Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1909)
- Article
- Erklärung
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 469 - 470 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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NV\yv»......."""Wfn vv MITTEILUNGEN "ft aus dem Deurschen Bureau der nonro'JiVj BERLIM.M 2^. Alliance Jsraelite Universelle *>»ner 0ranien&urgersrc4?A3 ERKLAERUNG. Der Bericht, den ich am 23. Mai in der Generalversammlung des Lokal-Comites Berlin der Alliance Israelite Universelle erstattet habe, ist in allen jüdischen Blättern, wie auch in hervorragenden politischen Zeitungen, teils ganz, teils auszugsweise zum Abdruck gelangt. Zionistische Zeitungen haben diesen Anlass benutzt, um mich persönlich mit den gröbsten Anwürfen aller Art zu bedenken. Diese Anwürfe — man lese den mit N. S. gezeichneten Artikel in No. 24 der „Welt" und den Artikel eines Herrn Julius Simon in No. 25 der „Jüdischen Rundschau" — sind dem Inhalt nach so reich ausschliesslich an Phrasen, in der Form so bar jeder „Kinderstube", dass ich es ablehnen muss, mich mit ihnen zu befassen; um so mehr, als ich an dem, was ich in Uebereinstimmung mit der Geschäftsführung des Central-Comit6§ über den Zionismus in der Türkei gesagt habe, nicht ein Wort zu ändern oder zu mindern in der Lage bin. Den Zionismus selbst und seine Wertung trenne ich von jenen Wortführern innerhalb des Zionismus, die nur von Unterstellungen und von Skandal leben, und die man schon als Propagandisten des Antisemitismus totschweigen sollte, da man ihnen andernfalls zu viel Ehre erweist. Auch die Besonnenen im Zionismus, den ich übrigens lediglich als eine Art jüdisch-politischer Parteibildung anspreche, die als solche nur hie und da die tatsächliche und ernste Kulturarbeit unserer grossen humanitären jüdischen Organisationen berührt, sollten sich von den Skandalmachern lossagen. Denn vornehmlich diese sogenannten „Bannerträger" gefährden die heilige Sache des Judentums und schaden namentlich uns deutschen Juden in aussergewöhnlich betrüblichem Masse. An den nicht minder persönlichen und gehässigen Angriffen in No. 23 der ausserhalb des Zionismus stehenden „Jüdischen Presse, Organs für die Gesamtinteressen des Judentums" und ihres Herausgebers Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer will ich zunächst in „schweigender Nichtbeachtung" vorübergehen. Die Abrechnung mit diesem Organ und mit diesem Herrn behalte ich mir für einen späteren Zeitpunkt vor. Seit der Veröffentlichung des Berichts sind der A. I. U. und mir von den Besten unserer Glaubensgenossen freudige Zustimmungen zugegangen. Da es nicht möglich ist, jedem Einzelnen zu antworten, will ich Namens der Alliance und für mich an dieser Stelle öffentlich und herzlich danken. Berlin, den 22. Juni 1909. Ludwig Max Goldberger. DAS LEHRLINGSWERK DER ALLIANCE IN TUNIS. Herr Gueron, einer der Allianceschullehrer in Tunis, hat an das Central-Comite nachstehenden Bericht geschickt: Tunis, den 7. Juni 1909. Die oberste Unterrichtsbehörde hier ist im Begriff, die Erziehung der muselmanischen Bevölkerung zum Handwerk von Grund aus umzugestalten. Wie es scheint, nimmt die Behörde dabei im wesentlichen unser Lehrlingswerk zum Muster. Diese Anerkennung mag wohl als geeigneter Anlass betrachtet werden, in gedrängter Kürze über die Lage unserer Handwerker, wie sie unter Leitung der Alliance sich entwickelt hat, zu berichten. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Die jüdische Handwerkerbevölkerung von Tunis ist nur annäherungsweise anzugeben, da bisher eine ernsthafte Statistik für die Israeliten der Regentschaft nicht existiert hat. Doch sieht man schon bei einem Spaziergang in die nächste Umgegend, dass gewisse Handwerke — Schuhmacher, Schneider für Araber und Europäer, Metallarbeiter, Schmuckwarenarbeiter, Haararbeiter usw. — zumeist von Juden ausgeübt werden. Die etwa 3000 männlichen und die 600 bis 800 weiblichen Arbeiter erhalten für die ungefähr gleiche Tagesleistung sehr verschiedenen Lohn. Die kläglichsten hygienischen Arbeitsverhältnisse haben beide Geschlechter gemein. Ihr Handwerk üben sie zumeist ganz in der her-