Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1909)
- Article
- Max Nordau
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 489 - 490 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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489 M. A. K.: Max Nordau. 490 Wege zu einem von ihm gewählten Ziele führt, dass aber allein das Ziel, nicht der Weg in seiner Absicht liegt. Er rüttelt auf und reisst fort, und man folgt freudig dem unterhaltsamen Führer. Wer alles buchstäblich nehmen wollte, was er erzählt, der würde ihm Unrecht tun und einzig die eigene Unzulänglichkeit beweisen, das eigene Unvermögen, die Mittel vom Zweck zu trennen: Der Wor'tkünstler braucht bei aller philosophischen Veranlagung kein Philosophzusein, sein kühner dialektischer Aufbau forciert die ästhetische Bewunderung, nicht die nachdenkliche Prüfungheraus. Ferne von uns die Meinung, dass gleichgiltig wäre, was Nordau uns zu sagen hat. Das hiesse seine Klugheit, die Fülle seines Wissens und seiner Erfahrung verkennen, seiner Bedeutung nicht gerecht werden. Man muss sich nur hüten, seineUebertreibungen, die er selbst gewiss als solche ansieht, für etwas anderes zu nehmen, als für ein Mittel seiner eindringlichen Darstellungsweise. Die Uebertreibung verdeutlicht. Sobald sie das erreicht hat, kann sie preisgegeben werden. Wenn Nordau das nicht mit ausdrücklichen Worten tut, so unterlässt er eben bios, was ihm selbstverständlich erscheint, was nach seiner Meinung der vernünftige Leser ohne besondere Anleitung besorgt. Nordaus Eigenart — nicht die sich auf die Kunst, sondern die sich auf die Methode der Darstellung bezieht — ist nicht spezifisch jüdisch. L. PILICEIOWSKI, PARIS. Max Nordau. Denn er hat darin Vorgänger gehabt, die dem Judentum und jüdischem Wesen ganz fremd waren. Aber seine Eigenart sagt uns zu, begegnet bei uns einer gewissen Prädisposition und Vorliebe. Das hat ihm den Erfolg in unseren Kreisen erleichtert. Wir sind ihm dankbar für das uns verwandte Talent und hören ihn gern. Die Würdigung des Schriftstellers Nordau hat nichts mit der Parteistellung Nordaus zu tun. Und doch muss man dieser Parteistellung gedenken, weil sie selbst, wenigstens dem ersten Anschein nach, ein Nordausches Paradoxon ist. Dass dieser Freigeist, dieser kampfesfrohe Gegner der Tradition, ein Vorfechter des Zionismus wurde, hat zunächst Erstaunen hervorrufen müssen.Und völlig ist das Erstauwichen. Auf das Rätselvolle dieses äusseren Wandels einzugehen, ist jetzt nicht die Gelegenheit und dies nicht dtr auf den begestaltungs- NACH EINEM OELGEMAELDE. Ort. Wir müssen uns hier begnügen, sonderen Zug hinzuweisen, den der reiche Mann schon in reiferen Jahren in sein Bildnis lüneingezeichnet hat. Die Zionisten freuen sich des führenden Genossen, der ihr hervorragendster Kopf ist. Ob wirklich ganz ihr Kopf, mag dahingestellt bleiben. Und auch wir freuen uns aufrichtig des Schriftstellers, der im zeitgenössischen Schrifttum einen hervorragenden Platz nach Verdienst einnimmt. M. A. K.