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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 575 - 576

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Die Zustände in Persien
Date
1909-08-01
Page
Seite 575 - 576 (sequence 2)
Language
German
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Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Zustände in Persien. 576 glücklicherweise hat man mehr Angst als Schaden gehabt. JDie Unruhe hat sich nach und nach gelegt. Der Ortsgouverneur und der Polizeichef, die in der Stadt einige Autorität besitzen, haben die zur Aufrechterhaltung der Ordnung nötigen Massregeln ergriffen. Nach anderen Nachrichten, die gestern hier anlangten, hiess es übrigens, dass der Seyed Abdul-el-Hussein nicht getötet worden, sondern von den Truppen Nasr-ed-Dowlets eingeschlossen sei. Das hat dazu beigetragen, die Geister zu beruhigen. Im Innern der Provinz ist von einer Verbesserung der Zustände noch keine Rede, ungeachtet der vom Schah dem Lande verheissenen Konstitution. Fars leidet weiter unter dem anarchistischen Zustand, und nach wie vor herrscht die grosste Unsicherheit. Wir sind buchstäblich jeder Verbindung mit der Aussenwelt beraubt. Alle Botschaften, sowohl die durch Ispahan und Teheran, als auch die durch Buschir kommen, sind regelmassig gestohlen worden. * * * Das Central-Comite hat dem Direktor der Alliance - schule in Schiras Unterstützungen zugehen lassen, die zur Verteilung für die am schwersten geprüften Israeliten von Fars bestimmt sind, besonders für die von Darab. DIE ISRAELITEN VON SULEYMANIE. Bericht an das Central-Comite in Paris. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Bagdad, den 12. Juli 1909. Nachstehende Mitteilungen über die Gemeinde von Suleymanie dürften Ihr Interesse finden: Von Bagdad, führen zwei Strassen nach Kerkuk und von dort nach Suleymanie. Die eine geht durch Hanekin über die persische Grenze. Man kann diesen Punkt zu Wagen in einem Tage erreichen. Von Hanekin bis Kerkuk braucht eine Karawane drei Tage durch bergiges und zerrissenes Land, das von Räubern durchstreift wird. Dieser Weg ist der kürzeste, aber nicht der wenigst gefährliche. Der andere Weg, der von den Karawanen bevorzugt wird, ist bis Kerkuk sieben Tagereisen lang. Er geht durch eine von den iinbezwungenen Stämmen der Hamawands beherrschte Wüste. Die Hamawands sind in ewigem Aufstand gegen die Behörden. Erst vor vierzehn Tagen haben sie eine grosse Karawane überfallen, die eine starke Geleitmannschaft hatte, den Befehlshaber getötet, seine Frau und Tochter entführt. Von Kerkuk nach Suleymanie braucht man zwei Tage und bedarf militärischen Schutzes. Die Gemeinde von Suleymanie, die wie die Stadt selbst etwa hundert Jahre alt ist, zählt tausend Seelen. Voreinst gab es in der Nähe, in Kawradagh, eine vierhundert Familien umfassende bedeutendere Gemeinde, die aber vor dreissig Jahren verschwand, als die Hamawands Kowadagh von Grund aus zerstörten. Sie zerstreute sich über Kurdistan. Suleymanie nahm einen Teil auf. In dieser Stadt wie in ganz Kurdistan — Erbil ausgenommen, wo die Israeliten, wie es scheint, sich eines gewissen Behagens erfreuen — ist die Lage unserer Glaubensgenossen elend und .mitleidwürdig. Etwa dreissig von ihnen nähren sich vom Hausierhandel. Ihr Schicksal ist um so beklagenswerter, als sie ihr mühseliges Gewerbe in einer von grausamen Bergbewohnern bevölkerten Gegend ausüben, die die Autorität der Regierung niemals anerkannt haben, und für die Krieg und Raub den normalen Zustand bilden. Der arme Hausierer wird oft ausgeplündert, und mancher von ihnen verliert mit der Habe das Leben. In Suleymanie gibt es zwanzig Goldarbeiter und drei Schneider unter den Israeliten. Kein anderes Gewerbe wird von unsern Glaubensgenossen betrieben. Die Goldarbeiter stellen grobe Silberwaren her: Armbänder, Fuss- und Nasenringe usw. Ihr Gewinn ist gering. Den vergleichsweise wohlhabenderen Teil der Gemeinde bilden sechzig bis achzig Kleinkaufleute, die zumeist mit einem Kapital von tausend bis dreitausend Francs arbeiten. Drei von ihnen haben ein Vermögen von zehntausend Francs. Diese Kaufleute unterhalten Beziehungen zu Bagdad, von wo sie fertige Fabrikate und Kolonialwaren kommen lassen. Ihr Handel hängt von dem Schicksal der Karawanen ab. Einmal unter dreien wird ihnen die Ware an!' dem Wege geraubt. Ausserdem haben sie den ständigen Ansprüchen der Aghas und ihrer Bediensteten zu genügen. Das jüdische Viertel ist vom muselmanischen /öllig getrennt. Ein Zwischenraum von zehn Minuten Weges trennt sie. Die Häuser, aus Bausteinen und Stampferde errichtet, sind durch Höfe von der Strasse getrennt. Die Höfe sind durch eine ziemlich hohe Mauer abgeschlossen. Die Häuser haben meist nur ein Stockwerk mit zwei bis fünf Zimmern. In Suleymanie ist es im Winter sehr kalt, es fällt reichlicher Schnee — die Stadt liegt zwischen zwei Bergketten in einer Hochebene — im Sommer aber schlafen die Bewohner meist auf den Terrassen, die an die Häuser sich anlehnen. Das spricht für die Trockenheit des Klimas. Der Boden der Terrassen besteht aus gestampfter Erde. Während der ungünstigen Jahreszeit muss man oft eine Schicht Stroh und Lehm und eine Rolle darüber breiten, um ein Nachgeben des Bodens zu verhindern. In jeder Strasse ist ein Muselmann, der von den Besitzern bezahlt wird, mit dieser speziellen Arbeit beauftragt. Mobiliar gibt es in den Häusern nicht. Man sitzt auf Teppichen oder Matten auf dem Fussboden. Man isst in diesem ganzen Gebiet ohne Gabel und Löffel aus einer gemeinsamen Schüssel, die auf eine Unterlage gestellt wird. Die Nahrung ist einfach und ziemlich grob. Reis und in Wasser gekochtes Gemüse bilden die Hauptbestandteile. Die Kleidung der Männer gleicht ungefähr der der Israeliten von Bagdad. Die Frauen tragen ein langes Hemd aus Kattun, darüber ein „Antari", durch einen Gürtel mit massiven silbernen Schnallen in der Taille zusammengehalten. Wenn sie auf die Strasse gehen, umhüllen sie sich mit dem „Isar", wie es in allen arabischen Landen Brauch ist. Ihre Kopftracht besteht aus einem Käppchen, das mit Silberstücken in konzentrischen Reihen geschmückt ist. Die Mäd-

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