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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 565 - 566

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Revue der Revuen
Date
1909-08-01
Page
Seite 565 - 566 (sequence 2)
Language
German
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505 Revue der Revuen. 566 Ende Juli tagte in London der Internationalrat der Jewish Territorial Organisation. Israel Zangwill sprach über die Aussichten der Kolonisation Meso- * potamens. Er erklärte, dass die Ito das Wort Autonomie Vorlauf ig nicht in ihr Programm nehme; denn es sei unmöglich, bei Beginn einer Kolonisation autonome Rechte zu fordern; es müsse an dem Begriff „autonome Basis" festgehalten werden, d. h. die Juden würden, indem sie das vorherrschende Element würden, allmählich auf natürlichem Wege Selbstverwaltung erlangen. Die russischen Delegierten wollten das Cyrenaicaprojekt nicht verworfen wissen; es wurde beschlossen, eine nochmalige Prüfung dieses Projektes vorzunehmen. Das positive Resultat der Londoner Beratungen ist die Schaffung eines Emigrationsfonds. * # * Die Ernennung des Pariamentsmitgliedes Herbert Samuels zum englischen Minister beschäftigte die gesamte jüdische Presse. „JewishChroiiicle"erzählt: Mr. Herbert Samuel trat im Jahre 1905 als Unterstaatssekretär in das Kabinett des Sir Herbert Campell - Bannermann. In]dieser Stellung gewann Mr. Samuel die Anerkennung aller Parteien durch den Takt und das Geschick, mit denen er das Kinderschutzgesetz durchs Parlament steuerte, i ein Gesetz, das einen Markstein in der sozialen Gesetzgebung Englands bedeutet. Das Amt, zu J dem Mr. Samuel jetzt berufen wurde, ist das eines Kanzlers des Herzogtums Lancaster, das vorher Lord Fitzmaurice bekleidete. Samuel ist der erste bekenntnistreue Jude im englischen Kabinett. * * * Einer der hervorragendsten Männer, der jüdischen Wissenschaft, der TalmudgelehrteMoses Bloch, starb am 6. August zu Budapest. Frühzeitig bekleidete der Verstorbene schon Rabbinerposten in Mähren und Ungarn, und als 1870 in Budapest das Landesrabbinerseminar begründet wurde, trat Moses Bloch als Rektor an die Spitze. Unter seiner Leitung wurde das Budapester Seminar eine Musteranstalt. Rabbi Moses Bloch hat ein Alter von 94 Jahren erreicht; staunenswerte Geistesfrische war ihm beschieden, und bis in den letzten Tagen seines Lebens war er tätig. Die Werke talmudischen Inhaltes, die er geschrieben, füllen eine stattliehe Bibliothek. * * * In London starb im 81. Lebensjahre der ehemalige jüdische Lordmajor Sir Henry A. Isaacs, der als Philanthrop und durch seine Tätigkeit für jüdische Interessen weit über England hinaus bekannt war. Als Sohn eines Kaufmannes geboren, widmete sich Isaacs nach . erlangtem Doktorat dem Studium der Londoner Kommunalfragen und wurde auf diesem Gebiete eine Autorität. Er hat eine Reform dieses riesigen Verwaltungskörpers durchgeführt. In Anerkennung ^seiner vielseitigen Verdienste r„ Ehrenerso Die Jto* Konferenz in London« (Gruppenbild.) verlieh ihm Königin Victoria den erblichen Adel. Sir Henry A. Isaacs hat für englisch-jüdische Institutionen grössere Legate hinterlassen. * * * Ueber eine recht erheiternde Debatte berichtet „Jewish World". In der „Gesellschaft der am:rikanischen Schiffbau- Architekten und Marine-Ingenieure" zu Detroit wurde von einem Mitgliede der ernsthafte Antrag gestellt, Noah zum Ehrenmitglied der Gesellschaft zu erheben! Professor H. S. Sadler von der Universität Michigan führte zur Begründung seines Antrages aus: „Noahs Arche war ausgezeichnet konstruiert und hatte im Verhältnis zu ihrer Grösse eine ausserordentliche Ladefähigkeit. Noah war der Vater unseres Berufes und der grösste Ingenieur von uns allen. Zudem hat sein Schiff der Menschheit den grössten Dienst erwiesen, selbst Deweys Flotte vor Manila nicht ausgenommen." Der Antrag fand viele Gegner. Einer von ihnen wies darauf hin, dass Noah - nach vierzigtägiger Fahrt sein Schiff habe auflaufen lassen, und dass seine Söhne allen Seeleuten ein übles Beispiel gegeben hätten, als sie nach der Landung grob und ungezogen wurden. Herr Frank Feffrey meinte: „Wenn wir JNoah zum ' mitglied nennen, müssen wir auch Jonas aufnehmen, denn er war der erste, der ein Unterseeboot mit Erfolg lenkte." Nach hitziger Debatte kam die „Gesellschaft der Schiff bau-Architekten und Marine-Ingenieure" zu dem Schlüsse: Noah sei der Ehrenmitgliedschaft an ihrer Gesellschaft nicht würdig, und der Antrag wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt. * * * Die Garibaldi-Gesellsc h'a ft in Anco na ist mit dem Vorschlage hervorgetreten, jenen"£24 Juden, die im Jahre 1556 auf Befehl des Papstes Paul IV. den Flammentod starben, ein Denkmal in Anco la zu setzen. Wie bekannt, waren die spanischen Flüchtlinge, die sich um 1492 nach den unter päpstlicher Herrschaft stehenden Ländern gewandt hatten, dort Jahrzehnte hindurch?gelitten worden. Erst die Bulle Paul IV. („cum nimis"), durch welche ^das Ghetto als legale Institution {deklariert wurde, brachte Wandel und damit Judenverfolgungen. Wie feine römische Korrespondenz der „Jewish Chronicle" meldet, stehen die italienischen Juden dem Vorschlage der Garibaldi- Gesellschaft sehr kühl gegenüber, da es ihnen unangenehm erscheint, die »Leidensgeschichte der Juden zu einer antikatholischen Demonstration verwendet zu sehen. * * * In England hat die ottomanische " Deputation, bestehend aus 17 hervorragenden Mitgliedern des türkischen Parlamentes, äusserst f reundliche Aufnahme gefunden. Eine Reihe festlicher Empfänge und Begrüssungen füllte die Zeit ihrer Anwesenheit aus; die englische Presse hiess in ihnen die „Reformer des Orient" willkommen. (X I. Zangwill.)

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