilung scherifischer Befehle an den Caid von Uezzan erlangt, die ihm einschärften, die Israeliten gegen ihren Bedrücker, den berüchtigten Scherif von Uezzan, in Schutz zu nehmen und diesen für etwa entstehende Schäden verantwortlich zu machen. Ich freue mich, Ihnen sagen zu können, dass der Rabbi Vidal grossen Mut bewiesen hat und jederzeit aufrichtige Bereitwilligkeit zeigt, wenn es sich darum handelt, den Glaubensgenossen zu helfen. A , , A. Elmaleh. Die internationale Kommission in Casablanca, die infolge der Ereignisse von 1907 zur Prüfung der Schadensersatzansprüche der Geschädigten tagte, hat auch den Gesuchen der Juden wohlwollende Beachtung geschenkt. Die meisten von ihnen haben eine Entschädigung erhalten. Die Alliance Israelite Universelle beanspruchte gleichfalls Ersatz für die in ihren Schulen angerichteten Zerstörungen und forderte Wiedererstattung der Kosten, die durch die erneute Ansiedlung und den Unterhalt der Juden entstanden waren, die in den ersten Augenblicken der Panik die Stadt verliesaen und an die Küste verstreut wurden. In der Sitzung vom 29. Juli hat die internationale Kommission die Berechtigung dieser Ansprüche anerkannt. DIE ISRAELITEN IN SYRIEN. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Die israelitische Bevölkerung der verschiedenen Orte des Vilajet Aleppo hat die schmerzhafte Nachwirkung der armenisch-christlichen Massacres empfunden, die kürzlich diese Gegend verwüstet haben. Die nächste Folge war ein völliger Stillstand des Geschäftslebens. Die wirtschaftliche Lage wurde besonders ernst in den Distrikten von Marasch und Antiochien. Die Israeliten von Aleppo veranstalteten eine Sammlung zugunsten ihrer unglücklichen Glaubensgenossen. Aber in ihrer eigenen Stadt wütete das Elend bei den Israeliten, und aus allen Teilen meldete man täglich grössere Not. Der Geschäftsträger des französischen Konsulats in Aleppo, der bei diesem Anlass grosse Menschenfreundlichkeit bezeigte, übernahm das Patronat über das israelitische Unterstützungs-Comite, das sich in Aleppo organisiert hatte, und gab seinen Vertretern in den verschiedenen Orten Weisung, dass sie für die Verteilung der Unterstützungen an die am schwersten betroffenen israelitischen Familien Sorge tragen sollten. Das Central-Comite, von diesen traurigen Ereignissen in Kenntnis gesetzt, stellte dem Comite in Aleppo telegraphisch einen Hilfsfonds von 5000 Francs zur Verfügung. Diese Unterstützungen wurden unter die Israeliten von Marasch, Antiochien, Aintab, Alexandrette, Beilan, Tedeff verteilt. FALSCHE ANSCHULDIGUNGEN. Aus C a i f f a wurde dem Central-Comite unter dem 5. April geschrieben: Wir haben dieses Jahr in Caiffa unter der Anschuldigung des Ritualmords zu leiden gehabt. Der Sachverhalt ist folgender: Ein Israelit, Besitzer eines Hauses im Christenviertel, hat israelitische und muselmanische Mieter. Im Laufe dieser Woche schickte ein orthodox-griechischer Nachbar seine Tochter in Begleitung eines zwei- bis dreijährigen Kindes zum Backhaus, um Brot zu backen. Das junge Mädchen fing an, mit einer Freundin zu schwatzen, ohne zu bemerken, dass ihr kleiner Bruder sich entfernte und auf die Strasse ging. Der.Aufsicht der Schwester entrückt, trat der kleine Knabe in das israelitische Haus ein. In diesem Augenblick erschien — im Zustand der Trunkenheit — ein muselmanischer Mieter; er sah das Kind, nahm es in seine Arme und trug es auf Nachdruck mit Quellenangabe gestattet, sein Zimmer. Er gab ihm Bonbons, verschloss das Zimmer und legte sich an des Kindes Seite. Nach einiger Zeit suchte das junge Mädchen den Bruder, und da sie ihn nicht fand, ging sie weinend nach Hause. Die Eltern fragten die Nachbarn. Einer von ihnen erklärte, das Kind habe er in das israelitische Haus eintreten sehen. Man fragte nach und als man die Antwort erhielt, dass man nichts gesehen habe, gaben misswollende Personen zu verstehen, dass ohne Zweifel die Israeliten das Kind anlässlich des Osterfestes zu rituellen Zwecken entführt hätten. Diese Neuigkeit verbreitete sich mit Windeseile in der ganzen Stadt. Die einheimischen Christen, die überzeugt sind, dass die Israeliten zur Bereitung von Mazzot Blut verwenden, waren lebhaft erregt, und in weniger als fünf Minuten entstand drohende Aufregung. Das jüdische Haus wurde von einer Bande Rasender umringt.

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